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Wacken 2016

Wacken 2016

Eröffnungstag und Interviews

Wer in Wacken ankommt, kennt das Motto "Rain or Shine". Der Regen gab am frühen Abend aber auf und so konnten die obligatorisch gatschigen Wege wieder versuchen aufzutrocknen. Naja, nach allen Regengüssen war es doch wesentlich besser als letztes Jahr.

Nicht nur das Wackinger Village, sondern auch die Metal Battle Bands machten am ersten Tag das noch frische Publikum auf sich aufmerksam. Im alljährlichen Wettkampf hatten sie in ihren Heimatländern den Sieg davon getragen und so den Auftritt auf dem 75.000 Besucher schweren Festival gewonnen. Die Bullhead City, ein riesiges Zirkuszelt mit zwei Bühnen, wurde in den ersten drei Tagen Austragungsort des Contests. Auf die fünf Siegerbands warteten tolle Preise und freilich die Aufmerksamkeit der Presse. Für alle jungen Bands in Wacken bietet alleine die Anwesenheit und Präsentation auf Wacken Möglichkeiten zu Netzwerken.

Metal, Blues, Jazz, Worldmusic - PANZERBALLETT stellten am ersten Festivaltag ihr neues Album "Breaking Brain" vor. Die österreichisch-deutsche Kombo gab unter Anderem ihre Interpretation aus Manamana, einem Einschub aus Enter Sandmann und dem Walkürenritt zum Besten. Bullhead City bebte.

Ebenfalls mit neuer Scheibe im Gepäck kamen HÄMATOM nach Wacken, um Systemkritik zu üben und so nennt sich die Platte "Wir sind Gott". Im Intro wurde fairerweise gesagt, dass böse Taten im Namen von Religionen oder Systemen begangen werden und es wurde nicht Religion pauschal als schlecht hingestellt. Die eingängigen Melodien wurden mit Metaldrums und punkigen deutschen Texten zum Mitsingen gemischt. Masken und Lichtshow sind wohl sichtbare Merkmale der Band, wie notwendig es ist, das Publikum mit einer Frequenz zu blenden, dass man nur noch Sterne sieht, ist allerdings fraglich. Die Show hat dem Publikum im vollen Zelt jedenfalls eindeutig Spaß gemacht.

Bei der Pressekonferenz vor dem Gig meinte PHIL CAMPBELL, dass sie sich spontan umbenannt haben von PHIL CAMPBELL'S ALL STARR BAND zu Phil Campbell And The Bastard Sons. So stand es dann auch auf dem Backdrop. Für die Show wurden Songs vom neuen Album angekündigt, aber freilich machten auch Motörhead Coversongs einen Teil des Programms aus. Diese Covers zu singen braucht zunächst einmal Mut, denn Lemmy ist und bleibt mit seiner markanten Stimme in den Gehörgängen aller Fans. Die rockig-bluesige Stimme des Sängers, den es hier zu erleben gab, unterscheidet sich aber genauso deutlich von Lemmy wie sein Stil zu singen.

Dadurch freute sich das Publikum über eigenständige Covers statt schlechte Kopien über sich ergehen lassen zu müssen. Songs wie "Sweet Leaf", "Orgasmotron" und "Born To Raise Hell" zeigten die Vielfältigkeit der Musiker im Genre. Rock mit Old School Gitarrenriffs, ordentlicher Drive sowie ein Sänger, der seine Stimme einzusetzen weiß und aus allen Nummern seine eigenen Versionen macht. Phil erinnerte an alle Musiker, die in den letzten Monaten verstorben sind und der Song "Heroes" von David Bowie wurde Ihnen allen gewidmet. Zu "The Ace Of Spades" gab es kein Halten mehr, das volle Zelt sang gemeinsam im Chor und es gab einen Circle Pit in angepasster "Geschwindigkeit". Darauf gleich noch "Killed by Death" gesetzt und Sprechchöre mit dem Publikum angestimmt. Nächstes Mal dann hoffentlich auf einer der Main Stages.

Hier die Liste aller Bands, mit denen wir im Videointerview in Kooperation mit apesmetal.com gesprochen haben:

Die dienst-älteste Black Metal Band von ganz China wurde im Jahr 2000 gegründet und nun nach langer Pause wieder zu erleben. RITUAL DAY sind mit neuem Outfit und neuem Album nach Wacken gekommen. https://www.youtube.com/watch?v=7vGIdXmxLB8


Aus Ungarn brachten DYSTOPIA Melodic Metal mit Progrock Einschlag inklusive neuem Album. https://www.youtube.com/watch?v=y5Gc9ydEvn4

