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ROCK IN VIENNA - Allgemein & Tag 1

Allgemein

 

Das Rock in Vienna Festival öffnete am 5.Juni 2015 auf der Donauinsel erstmals seine Pforten. Im Vorfeld gab es um dieses neue Festival bereits einige Diskussionen was Zeitpunkt (eine Woche später findet traditionell das Nova Rock statt) und Organisation des Festivals betraf.

 

Der ORF zitierte in einem äußerst lesenswerten Artikel http://orf.at/stories/2281107/2281105/

zum Thema der Marktverträglichkeit von zwei großen Festivals in so kurzem zeitlichen Abstand die Interviews im Rolling Stones Magazin. Weiters ist dort zu lesen, dass ursprünglich ausgehend von ca. 150.000 später die Schätzung des Veranstalters auf 30.000 Besucher geändert wurde und die Frage der Kostendeckung nicht direkt beantwortet, sondern mit dem Hinweis auf eine Investition in die Zukunft versehen wurde. Letztendlich kamen immerhin etwa 80.000 Besucher.

 

Was immer sonst noch vor dem Festivalstart diskutiert wurde, die neben einander stehenden Bühnen ersparten die Qual der Wahl, welche Band man sehen möchte - keine endlosen Umbaupausen, keine langen Wege zwischen Bühnen. Andererseits war das Angebot mit 32 Bands wesentlich geringer als etwa das Nova Rock mit circa 70 Bands bieten wird.  Das Bühnendesign stammt übrigens von Joachim Luetke, der dafür bekannt ist, Art Work für namhafte Metal Bands zu machen.

 

Es gibt freilich kein Festival ohne Essensstände, Getränke, Merchverkauf und sonstige Standerln, wobei die Getränkepreise mit 5 € für ein Soda oder ein Bier und 9 € für einen großen Spritzer doch recht hoch ausfielen. Immerhin gab es aber gegen den großen Durst gratis Wasserbrunnen

 

Eine Funarea versprach einen Platz voller Action und wartete mit einigen außergewöhnlichen Angeboten auf. Ein Moshkäfig, in dem zwei Teams ein Moshvideo machen und uploaden können, ein Rocket Bungee Angebot, ein Bubble Battle, in dem man sich gegenseitig umrennen soll, eingehüllt in eine Schutzhülle ähnlich wie beim Bubble Football, ein Chili Wettessen und mehr. Das waren durchaus Dinge, die man nicht auf jedem Festival findet.

 

Insgesamt war es ein gelungenes Festival, das natürlich auch noch Potenzial zur Verbesserung hat, wie etwa die langen Wartezeiten am Eingang am ersten Tag und die Getränkepreise. Manchmal hatte man auch den Eindruck, dass durch den schnellen Wechsel von einer Band zur nächsten den Tontechnikern beim nächsten Mal etwas mehr Zeit gegönnt werden sollte, um von Anfang an einen guten Sound liefern zu können. Vor allem die Sänger waren meist erst nach 2 Songs gut zu hören und mancher Besucher fand auch den Druck der Bass Drums zu stark.

 

Pannen wie ein Stromausfall oder eine unfreiwillige Bier-Ausschenk-Pause waren ebenfalls etwas unglücklich.

 

Tag 1

Durch ein Online Voting wurden die Opener aller drei Festivaltage bestimmt und so starteten A CAUSTIC FATE aus Mattersburg mit Rockcore, wie sie selbst ihren Stil bezeichnen. Freilich feierten ihre Fans mit der Band, denn seiner Lieblingsband dazu zu verhelfen, ein Festival zu eröffnen, das schafft man auch nicht alle Tage. Band und Fans hatten sichtlich Freude am Auftritt.

 

Danach kam mit GOJIRA, die bis in den August hinein auf Tour sind, französischer Death Metal auf die Mindstage. Ihre Message zum bewussten und umweltschonenden Umgang mit Ressourcen war ihnen auch bei diesem Auftritt ein Anliegen. Ihr Set starteten sie mit „Ocean Planet“.

 

Mit ihrem neuen Album „Human“ kamen 3 DAYS GRACE nach Wien und machten mit Songs wie „I Am Machine“, „Painkiller“ und „Home“ Stimmung bevor TESTAMENT losbrachen.

 

Auch wenn um kurz vor vier Uhr nachmittags die Sonne noch immer recht einheizte spielten TESTAMENT eine richtig coole Show mit Songs wie „Rise Up“, „More Than Meets The Eye“, „The New Order“ und „Into The Pit“ gab es für die Fans Grund zum bangen, viel zu hören und zu sehen. Vor allem, wer Gitarristen gerne bei Soli zusieht, hat da seine helle Freude.

 

„BODYCOUNT Is In The House“ rief Legende ICE-T und alle sangen mit. Freilich wurde gemosht und gesprungen, doch waren sich nicht alle Fans einig, ob die Frage nach richtigen Männern unbedingt notwendig war. Seine Ansage gegen Mobbing in der Schule vor „talk shit, get shot“ fanden dann aber wieder alle Fans gut: „Wer ist unser jüngster Fan? Wenn dich in der Schule jemand hänselt, sag ihm, ICE-T sei dein Onkel“. Natürlich kamen noch andere typische Aussagen wie etwa, wer seine Telefonnummer sucht, solle bei der NSA nachfragen. Mit dem Publikum gab es mitsing-action und auch ICE-T stellte fest „Testament destroyed it“. Mit Nummern wie „Drive By“, „There Goes The Neighbourhood“ und „Bodycount“ ein klassisches Programm, das die Fans zum singen und tanzen brachte.

