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KRS One live @ Arena Wien

Hip Hop was over here! KRS-ONE („Knowledge Reigns Supreme Over Nearly Everyone“) beehrte Dienstag Abend, etwas mehr als zwei Jahre nach seinem letzten Wien Gig am Donauinselfest - und, meine Damen & Herren, der „Teacher“, wurde seinem Namen mehr als gerecht! Aber alles der Reihe nach…

Zunächst durfte DJ Zuzee die langsam eintrudelnden Leute mit Beats auf den Abend einstimmen, richtig voll wurde die Halle aber erst während DJ Predator Prime mit seinem Set den Leuten ein Best Of von East- & Westcoast Dauerbrennern kredenzte. Visuell unterstützt wurden die beiden DJs jeweils von der UNITED MINDS B-BOY CREW, die Breakdance Einlagen vom Feinsten aufs Pakett legten. Kurz vor 22 Uhr war die Crowd genug angeheizt und Lawrence Parker, wie KRS-ONE mit bürgerlichem Namen heißt, enterte die Bühne und machte für die nächste Stunde keine Gefangenen: Die B-Boys werden umgehend wieder auf die Bühne gebeten, und sofort gibt’s einen Freestyle auf die Zwölf, mit dem KRS-ONE die im Publikum mit ihren Smartphones hantierenden Leute anfeuert den Gig zu filmen und eine DVD damit rauszubringen - er sich dabei aber gleich 20 % der Einnahmen zusichert. Die Abhänigigkeit der Menschen von der Technologie ist damit nur eines der vielen tiefgründigeren Themen, mit denen sich der MC aus der Bronx in seinen Texten auseinandersetzt. Ein anderes ist zum Beispiel Polizeibrutalität, das in KRS-ONE’s wohl bekanntestem Track thematisiert wird: Keine 20 Minuten im Set, dröhnt auch schon "Sound of da Police“ wuchtig aus den Verstärkern, das Publikum ist erwartungsgemäß aus dem Häuschen. Can I say „Fuck the police!“? Yes, you can!

Danach rappt und freestylt KRS-ONE über geldgiergige Unternehmen, den Sellout von Künstlern, behandelt die Sklaverei und Unterdrückung der Schwarzen in den USA, die Geschichte des Hip Hop und was es heißt, Teil dieser Subkultur zu sein. Dazwischen gibt es immer wieder gesprochene Messages an die Anwesenden, „cooperation instead of competition!“, „humanity before technology!“, „this ain’t about money, this is about respect!“, aber allen voran predigt Mr. Parker die „unity“ innerhalb des Hip Hop - alleine ginge nichts, die Divise müsse „gemeinsam“ lauten! Dabei verirrt sich KRS-ONE auch schon mal in etwas reggaelastigere Gefilde, was der Stimmung aber keine Abbruch tut, sondern dem Ganzen den Lyrics entsprechend sogar etwas entgegenkommt. Etwas weniger ernst werden die Texte nur, als den Soundtechnikern ein Ständchen improvisiert wird und als KRS-One über Wien ein paar Reime droppt, um sich schließlich mit Augenzwinkern selbst zum neuen Ehrenbürger der Stadt zu ernennen.

Während der Show macht sich nämlich ein Grafitti Künstler mit Edding drauf und dran „Vienna“ und „Hip Hop“ auf ein Flipchart zu taggen, was dann noch von KRS-One himself und allen anderen auf der Bühne weiter bearbeitet wird, um schließlich nach der Show für eine guten Zweck beim Merchstand versteigert zu werden (ob oder um wieviel dieses Stück Streetart dann auch tatsächlich weggegangen ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis…). Eine besondere Ehre wird Chrizondamic und  zuteil: Der local MC aus Baden darf die Show nicht nur anmoderieren, sondern bekommt vom Teacher auch noch einen Teil des Sets geschenkt, um mit seiner Combo ADOLESSONZ zwei Tracks zu performen - Ehre wem Ehre gebührt, die Jungs von ADOLESSONZ verstehen ihr Handwerk und dürften nach dem Gastspiel ein gutes Stück weniger underrated sein. Gegen 23 Uhr ist die Show leider schon viel zu früh vorbei, dafür war sie aber von vorne bis hinten ein voller Erfolg: Ein mehr als gut gelaunter KRS-ONE, ordentlicher Sound und eine bis in die oberen Ränge gut gefüllte Arena waren die perfekten Zutaten für  eines der Hip Hop Highlights des Jahres.


Das war nicht einfach nur ein normaler Gig, das war eine Hip Hop Messe á la Bonheur!

Fernab von prolligem oder billigem Rappergehabe, macht KRS-ONE anspruchsvolle Musik über großteils ernste Themen, aber ohne dass dabei die Stimmung zu ernsthaft wird. Ganz im Gegenteil: Bei sattem Sound und basslastigen Beats verpackt das Urgestein aus New York seine Moral in motivierenden Hip Hop, mal moderner, mal old school-lastiger, mal straight, mal ein wenig verspielter. Die energische Bühnenpräsenz, die immer wieder eingestreuten Freestyles, die Publikumsnähe und die Art und Weise wie KRS-ONE DJs, B-Boys, Grafitti Künstler und auch andere MCs in seine Gigs einbindet, macht seine Live Show zum Pflichtprogramm für jedermann, wo nicht nur einschlägige Connaisseure voll auf ihre Kosten kommen. Der Mann predigt nicht nur Hip Hop Kultur, er lebt sie - wir freuen uns schon auf das nächste Mal


Stefan Kuback

Gallerie KRS one live!

Hip Hop | Arena Wien | 25.08.2016 |

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