Was sonst sollte aus Kanada kommen, wenn nicht eine Thrasher Band? PROFANER brachten auch ein wenig Melodic Death Metal Einfluss mit auf die Bühne und es gab 100 Stück Tonträger, die speziell für Wacken angefertigt wurden und schon auf das neue Album hoffen lassen. JON ASHER ist natürlich auch dieser Band ein Begriff, der Mann hinter Asher Media ist in der Szene bekannt. Für den coolen Trashgenuss gab es Platz 2 im Metal Battle 2016. https://www.youtube.com/watch?v=t0bOk_FnEVE


Ebenfalls mit neuem Album, das auf den Namen „God Particle“ hört, kamen PAIN IS aus Österreich nach Wacken. Dort eroberten sie den fünften Platz im Wacken Metal Battle 2016. https://www.youtube.com/watch?v=-8wSRUmr25Y

Nicht am Metal Battle teilgenommen haben TUXEDOO. Die Band mit dem Live-Spaßfaktor aus Österreich hat trotz der täglichen Auftritte (sportliche Leistung) Zeit gefunden mit uns zu plaudern. https://www.youtube.com/watch?v=zvf2KNFT30o

Eine fröhliche Truppe aus Estland durften wir auch vor der Kamera näher befragen: HORROR DANCE SQUAD teilen Freude und Leid mit ihren groovig- popigen Metalsongs – schwierig zu beschreiben, aber gut anzuhören. https://www.youtube.com/watch?v=3ZpWkWbry2w


Über Sludge aus Irland durften wir mit ZHORA sprechen, ein neues Album soll es im Herbst geben.
https://www.youtube.com/watch?v=EW87coINXTQ

Über dänischen Prog gab es ein Gespräch mit SUNLESS DAWN und von Argentinien erzählten uns LEPERGOD, die eine Black-Death Mischung spielen. https://www.youtube.com/watch?v=zvo6pQeJdhI


SYMNDEMIC hatten nach Wacken nicht weit, denn die Death Metal Kapelle stammt aus Hamburg. Platz 4 gab es beim Metal Battle 2016. https://www.youtube.com/watch?v=ynuRRYpEt2I

Erst 2015 gegründet, kamen CROWS CROWN und vertraten Südamerika in Wacken. https://www.youtube.com/watch?v=tP7jI5Pn8Og

Die japanische Band VIMOKSHA hatte hingegen schon 2015 am Metal battle teilgenommen, doch musste sie ETHERAL SIN den Sieg überlassen. 2016 konnten sie ihre Mischung aus Progressive Metal und traditioneller japanischer Musik allerdings beeindruckend vorstellen. Wer sich eine CD besorgen möchte, möge sich auf facebook bei der Band melden. https://www.youtube.com/watch?v=rdzdhrjl3Wg

Die Powermetal Band TIDAL DREAMS aus Griechenland ist mit uns über Vorbereitungsarbeiten und die Erfahrung in Wacken ins Gespräch gekommen. Nach dem Tratsch beim Frühstück haben wir uns darüber auch nochmal vor der Kamera unterhalten. https://www.youtube.com/watch?v=3yAumd7op14

Wie man HTETHTHEMETH aus Rumänien richtig ausspricht und ob die Metalband auch Spaß versteht, das könnt ihr ebenfalls im Interview erfahren. https://www.youtube.com/watch?v=D4JP44M-MOc


Die erste Band, die jemals von den karibischen Inseln nach Wacken kam und eine Mischung aus verschiedenen Metal Subgenres spielt nennt sich LYNCHPIN
 und trat durchgestylt mit ihrem Merch vor die Kamera. https://www.youtube.com/watch?v=dxzCnVIQvBM


Metal Battle Gewinner 2016 und Glückspilz ZOMBIES ATE MY GIRLDFRIEND aus Südafrika haben erzählt, wie und wann sie ihren Bassisten gefunden haben. https://www.youtube.com/watch?v=uFybr76WyMQ


Die mexikanischen Thrasher TULKAS, die auch andere Contests in Mexiko gewonnen haben, erzählten von der großen, sehr lokalen und schwierigen Metalszene in ihrer Heimat. https://www.youtube.com/watch?v=YFW7Pf3TXUg


Aus Bulgarien stammend verbindet die Band namens LIEVEIL [gesprochen: Laiveil] Thrash mit Death und Progressive Metal. https://www.youtube.com/watch?v=bIJZP-qefjY


Den dritten Platz im gesamten Metal Battle 2016 hat die isländische Band AUðN mit ihrer Death und Black Metal Mischung
 gemacht. https://www.youtube.com/watch?v=ZkIuU2I3MJw


Aus Argentinien kamen LEPERGOD und spielten ebenfalls beim Metal Battle mit. https://www.youtube.com/watch?v=wEFF3UZhn7M

Ebenfalls aus Südamerika kommend durften wir auch mit Christofer Johnsson von THERION plaudern. https://www.youtube.com/watch?v=NtbYxAoN5XQ

 

Wacken Day 1

Nachdem SKYLINE traditionell die Shows auf den Hauptbühnen eröffneten, wurden SAXON mit "It's a long way to the top of you wanna Rock 'N'Roll" eingeläutet.
 Alle Jahre wieder erfreut die Band mit Kultstatus die Besucher und hat sichtlich auch selbst Spaß an ihren Auftritten.

