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ROCK IN VIENNA - Tag 3

BOON hatten sichtlich Spaß auf der großen Festivalbühne als sie am letzten Tag als Opener die Bühne rockten. In der Mittagssonne, meinte der Sänger Wolfgang Pendl, dass man froh sein kann, dass so schönes Wetter ist. Da hatte er recht, denn wer steht schon auf Regen am Festival? Die BOON Fans hatten der Band im Online Voting auf die Bühne verholfen, wofür sich die Musiker auch bedankten. Unter den Zuschauern zahlreiche treue Anhänger - deutlich erkennbar an den T-shirts und der Textkenntnis beim Mitsingen etwa beim neuen Song „Red Alert“. Aber auch begeisterte neue Zuhörer meinten nach dem Auftritt, dass sie sich das nochmal geben wollen. Der Gitarrist Ken Straetman konnte seinen Orange Sound genießen und diesen unter anderem in präzisen Soli mit dem Publikum teilen, Georg Punz spielte trotz Grippe, wurde dafür aber mit der Begeisterung der Konzertbesucher entschädigt.

 

Die Hardrock Supergroup THE DEAD DAISIES waren voll in Fahrt, es wurde über die Bühne gewirbelt und es gab heiße Soli. Sie spielten einen gelungenen Mix aus eigenen Songs und Covernummern, wobei der letzte Song „Helter Skelter“, ein Beatles Cover war.

 

HELLYEAH eröffneten mit dem gleichnamigen Song und bereits bei der zweiten Nummer „Sangre Por Sangre (Blood For Blood)“ bekam Sänger Chad Gray Kunstblut ins Gesicht gespuckt. Gitarrist Tom Maxwell fehlte bei dieser Show.

 

Das Bühnenbild fiel bei SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH ganz puristisch aus, der Hintergrund war ohnehin schon schwarz, das genügte. Von Beginn an gab es Druck und Soli ohne lange Ansagen. Mit der Erinnerung, dass man sich mit Sonnencreme versorgen solle und einem "wir haben nicht so viel Zeit, spielen noch zwei Songs, viel Spaß am letzten Tag von Rock In Vienna" war ja auch alles gesagt. Danny am Bass groovte trotz Lederoutfit in der Sonne sehr cool dahin. Ein beherztes "BABY METAL" kam dem Sänger aus, als er über die weiteren Bands des Festivaltages nachdachte, dieser Name ist ihm wohl besonders in Erinnerung geblieben.

 

Nach den harten Tönen der Death Metaller folgte dann die amerikanische Nu Metal Band COAL CHAMBER mit anderem Sound aber nicht minder hart. Songs wie „Loco“ und „Something Told Me“ standen am Programm.

 

Die progressive Band OPETH hatte freilich das neue Album „Pale Communion“ mit dabei und ließ ihre Fans in ihren gefühlvollen Sound eintauchen, indem sie die ersten beiden Nummern des neuen Albums, nämlich „Eternal Rains Will Come“ und „Cusp of Eternity“ spielten. Sänger Mikhael sprach auf Deutsch zum Publikum und fragte, wer sich schon auf BABY METAL und KISS freut. Am Ende blieb ihm nur zu sagen, dass sie leider nur noch einen Song spielen können - „The Grand Conjuration“, dafür kämen sie dann ins Publikum Bier trinken. Das hat doch auch was.

 

Kabuki Theater mit harten Melodien, einer guten Band und Kinderliedern von jungen Frauen im Lolita Look gab es danach von der viel zitierten Formation BABY METAL. Im Publikum gab es auch dazu geteilte Meinungen, während manche den Auftritt als „herzig“ ansahen, meinten andere Zuseher es wäre einfach „lustig“ und wieder andere Besucher fanden diese Art der Präsentation besorgniserregend. Dem Großteil hat es jedenfalls gefallen und Songs wie „Babymetal Death“ oder „Headbanger!!“ ließen die Haare der Headbanger fliegen.

 

Etwas Pech hatten die Musiker von HEAVEN SHALL BURN. Formierte sich in Feierlaune ein riesiges „Ruderboot“ im Moshpit und gab es zunächst auch einen enormen Circlepit, wurde es schlagartig leise. Stromausfall ausgerechnet bei „Voice For The Voiceless“. Markus Bischof, der Frontman und Sänger nützte die Zeit und ging zu den Fans. Hut ab an dieser Stelle für das positive Verhalten, denn Band und Fans haben sich als geduldig erwiesen und warteten, ohne den Aufstand zu proben.

 

Den Beweis, dass man Bierdosen an der Stirn zerdrücken kann trat AIRBOURNE Frontman Joel O'Keeffe an. Die australischen Hardrocker heizten ganz klassisch ein bevor es stilistisch völlig anders weiter ging.

