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DŸSE live @ Rockhouse Salzburg

Support: STALEM, CHANGO, OTEHI

Die Bands STALEM aus Salzburg, CHANGO aus Ebensee, OTEHI aus Rom und die unvergleichlichen DŸSE aus Berlin geben sich an diesem Datum die Ehre, die Halle inklusive Berg mit ihren unterschiedlichen Sounds zum Beben zu bringen. 

Den Anfang macht die noch recht junge Formation STALEM. Ursprünglich aus Bad Ischl/Bad Goisern stammend, eröffnen die Wahlsalzburger kurz nach 20 Uhr den Abend mit ihrem eigenwilligen Sound, der irgendwo zwischen Hardcore, Stoner und Grunge angesiedelt ist. Die Energie, mit der das Trio zu Werke geht, kann sich sehen lassen und wird auch ordentlich von dem immerhin schon zahlreich anwesenden Publikum honoriert. Dass an so mancher Ecke noch an der Feinschraube gedreht werden muss in Sachen Rhythmus, Genauigkeit und Eingängigkeit, gehört ausgesprochen, sollte aber keinesfalls die Leistung an diesem Abend schmälern. Auch die Großen müssen ab und an noch ihre Hausaufgaben machen. 

 

Das kann man spätestens beim nächsten Act CHANGO aus dem beschaulichen Ebensee in Oberösterreich sehen. Auf der einen Seite punkten die drei gestandenen Männer mit ihrem kapriziösen Instrumentalsound, der durch den wuchtigen Basssound vom Sänger seine ganz eigene Note bekommt. Ganz klar, die Herrschaften beherrschen ihre Instrumente. Zwischen Songs wie „Der Florist“ oder „Heast mi geh“ fällt so mancher Verspieler etwas ins Gewicht. Ändert aber nichts an der Stärke der Show und der Energie, die bei den einzelnen Songs rüberkommt. Was in einer fulminanten Zugabe gipfelt.

Inzwischen hat sich die Rockhouse-Bar in Salzburg mit ca. 70 bis 80 zahlenden Gästen gut gefüllt und man ist gespannt auf die Show der Italiener OTEHI. Die Dreierformation beeindruckt mit einem Sound, der seinesgleichen sucht. Die Mikrofone sind bis zum Anschlag auf Hall gedreht und ein Meer von Fußpads breitet sich auf der Bühne aus. Der psychedelische Sound lebt vom Abwechslungs- und Ideenreichtum der Musiker. Wenn das nötige Können dann auch noch dazu kommt, ist der Mix perfekt. Genau dieser Gang gelingt dem Trio aus Rom problemlos. Man spielt sich quasi in eine andere Welt und wie mir die Jungs noch vorher im Interview erklärt haben, nehmen sie auch gerne das Publikum mit auf ihre Reisen. Mit dem Einsatz der nötigen Effektgeräte und Gitarrenpads erzeugt man Klang- und Soundwelten, die sich hören und durch die Bühnenpräsenz auch sehen lassen können. Ob Gitarre, Bass, Schlagzeug, Flöte oder der Einsatz der eigenen Stimme. Das Konzept passt und der Sound stimmt.

 

Dasselbe kann man auch vom Headliner des heutigen Abends sagen. DŸSE. „Ich hoffe, ihr habt alle eure Briefmarkensammlungen mitgebracht! Wir begrüßen euch zum munteren Tauschen!“, eröffnet Drummer Jarii die Show. Die sympathische Berliner/Dresdner Zweimann-Combo macht aus weniger mehr und beweist auch im Jahre 2014 mit ihrem neuen Output „Das Nation“, dass selbst nach über zehnjähriger Bandgeschichte (erste Platte: Honig“, 2004) der Sound sich noch entwickeln und beeindrucken kann. So auch die Liveshows wie hier in Salzburg. André Dietrich an der Gitarre strahlt Ruhe aus, während der Sound wie eine Dampfwalze über das zahlreich anwesende Publikum fährt. Seine Stimme ist das genaue Gegenteil dieser Ruhe und verleiht den nötigen Schuss Wahnsinn einem Sound, für den DŸSE bekannt sind. Jarii van Gohl am Schlagzeug ist eine Klasse für sich, es scheint fast, als verschmelze der Gute mit seinem „Werkzeug“. Songs wie „Weiß/Schwarz“ oder - brandaktuell vom neuen Album - „Spinne“ gehen problemlos ins kollektive Ohr der anwesenden Menge und sorgen für genug Bewegung in den Reihen. Wie gesagt, eine Klasse für sich, die Männer aus dem Nachbarland. Hoffentlich bald wieder zu sehen in unseren Breitengraden.

 

Vier Shows, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dafür stehen, was Musik ausmacht: Individualität. Ob jugendlich aggressiv, bewährt eingespielt, psychedelisch verspielt oder mit einer gewissen „Ab nach vorne!"-Attitüde - ein schöner Abriss dessen, was alles mit Instrumenten, Kreativität und Können möglich ist. Wenn dann livetechnisch wie hier in Salzburg der Sound auch noch passt: Musikherz, was willst du mehr? MEHR DAVON! - bitte auch in Salzburg! So ein Abend, und der um zehn Euronen - da kann sich keiner beschweren, es sei nichts los.

 

Christoph Gütl

Stoner Rock | 02.05.2014 |

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