Kultig-rockig ging es bei WHITESNAKE zu. Eine Band, die beweist, dass manchmal weniger mehr ist: Die eingängigen Riffs kommen ohne jede Notwendigkeit zur Eile satt rüber, Frontman David Coverdale erzählt mit Liebe zur Melodie, Artikulation und schönen ausgehaltenen Mitten ohne technische Salti, die Show wird mit großen Gesten und geschmackvollem, langsam wechselndem Licht, das einzelne Linien in den Nebel zeichnet, untermalt. Gitarrensoli als Single Show gehören zum guten Ton, sei es als Vibratohebel Soundausreizung ohne die Bünde zu verwenden oder als Tabbing Gustostückerl...manchmal auch auf tiefblauen Glitzergitarren mit goldenem Besatz. Musikgeschichte ohne Schnick-Schnack.
 

Und noch während WHITESNAKE spielen, gilt es auf der Beergarden Stage BON SCOTT, die Tribute Band mit Starbesetzung, nicht zu verpassen. AC/DC Covers in einer Qualität, die das Areal bei der Bühne fast zum Bersten mit Fans der guten, harten Rockmusik brachte. Bevor "Sin City" die Zuschauer zum mitwackeln brachte, gab es noch was zu sehen: Ein T-shirt mit BON SCOTT auf Wacken 1991.
 

Sicherlich ein Highlight des Festival waren schließlich auch die Metal Urgesteine IRON MAIDEN, die zum zehnten Mal dabei waren, ein kleines Jubiläum also. Die britische Truppe beendete damit ihre
„Book Of Souls“-Tour. „The Trooper“ alias Bruce Dickinson zeigte sich einmal mehr in Uniform und mit den geliebten großen Gesten, die jede Videowall zur Randerscheinung werden lassen und Eddie wurde freilich auch wieder zur großen Kampfszene losgelassen. Man kann einfach nicht oft genug dabei zusehen, wie Bruce Eddie zum Erliegen bringt. Bananen gab es auch für das Publikum, denn Bruce verteilte diese kostümiert mit seiner Affenmaske. Die Band schaffte es immer wieder, Klassiker und neue Songs zu präsentieren und hat man sie erst oft genug gehört, dann sind die neuen Songs auch auch schon wieder zu Klassikern geworden. Gitarrenfans kamen freilich auch in den Genuss der ausgiebigen Soli. Den Matsch und den Regen konnten zwar nicht einmal Iron Maiden wegzaubern, aber die Fans waren zufrieden.

 

Alle Fotos findet ihr hier.

Wacken Day 2

Das Ergebnis des Wacken Metal Battle 2016 brachte viel Spannung am vorletzten Festivaltag. Schließlich wurde verkündet:

Platz 5 Österreich – PAIN IS

Platz 4 Deutschland - SYNDEMIC

Platz 3 Island - AUðN
Platz 2 Kanada - PROFANER
Platz 1 Südafrika – ZOMBIES ATE MY GIRLFRIEND

Bei VINTAGE CARAVAN gab es nach einer stimmungsvollen Show mit treibenden Rhythmen zur Überraschung und Freude der Fans einen Sänger, der sich beherzt zum Crowd Surfing in die Menge warf.
 

Während ELUVEITIE für das internationale Publikum ihre Mischung aus Metal und zauberhaften mittelalterlichen Klängen darboten, gab es gerade für die Norddeutschen Gäste auf der Partystage TORFROCK mit Songs wie "Der Boxer" oder "Die Butterfahrt" im Dialekt gesungen und in Partyrock Manier. Auch Flöte und Mundharmonika wurden ausgepackt und nach jedem Song wurde das alte Ritual mit den Fans vollzogen: von der Band gibt es ein "vielen, vielen Danke" und das Publikum antwortet "vielen, vielen Bitte". Für alle Fans der Werner Filme ein Muss, stammen doch Songs und Stimmen von diesen Herrschaften.

In die hohen Künste des Operngesangs samt Begleitung einer Band sowie Streichern entführte TARJA. Rauch, der in buntes Licht gehüllt wurde und ein musikalisches Programm, das einem Musical nicht unähnlich war, jedoch um die Opernelemente in der Stimme und die Instrumentierung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug erweitert wurde, kam bei langjährigen Fans der Sängerin gut an. Ein Duett gab es dann mit der Power Frontfrau von ARCH ENEMY, die am letzten Abend ihren Auftritt hatten.

