News

Headerbild

Hubert von Goisern - Offener Brief an C. Schachinger

Mitte Februar erschien mit Magic Life das lang erwartete neue Album von BILDERBUCH. Neben unzähligen, durchwegs positiven, Kritiken zum neuen Album gab es auch so manch weniger charmanten Seitenhieb über das neue Werk zu lesen. So auch von Christian Schachinger, Journalist bei derStandard. Unter dem Titel Bilderbuchs "Magic Life": Zwischen Plemplem und Ballaballa zog er unter anderem auch Vergleiche mit Landdiscos und sparte nicht damit, kein gutes Haar am neuen Werk der Oberösterreicher zu lassen.


Jedem seine Meinung, wir leben in einem freien Land! Das dachte sich auch Hubert Von Goisern der mit der Kritik Hr. Schachingers nichts anfangen konnte und einen Leserbrief darüber schrieb. Anscheinend weigerte sich die Redaktion, laut Hubert, den Brief zu veröffentlichen. So stellte dieser ihn kurzerhand, heute, auf seiner Homepage online.

Hier nochmal der genaue Wortlaut des Briefes:

"Offener Brief anlässlich einer Albumkritik von Bilderbuchs Magic Life in der österreichische Tageszeitung Der Standard.

(ihn als Leserbrief zu veröffentlichen fehlte es der Redaktion an Mut und Sportsgeist)

Als Paul McCartney in den 70er Jahren trotz (oder wegen?) vieler Nummer 1 Hits und ausverkaufter Tourneen von sogenannten Kritikern regelmäßig abqualifiziert und geschmäht wurde, fragte er zu Recht, was er denn getan habe, dass man auf ihn und seine Band Wings losging als wären sie eine Gefahr für die Gesellschaft. Gerade so als würden sie nicht Musik sondern Raketen und Panzer produzieren mit der sie auf die Menschheit losgehen.

Lieber Christian Schachinger, was du seit zwei Jahrzehnten in Der Standard ablieferst erinnert mich jedes mal an Pauls Worte. Deine Entwicklungsresistenz ist erstaunlich. Ist es der "viel Feind, viel Ehr" Gedanke der dich befeuert? Was haben dir Bilderbuch angetan, dass du auf sie losgehst als hätten sie dir ins Bier gespuckt? Vielleicht unterschätzt du auch die Macht des geschriebenen Wortes? Wie sonst kann jemand so sorg- und verantwortungslos mit dieser seiner Gabe umgehen? Ist das Bedürfnis jemanden niederzumachen, Voraussetzung um deine eigene Daseins- und Schreibberechtigung zu spüren? Deine Rundumschläge gegenüber allem was nicht urban ist, sind zwar oft eloquent und witzig, subsumieren aber letztlich als polemische Amokläufe. Du bedienst damit deine Klientel nicht weniger als ein H.C. oder ein Gabalier die ihren. 

Wir leben in einer Zeit wo die Entfremdung innerhalb unserer Gesellschaft immer mehr zum Problem wird. Ich rede hier von Stadt vs Land. Da solltest du Besseres zu tun haben, als über alles was aus der Provinz kommt zu lästern bzw. den Stab zu brechen. Du machst dich über die Sprache jener lustig, die "nicht in Döbling sondern draußen im Gemüse maturiert" haben.  Wo hast du eigentlich maturiert? Dem Vernehmen nach kommst du selber aus der oberösterreichischen Provinz. Ist es der Hader mit deinen eigenen Wurzeln der dir zu Schaffen macht? 

Und was soll die Unterstellung, die Musik von Bilderbuch sei "aus der Schule des zünftigen Bauernrock" und "für Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne" gedacht? Ich habe Bilderbuch letzten Herbst auf einem Festival in Italien erstmals live erlebt. Und ich finde ihre Musik gehört mit zum Besten und Spannendsten was Österreich aktuell zu bieten hat. Es sei dir natürlich unbenommen, jemandes anderen Kunst- und Lebensform abzulehnen, aber in einer seriösen Zeitung wie Der Standard finde ich deine reflexartigen Boshaftigkeiten deplatziert. Und deine Behauptung: ich werde "dafür bezahlt, dass mich Leute beflegeln" (Noicey; 17.2.2016) nehm ich dir nicht ab. Und wenn sie wahr ist, wirft sie ein trübes Licht auf deinen Arbeitgeber. 

Versuch dich doch einmal an einem Roman und reagier dich an fiktiven Figuren ab – mit anderen Worten, werde selber Künstler. 

Mit disharmonischen Grüßen aus Salzburg, Hubert von Goisern"


Neues Album | Oberösterreich | 02.03.2017 |

Zurück

Aktuelle Themen