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ROCK IN VIENNA - Tag 2

Den zweiten Festivaltag eröffneten erneut Musiker aus Österreich, die einen von drei Opener Slots des Online Votings ergattert hatten. Die Rockband MAYBURN aus Wien, die beim Local Heroes Contest 2015 Platz 2 belegten, geigten auf. Mit im Gepäck hatten sie ihre neue Scheibe „When worlds collide“ und ihre Fans waren zahlreich zum mittanzen erschienen.

 

Gefühlvoll, energetisch und progressiv zugleich ging es danach mit ARCANE ROOTS weiter, die Hardcore/alternativen Rocker aus England spielten die Palette von schnellen und harten Passagen, über fließende, fast meditative Sounds bis hin zu fast schon poppig klingenden Songelementen aus.

 

BONAPARTE, die mehrköpfige bunte Truppe um Sänger Tobias Jundt, kam mit ihrem Punk - Performance Act schon um 3 Uhr nachmittags gut an. Tänzer in Kostümen passend zum Song, die Damen der Band alle 3 in Glitzeranzügen und der beabsichtigt trashige, Elektro bis Punk Sound zogen minütlich mehr Besucher an, die sich das aus der Nähe ansahen. Ob das Spiel mit Effekten, singen mit dem Mikrofon am Boden oder Sprechgesang fast wie im Musical, langweilig wurde es weder gesanglich noch in der Performance, vor allem was den Auftritt von Tobias Jundt anging.

 

Das Glitzern hörte nicht auf als TRIGGERFINGER die Bühne betraten, denn das Sakko des Frontman Ruben Block funkelte mindestens so schön wie die Hosenanzüge der Damen von BONAPARTE. Ob die sich abgesprochen hatten? Stilistisch gab es sanfte Klänge, aber zur Überraschung mancher auch härtere Töne. Definitiv eine Band, die gerne mit Sound spielt und außer ihrem gelebten Musikmachen nichts sonst an Show machen muss.

 

Die Gründer des Doom Metal, SAINT VITUS, waren sofort startklar (wenn auch wie so oft die Stimme anfangs nicht gut hörbar war) und auch ihre Fans standen schon bereit – nicht zahlreich, aber umso motivierter. Nach technischen Problemen mit den Pedalen für den richtigen Gitarrensound kam die "Erklärung" des Gitarrenvirtuosen, dass er sich ja nur zurückgehalten hat, damit man Scotty besser hören kann. Darauf folgte „Saint Vitus“ und am Ende des Gigs gab es noch ein Gitarrensolo, deutlich betonte, dass der Mann nicht einfach Gitarre spielt, sondern Sound ist. All jene, die diese Band nicht miterlebt hatten, haben tatsächlich etwas verpasst, wenn es nach den Fans geht, die diese Band auch live zufrieden stimmte.

 

Die norwegischen Punk and Roller TURBONEGRO kamen mit Neonlicht im Hintergrund und ihren extremen 80er Klamotten zum Party machen. Natürlich waren auch Fans des weltweiten Fanclubs „Turbojugend“ dabei und feierten, die provokativen und doch lustigen Songs und Ansagen. Einen ganz schlimmen Wiener kannte der Frontman Tony Sylvester auch – Sigmund Freud als Erfinder des Sex. Eine schöne Art, die Bühnendeko zu kommentieren.

 

Zum Scherzen aufgelegt war auch DANKO JONES, der die Fotografen beim Verlassen des Fotograbens kommentierte und fragte, wo sie denn hin wollten. Die Rocker aus Kanada kamen beim Publikum gut an und performten unter anderem auch „First date“, womit ihr klassischerer Sound ebenfalls bedient wurde.

 

Mit Symphonic Metal von WITHIN TEMPTATION ging es inklusive Pyroshow weiter. Das Publikum war unterschiedlich begeistert, manchen gefiel das Kostüm der Frontfrau recht gut, andere fanden die musikalische Leistung der Musiker fesselnd und wieder anderen gefiel die Background Stimme, die vom Band kam, so gar nicht.

 

Nach der dramaturgisch geladenen Show ging es mit tanzbarer Musik aus Schweden und in bewährtem Schwarz-Weiß weiter. Die Show startete mit „Come On““ gefolgt von „Take Back The Toys“ und Pelle Almquist, der Frontman von THE HIVES sprang motiviert über die Bühne. Auch diese Band machte richtig gute Laune und endete ihr Set mit „Hate To Say I Told You So“.

 

Bei INCUBUS fiel sofort das formen- und farbenfrohe Artwork an der Videowall ins Auge und der Aufbau des Drumsets, das links auf der Bühne um 90 Grad gedreht stand, sodass der Drummer nicht ins Publikum, sondern auf den DJ der Band sah, der rechts auf der Bühne stand. Für Gesangsfetischisten wie mich war es eine Freude, zu hören wie das Gefühl von Brandon Boyd automatisch die erlernte Technik der Stimme steuerte. Die Umsetzung von „Vitamin“ live zu sehen war ein Erlebnis, „Sad Sick Little World“ bereitete auf „Drive“ vor und es wurde inbrünstig mitgesungen. Selten habe ich einen Sänger live erlebt, der gleichzeitig so genau die Tonhöhen trifft, mit den Klangfarben spielt und so viele tiefe Gefühle rüber bringt. „Pardon Me“ hatte er diesmal mit einem rubato Teil, also frei im Tempo und sehr langsam angefangen. In „Megalomaniac“ wurde „Come As You Are“von NIRVANA hinein gesungen.

 

Mit dem Song „Psycho“ der neuen Albums „Drones“ startete MUSE vor black and white Videoeinspielungen, die lediglich mit Szenen der Live Performance abwechselten. Doch später wurde es dunkel und Flashlights begleiten die blauen, leuchtenden Inlays am Bass. Auch das Licht kann eine ganz wichtige Rolle spielen. Die Musiker und allen voran Sänger Matthew Bellamy  teilten ihre Gefühle mit dem Publikum indem sie ihre schnellen, kraftvollen Songs mit ruhigen Passagen abwechselten. Hymnen wie „Newborn“, „Hysteria“, „Stockholm Syndrome“ und „Time Is Running Out“ durften natürlich nicht fehlen. Die riesigen Bälle, die es auch am Tag zuvor bei Metallica gab, und das Konfetti mit den Luftschlangen waren ein netter Zusatz, die Musik sprach aber für sich selbst.

 

Fotogalerie vom 2. Tag

 

Redakteurin: Crackthefiresister

Fotos: Mariam Osman

Heavy Metal | Hard Rock | Metal | 05.06.2015 |Mariam Osman

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