Live Reports

Headerbild

GRAVEYARD live @ Arena 2015


Graveyard / Backyard Babies / Imperial State Electric / Heavy Tiger / Junkstars – 9.11.2015, Arena, Wien


Konzerte der Superlative gibt es in der Wiener Arena zuhauf, doch eine so geballte Ladung Schwedischen Rock n Rolls, so wie es an diesem lauen November-Montag stattgefunden hat,
dürfte es zuvor noch nie gegeben haben.
Die fünf fusionierten Skandinavischen Akteure durften schlussendlich alle die Arena bespielen, statt auf getrenntem Wege auch die Bühne der Szene Wien zu beehren. Zusammenarbeit macht ja schließlich doch mehr Spaß, sowohl für Bands als auch für Besucher und so begab man sich zur gemeinsamen Pilgerfahrt nach Erdberg! 


Aufgrund eines lückenhaften Zeitmanagements haben wir Junkstars und Heavy Tiger leider verpasst, die Euphorie ist jedoch Dank den kultigen Imperial State Electric, welche aus den Scherben der noch kultigeren Hellacopters geborgen wurden, unaufhaltsam. Mit „Let Me Throw My Life Away“ vom neuen Album „Honk Machine“ beginnt ein Höllenritt auf getunten Motorrädern in engen Hosen und mit Polizei-Cappies, der durch seine enthusiastischen und gut gelaunten Musiker stetig bleibt. Sympathie und Interaktion mit dem Publikum bringen die Stimmung in der bereits prallen Arena zum überkochen, fast so als stünde der Uhrzeiger bereits auf 22:00 statt auf 19:45 Uhr.
Nach nur 35 Minuten ist der Spaß zwar leider schon zu Ende, den positiven Nachgeschmack dieser eindrucksvollen Show wird man jedoch noch länger in Erinnerung behalten.
Wenn Cowbells das Erscheinen nietentragender Altrocker einläuten, kann es sich nur um die Backyard Babies handeln. Der Opener „Thirteen or Nothing“ zerklüftet die tobende und jubelnde Menge, mitreißende Hooklines und bärtige Riffs bieten ein rundum unterhaltsames und abwechslungsreiches Konzerterlebnis. Die Live-Qualitäten der agilen Haudegen aus Nässjö sind auch nach mittlerweile 28 Jahren Bandgeschichte nicht verblasst, was man bei kompromisslosen Songs wie z.B. „The Clash“ oder „Minus Celsius“ deutlich hört und spürt. You wanna rock ‘n roll….you wanna shake that ass? Warum nicht?!


Zugegeben, Graveyard bilden in diesem skandinavischen Fünfer-Package stilistisch gesehen das ruhigste Glied, ist der Schnulzen-Anteil des neuen Albums „Innocence and Decadence“ überragend hoch. Doch nach einigen Jahren der kreativen Abstinenz und Kräfte-Regenerierung schwebt ein fühlbarer Vorfreudemantel über den Anwesenden, sodass so manch musikalische Ungereimtheit unbeachtet werden kann. Die vier Blues Rock-Passionierten bieten in den kommenden 60 Minuten fast alles, was ihre Anthologie zu bieten hat, nachdem mit dem brandneuen „Magical Shunk“ und dem Sing-Along-Klassiker „Hisingen Blues“  das Eis gebrochen wird. Dahinschleichende Kitschfaktoren und innovationslose Melodien, die vom neuen Album nachgeschliffen werden, hinterlassen jedoch einen bitteren Nachgeschmack für eingesessene Graveyard-Fans. Da kümmern sich eiertragende Blues-Nackenbrecher wie „Seven/Seven“ sowie die Neuankömmlinge „Hard-Headed“ und „From a Hole in the Wall“ um den obligatorischen Rapiditätszuschlag, die archaischen „Lost in Confusion“ und „As the Years pass by, the Hours bend“ vom legendären Debütalbum kompensieren zumindest die Schwächen der weichgespülten Nummern.
Solide und gute Show einer über die Jahre herangewachsenen Band, von der man sich in naher Zukunft ein spannenderes Album wünscht, das mit auf Tour genommen werden kann.


Hard Rock | Blues Rock | Arena Wien | Wien | 15.11.2015 |

Zurück

Aktuelle Themen