Alle Fotos findet ihr hier.

 

Wacken Day 3

Der letzte Festivaltag musste mit einem kurzen heftigen Regenguss beginnen, erfreute danach aber mit Sonnenschein, auch den gibt es manchmal in Wacken.

Während im Wackinger Village wie an den Tagen zuvor fleißig mittelalterliche Speisen kredenzt, Bögen geschossen und Schaukämpfe bestaunt wurden, konnten wir freilich auch an diesem Tag am Metal Market einkaufen gehen. Was uns aber wie vielen anderen Besuchern am Herzen lag: junge Bands fördern. Die Wacken Foundation macht das schon seit einigen Jahren und bietet auch direkt auf dem Festivalgelände die Möglichkeit an, Geldspenden loszuwerden: ab 2 € ist man da schon dabei beim Glücksrad, aber auch das Zelt mit dem Kunstmarkt bietet einiges.
 

ESKIMO CALLBOY machten Stimmung und als eines der Highlights an Mitmach Aktionen bat die Band, das Publikum in die Knie zu gehen und…natürlich macht Springen im Matsch doppelt so viel Spaß.

Ebenso motiviert wie tags zuvor sein Kollege sprang MONUMENTS Frontman Chris Barretto von der Bühne, um sich von seinen Fans auf Händen tragen zu lassen.

Wie von einer Sirene verzaubert standen einige Metalheads staunend in der Bullhead City als MYRKUR ihre Stimme erklingen ließ. Für Feinschmecker der vokalen Kunst gab es für die verzaubernden Höhen und für die angerauten Tiefen jeweils ein eigenes Mikrofon. Ungewöhnlich, aber faszinierend.
 

Bei TWISTED SISTER gab es viel zu Lachen: Stichflammen wurden mit einem "huch" kommentiert, "we're not gonna take it anymore" und "I believe in Rock 'N' Roll" wurden mit Sprechchören ausgereizt, indem Frontman genaue Angaben machte, dass es sich zum Beispiel eher wie CANNIBAL CORPSE anhören solle. Die Band war schon zweimal, er selbst bereits vier Mal in Wacken und er freute sich darüber, dass die Metalszene so zusammen hält und dieses Festival so groß werden ließ. Dann wurde er abgelenkt und fragte "steht da drüben etwas ein Rentier? Achso, ein Metalrentier, kein normales, okay." Anschließend hat er sich dann aber daran erinnert, dass sie ja spielen wollten und so wurde "I wanna rock" zum Besten gegeben und die Bitte, dass das Publikum ihm mit hochgehaltenen Fäusten "Rock" antworten möge prompt und lautstark umgesetzt. Dass er gelogen habe, ließ manchen Fan hoffen, doch er ergänzte, dass die Band tatsächlich in Pension geht. Was er meinte war, dass der ultimative Moment mit TWISTED SISTER live auf Wacken nicht beim ersten Mal "Rock" schreien stattfand, sondern der Moment doch genau jetzt wäre. "Tear it loose" wurde mit der Geschichte angesagt, dass die Band in ihren Anfängen in den Clubs von New York diese Nummer ihres ersten Albums (1982) vor dem Mitgliedern von ANTHRAX und OVERKILL spielte und Thrash damit erfand. Ein Song, der normalerweise nicht so oft auf Konzerten heutzutage gespielt wird. Dee Snider erinnerte an die Dokumentation über die Band und erzählte, dass vier Monate bevor A.J.Pero starb, dieser meinte, dass er gerne Mike Portnoy an den Drums hätte, falls er mal nicht kann. Tatsächlich kam er nun also auf die Bühne - sein erstes Mal in Wacken. Mark Mendoza am Bass wurde vorgestellt und Eddie Ojeda an der Gitarre hatte am Tag dem Konzert Geburtstag. Snider bezeichnete Jay Jay French als denjenigen, der die Band nie aufgibt und holte anschließend den Mann, der sie gesigned hat (AC/DC und ABBA auch) auf die Bühne. Er wurde ebenso bedankt wie die Licht- und Tontechnik.
 

Der Sänger und Songwriter Dee Snider war also wie immer gut gelaunt und gab mit seinen Kollegen beim letzten Konzert von TWISTED SISTER ordentlich Gas.
 

 

Wacken, oh Wacken, das Wetter hatte uns geprüft und gefragt, ob wir das wirklich wollten, die Bands waren beeindruckend, die Interviews sehr international und interessant. CU next time – rain or shine.

Alle Fotos findet ihr hier.

 

Metal | Rock | 05.09.2016 |Claudia Wadlegger

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