 

Ein gemalter Clownskopf im Hintergrund kündigte Fred Durst und mit ihm LIMP BIZKIT an. Der Sänger hielt seine Hand in die Höhe, um den Fans zu sagen, dass es Zeit ist zu springen, herzig die Ansage "Wenn du zu alt bist, das zu verstehen, ist es auch okay." Es gab massig musikalische Zitate von Bands wie NIN, METALLICA oder PANTERA. Fred Durst ging im Graben auf Tuchfühlung mit den Fans. Dann kam die klassische Frage, was das Publikum hören möchte. BABY METAL? „One Of These Days“ löste einen Circle pit aus und brachte auch die bereits geschminkten Kiss Fans zum hüpfen. Der Frontman fragte freilich auch nach, wer BABY METAL gesehen hat und wer dachte, dass das sexy war. Erfreulicherweise kam dann der Nachsatz, dass diese Mädchen erst 15 und 17 Jahre alt sind und niemals wieder jemand denken sollte, dass das sexy wäre. Danke, für diese Aussage zu einem so wichtigen Thema. Eine Überraschung gab es an den Drums als Vinnie Paul eine Einlage spielte.

Den Panzer ließen SABATON diesmal in der Garage, hatten dafür aber ein Orchester eingepackt. Nämlich das BOHEMIAN SYMPHONY ORCHESTRA PRAGUE. Diese zusätzlichen Musiker spielten auf dem Festival eingefügt in die sonst übliche Bühnenkulisse aus Pappaufstellern und Stahlverbau um das Schlagzeug. Es gab freilich wieder eine lustige Mischung aus Musikzitaten samt witziger Ansagen. „Ghost Division“ und „The Art Of War“ wurde zum Besten gegeben und „Primo Victoria“ durfte auch nicht fehlen. Bei „The Final Solution“ spielte das Orchester sogar alleine. Die Stimmung war super und viele Fans haben, angesteckt von der Energie der Musiker auf der Bühne mitgesungen. Auch die Pyroshow war einmal mehr sehenswert und die „noch ein Bier“ Rufe blieben freilich nicht aus. SABATON eben.

 

Mit Verspätung, dafür auch mit Pyro, erschienen KISS auf der Bühne, im Fall des Drummers sogar auf der Hebebühne. Die beiden Bass Drums unübersehbar mit einem Glitzerlogo versehen, eine Discokugel - Glam at it's best. Gene Simmons fragte auf Deutsch „Wien wie geht es?“ Dann erzählte er, dass KISS 1976 erstmals in Österreich waren. Gene Simmons genoss ebenso wie die Besucher das Pubikumsspiel, in dem er auf beleuchtete Teile im Publikum zeigte „People over here let me hear you“ und alles schrie und tobte.

Eine schöne Einleitung gab es auch für „Creatures Of The Night“, als er das Publikum so bezeichnete. Die Videowall im Hintergrund wurde sorgsam bespielt, ebenso wie das Licht und die Inszenierung der ganzen Show eine wichtige Rolle spielte.Mal sah man im Hintergrund einfach Details der Show, dann den Schriftzug KISS wie aus Glühbirnen.  Ob Mitsingaktionen oder die oldschool Erzählstimme, das war großes Theater.

 

Bei „War Machine“ lief im Hintergrund ein Comic, zu „Do You Love Me?“ gab es eine liebevolle Collage mit alten Fotos. Laser, Nebelflächen und eine passende Lightshow zum Drumsolo und die Lichtbegleitung zum Gitarrensolo wurden selbstverständlich auch geliefert. Während alle anderen bei „Lick It Up“ eine Runde mit Riser fuhren, wurde auf den Axt Bass gewechselt, die Spiegelsplitter Gitarre konnte aber optisch mithalten. Geen Simmons dekorierte sein Bühnenoutfit mit Kunstblut aus seinem Mund und flog dann mit Blitzlichtgewitter nach oben. „Alles gut Wien?“ fragte er aus luftiger Höhe.

 

Zu „Parasite“ entfaltete dann die Discokugel ihre Superkraft und verwandelte sich in einen Lichtstern. „Black Diamond“ leitete Gene Simmons in einem schönen Rubatovortrag ganz auf Musicalstyle ein. Nach „Shout It Out Loud“ verabschiedete sich  der Headliner des dritten und letzten Tages mit „I Was Made For Loving You“ und beendete das Festival mit einer musikalischen Liebeserklärung.

 

Wie schon gesagt, es war ein tolles Festivaldebut mit manchen Pannen, aber wo gibt es die nicht, seien wir gespannt auf das nächste Mal.

 

Fotogalerie vom 3. Tag

 

Redakteurin: Crackthefiresister

Fotos: Mariam Osman

Heavy Metal | Hard Rock | Metal | 06.06.2015 |Mariam Osman

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