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NOVA ROCK 2016 - Tag 3

 

„Das Rock in Vienna mag schon ganz gut und schön sein, aber alleine aus nostalgischen Gründen komme ich jedes Jahr zum NOVA ROCK!“ erklärte uns gestern jemand am Zeltplatz als wir beim Lokalaugenschein eine Runde drehten. Das NOVA ROCK Festival geht mit dem dritten und letzten Tage in den Endspurt und wartet mit den RED HOT CHILLI PEPPERS als würdiger Abschluss für das Wochenende auf. Die schon inzwischen legendäre Böhmische Blasmusik aus dem Hause Wendis eröffnet den Tag auf der Red Stage des Festivals. Eine schöne und nette Tradition, die sich schon bei zahlreichen Festivals in Europa durchgesetzt hat. Man denke an Wacken und Co. 

 

Gleich weiter im Text, soundtechnisch aber durchaus episch plus Einhorn-Bonus gingen DRAGONY ins Rennen. Die Wiener Power Metal Institution erfreute sich an interessiertem Publikum, das bei einsetzenden Sonnenschein den Klängen der harten wie melodiösen Riffs der Wiener lauscht. 

 

Ein ganz anderes Programm hingegen fahren die Landsleute von DRESCHER. Letztes Jahr noch auf der Red Bull Brandwagen-Stage gesichtet, stand die Band aus Steinfeld, Niederösterreich im heurigen Jahr auf der zweitgrößten Bühne des Festivals. Der Mix aus schnellen, eingängigen Riffs, die auf deutsche Texte treffen, werden noch durch den Einsatz einer Ziehharmonika unterstrichen.

 

Während THE STRUTS und nachfolgend GRAHAM CANDY die Blue Stage am heutigen letzten Tag im Burgenland eröffnen, brennen derweil die Post Hardcore-Vertreter von THE AMITY AFFLICTION die Red Stange nieder. Der brachial, wuchtige Sound, welcher durch den Einsatz melodiöser Parts viele Fans hat, kommt gut beim Nachmittagspublikum. Nicht jedermanns Kost aber technisch wohl durchaus interessant und durchwachsen. Musikalisch ebenso großartig wenn auch eher ruhiger und vor allem mehr Rock’n Roll ist dagegen die Show von GARY CLARK JR., die auf der Blue Stage stattfand. Grooviger Blues Rock holte die Fans direkt ab und passt perfekt zum immer heißer werdenden Wetter. Ohne Backdrop oder anderen Firlefanz ließ man die Musik für sich sprechen. Bitte mehr von so einer Sorte von Musikern. Während GARY CLARK JR. die anwesende Menge mit smoothen Sounds versorgt, fahren WE CAME AS ROMANS eine komplett andere Schiene auf der Red Stage. Die Mischung aus Hardcore / Metalcore und anderen Stilrichtungen weiß zu überzeugen. Frontmann David Stephens heizt die Menge mit seinen Ansagen und Moves ordentlich an.

 


Noch besser wirkt das Erlebnis wenn auch der Sound stimmt. Am Nachmittag in Corpsepaint auf die Bühne zu gehen kann schon manchmal undankbar sein. Allerdings leidet nicht nur die Schminke unter der Sonne, sondern im Normalfall auch die Shows. Bei den aus Polen stammenden BEHEMOTH war dies nicht der Fall. Die Death / Black Institution, welche seit Jahren solides Material liefert, legt ein runde Show auf die Bretter. Unterstrichen von einem starken Sound performen Nergal und seine Kollegen eine Messe auf höchstem musikalischen Niveau. Auch die Bühnenshow, welche mit Flammen und verschiedenen Kostümierungen aufwartet, passt perfekt zum düsteren, extremen Sound von BEHEMOTH. Da stört das Tageslicht in keinster Weise.

„So you wanna hear some Punk Rock?! Ok, then fuck you, we will play Reggae!“ waren die einleitenden Sätze für die nachfolgende Show von NOFX auf der Blue Stage. Mit ‚Kill All The White Man‘  wurde das Set gestartet. Schön, dass sich die Truppe aus Amerika auch wieder in europäische Breitengrade verirrte. Provokante Ansagen und lustige Songs inbegriffen. Man wäre fast verleitet zu glauben, dass NOFX alles andere als intelligente Zeitgenossen sind, wäre da nicht der schmale Grat des Sarkasmus, den die Amerikaner zynisch beschreiten. 

Auf der Red Stage sollte es für die nächsten zwei Stunden ein wahres Hitfeuerwerk geben. Die beiden Metalcore-Groößen KILLSWITCH ENGAGE, die als erste auftraten und die darauf folgenden HEAVEN SHALL BURN erfreuen sich einer großen Fanbase. Das konnte man auch gut an diesem Sonntag nachvollziehen, wenn man seinen Blick von der Bühne in Richtung Publikum schweifen ließ. Die Metalcore Granden hatten leichtes Spiel, da ja auch genügend Klassiker im Gepäck waren. Bei  KIILLSWITCH ENGAGE regierte neben einem wuchtigen Sound ebenso der Spaß, dem die Band sichtlich hatte. Sänger Jesse, stimmgewaltig wie immer, holte das Publikum mit einer Leichtigkeit ab, die sich von selbst verstand.