 

Für besonders viele Fans gab es eine Mischung aus Pop-Punk und Post Hardcore/Metalcore als A DAY TO REMEMBER loslegten. Es wurde zu den harten Riffs der Jungs aus Florida gemosht und abwechselnd begeistert und schmachtend mitgesungen.

 

Mit einem weißen Hintergrund und einem Blumenmeer, das wohl in jedem Medium Erwähnung fand, standen FAITH NO MORE auf der Bühne. Man konnte zusehen, wie Mike Patton in Lederhosen aussieht und er hatte wohl auch Spaß daran, seine Ansagen nicht gerade fade zu gestalten. Auf der Donauinsel konnten FAITH NO MORE zuletzt 1992 gesehen und gehört werden, als sie die „Use Your Illiusion Tour“ von GUNS'N' ROSES eröffneten, wie aufgeregt ein Nachbar seiner Tochter erzählte.  Die klassisch gehaltene Songauswahl mit „Black Friday“, „Midlifecrisis“ und „Superhero“ genossen die Fans sichtlich, egal, ob sie auch damals schon dabei waren oder nicht.

 

Die Punkrock Formation BROILERS feierten eine Strandparty inklusive Bar auf der Bühne, was die Bläser in Nummer, in der sie Pause hatten, auch gleich nutzten. Die gute Laune Musiker im Rockabily/Punk Style tanzen und sprangen über die Bühne und die Menge sang begeistert „In 80 Tagen Um Die Welt“ mit. Die Bassistin bewies Kondition und sang selbst im Springen alle Texte mit und der Drummer war auch in den schnellen Hi-hat Passagen ein Uhrwerk. Gesanglich gab es eine natürliche Erzählerstimme auf Deutsch mit einer ganz eigenen Art der Betonung, die aber gut zum gesagten passt. Gut angekommen sind die Frage „Wien, tanzt du noch einmal mit mir?“ und die Interaktion mit den bereits wartenden Metallica Fans, die in Abwechslung mit den Broilers Fans animiert wurden lauter zu schreien als die anderen.

 

Bevor METALLICA als Headliner des ersten Abends auf die Bühne kamen, wurden einige Fans auf die Bühne gebracht und im Publikum wurde teilweise wildes Rätselraten betrieben, wer das sein mag und warum diese Menschen auf der Bühne keine Performance zum Besten gaben. Glaubten manche, dass die Erklärung nun folgen wurde, überraschte James Hetfield nach seiner Ansage „Bevor wir beginnen, muss ich noch eine Ankündigung machen“ mit „give me fuel, give me fire give me that which I desire“ und damit einem direkten Einstieg mit „Fuel“. Nach „For Whom The Bell Tolls“ und „No Remorse“ versicherte der Frontman, dass Metallica den Plan gefasst hat, dass sich die Fans durch unterschiedliche Musik besser fühlen.

 

Die Backing Vocals von Roberto Trujillo in „Disposable Heroes“ waren besonders gut zu hören, klangen richtig böse und waren eine tolle Bereicherung. Mit den schönen Totenkopf Inlays in einer seiner Gitarren kam Kirk Hammett in einem Solo schon fast durch die Kamera so sehr spielten die Musiker an diesem Abend mit der Perspektive und den technischen Möglichkeiten der Bühne. „The Unforgiven II“ ist zwar eine schöne Nummer, doch konnten manche Gäste sie nicht so recht genießen, da der Bass viel zu laut war. Scherzend spielte James Hetfield mit der berühmten Frage nach der Befindlichkeit des Publikums und meinte kurze Zeit später, dass er nicht mehr so gut hört, wobei er auch nicht weiß, warum, denn 34 Jahre lauter Metal hört sich doch ganz gut an. Nach dem Festival Songs vom letzten Jahr „Lords Of Summer“ kam wiederum von James die Frage auf, ob sie nicht einmal etwas leichteres spielen sollten, etwas über Blumen oder doch eher „heavy“. Keine schlechte Einleitung für „Sad But True“. Die Fans sangen und bangten auch zu „One“, „Master Of Pupperts“ und „Damage Inc“. Roberto hob schon fast ab als er sich mit dem vertikal gehaltenen Bass in einer Hand um die eigene Achse drehte und schließlich gab es als Gutenachtlied in der Zugabe nach „Enter Sandman“. Die Zeit, die durch das Warten zu Beginn verloren schien, wurde durch die Band nach 23 Uhr noch angehängt. Es sind zwar in diesem Artikel nicht alle gespielten Songs aufgelistet, doch „Nothing Else Matters“ ging sich tatsächlich nicht aus.

 

Besonders erwähnenswert ist schließlich auch das Zusammenspiel von Lasershow, Licht und Bühnenbild. Rot-weißes Licht spielte mit dem Nebel den Reiz der Seitenbehänge an der Bühne aus. Es wurde der Eindruck erweckten, als würde man in einen endlosen Raum sehen mit Stahlträgern wie sie auf Kränen oder eben an Bühnen zu finden sind. Technische Probleme konnten von den Technikern sehr rasch wieder behoben werden, das darf ruhig auch einmal lobend erwähnt werden.

 

Fotogalerie vom 1. Tag

 

Redakteurin: Crackthefiresister

Fotos: Mariam Osman

Heavy Metal | Hard Rock | Metal | 04.06.2015 |Mariam Osman

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