 

Mit so einem Stimmungsvorsprung war es für die nachfolgenden HEAVEN SHALL BURN wirklich leicht, den letzten Rest aus den Fans zu pressen. Die für intensive Liveshows bekannten Musiker aus Deutschland feuerten mit Hits wie ‚Black Tears‘ oder ‚Voices Of The Voiceless‘ genügend Granaten ab, die in ihrer Detonation nicht versagten. Unterstrichen von fetten Sounds preschte man gekonnt durch die Setlist und sorge für genügend Motivation, die sich in dem einen oder anderen Circle Pit äußerte.

Auf der Blue Stage hingegen regieren wieder die Beats. K.I.Z. eine der provokantesten deutschen Hip Hop Combos der letzten Jahre, schickten sich an, am letzten Tag des Festivals nochmal ordentlich das restliche anwesende Publikum aufzumischen. Bekannte Songs, bissige Ansagen und alles andere als „bitte recht freundlich“ standen am Programm an diesem frühen Sonntagabend. Man kann von den Herrschaften halten was man möchte, aber den Nerv der Zeit haben die Jungs ohne große Probleme getroffen. 

 


Zeit für den ersten Headliner des Abends: TWISTED SISTER. Die Band, die sich gerade auf Abschiedswelttournee befindet, punktet von Anfang an. Auch wenn man mit einem etwas flachen Sound auf der Bühne kämpfen musste, lieferte man ein Hitfeuerwerk, welches die Tonprobleme eher nebensächlich machte. Kein Wunder, mit so einer großen Anzahl von großartigen Songs im Portfolio war es ein leichtes für Dee Snider die Bandgeschichte noch einmal quasi Revue passieren zu lassen. Frisch, trainiert und erstaunlich fit jagte Dee über die Bühne. Ein schönes Beispiel wie Rock’n Roll-Geschichte aus den Vereinigten Staaten aussehen kann. ‚We´re not gonna take it!‘ und Co zeigten da ihre Wirkung ohne große Probleme.

Ebenso mit Soundproblemen zu kämpfen hatten die U.S. Legenden von DEFTONES. Gerade vor kurzem hat man mit „Gore“ ein wirklich starkes Lebenszeichen weltweit veröffentlicht. Grund genug auf ausgedehnte Tournee zu gehen um auch die neuen Songs gebührend der breiten Masse zu präsentieren. Die überaus starke und emotionale Performance der DEFTONES konnte sich sehen lassen. Was auch immer hier im heurigen Jahr los war in Sachen Sound, aber so manche Show kam durch die Verfehlungen zu kurz und musste an Intensität einbüßen. 

 
Sehr überraschend mau verlief allerdings die letzte Show des heurigen NOVA ROCK Festivals in Form der RED HOT CHILLI PEPPERS. Die Jungs, die in den kommenden Tagen ihr neues Album veröffentlichen, sind dem Status eines Headliners durchaus würdig. Aber dem sollte man dann auch bitte nachkommen. Ein lauer Sound, der alles andere als gut gemischt war plus Sänger Anthony Kiedis, der teilweise Textpassagen vergaß. Professionalität sieht anders aus. Die Song-Auswahl auf der anderen Seite konnte dafür nicht passender sein. Nach einem Live Jam setzte man mit dem Alltime Klassiker ‚Can`t Stop‘ ein um mit ‚Dani California‘ weiter zu machen. Die Menge feierte die Band trotz aller Widrigkeiten vom ersten Momentan an. Nicht verwunderlich wenn man bedenkt wie selten die Nordamerikaner sich in unsere Breitengrade verirren. Aufregend war die Show in keinem Falle, die soundtechnischen Probleme taten ihr Übriges. Für eingefleischte Fans war die Performance vielleicht ausreichend, der Rest des Publikums stand dieser ob mangelnder Qualität eher skeptisch gegenüber,

 

Mit den letzten Tönen der Peppers auf der Blue Stage endete gleichzeitig auch das NOVA ROCK 2016. Die Mischung macht es aus, etwas das dem Team rund um Chef Ewald Tatar problemlos gelungen ist. Das NOVA ROCK möchte sich musikalisch weiter öffnen, in Anbetracht der immer stärker werdenden Konkurrenz am nationalen Markt. Über 180.000 Besucher strömten an diesen vier Tagen über das Gelände. Das Cashless-System funktionierte für den ersten Einsatz zwar nicht tadellos, Verbesserungswürdigkeiten liegen jedoch an jeder Ecke dar. 

Zum Abschluss sei gesagt, dass wir auch etwas ganz wichtiges aus diesem Wochenende gelernt haben: Dass die österreichischen Wettervorhersagen so zutreffend sind wie die Wahlprognosen manch vergangener Wahl in diesem Lande. Man ist hier mit einem im wahrsten Sinne des Wortes blauen Auge davon gekommen. Von Regen bis zu Hitze war alles vertreten. 

Gütl Chris

 

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Hard Rock | Hip Hop | Metal | Nova Rock | Nickelsdorf | 16.06.2016 |

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