Live Reports

Headerbild

BRIAN FALLON & THE HOWLING WEATHER @ Arena Wien

Ich gebe ja zu, ich war bis kürzlich eine BRIAN FALLON-„Jungfrau“. Wenn man es genau nimmt, bin ich – abgesehen vom Song "Great Expectations" – auch nicht besonders bewandert, was sein Hauptprojekt THE GASLIGHT ANTHEM angeht. Doch als meine Freundin mich bat, sie zu diesem wahnsinnig tollen Typen mit der Rod Stewart-Stimme zu begleiten, konnte ich nicht nein sagen.

 

Kurzzeitig bereue ich meine leichtsinnige Zusage: Bei eisigen minus acht Grad laufen wir von der U-Bahn zur vollgestopften Wiener Arena. Haufenweise tätowierte Arme, Bärte, Piercings, Karohemden und eine ewig lange Schlange an der Damentoilette – soweit nichts Neues. Mit Bier ausgestattet finden wir uns schließlich im hinteren Drittel vor der Bühne ein. Brian Fallon, der Mann der Stunde, eröffnet mit seiner Begleitband THE HOWLING WEATHER und dem Song "A Wonderful Life", der Single-Auskopplung aus seinem Debutalbum "Painkillers", wie ich später erfahren soll. Das Album entstand während der Produktion des THE GASLIGHT ANTHEM-Albums "Get Hurt".

 

Das Solo-Album erntete großes Lob bei den Kritikern und auch seine Fans scheinen es zu lieben, denn bei Songs wie "Rosemary" und "Smoke" erweist sich das Publikum als äußerst textsicher. "I thought I would be playing in front of an empty room", gibt der talentiert Rotschopf lachend zu und bringt damit sein Unwissen über Österreich und Wien zum Ausdruck, bevor er die rhythmischen Akkorde zu "If your prayers don’t get to heaven" vom neuen Album "Sleepwalkers" anstimmt. "Ein bisschen schmalzig, fast countrymäßig", denke ich bei mir, doch der Beat hält mich bei der Stange. Er stimmt das Lied "Painkillers" an. Meine Freundin und ich nicken uns zu, das Lied hatten wir beide am gleichen Abend zum ersten Mal gemeinsam gehört.

 

Zwei Alben sind nicht besonders abendfüllend, daher streut der aus New Jersey stammende, junge Mann immer wieder Covers der Band THE HORRIBLE CROWS ein – eine Band, deren Mitglieder sich in der aktuellen und auch in Brian Fallons früher Karriere wieder fanden. Zu meiner Überraschung spielt er außerdem das TOM WAITS-Cover "Dirt in the Ground". Gar nicht übel, wie ich finde, die Stimme hat er ja und das Klavierspielen beherrscht er offensichtlich auch. Tatsächlich bin ich etwas enttäuscht von seinen Fans: Es wird kaum getanzt und noch weniger euphorisch applaudiert. So richtig in Fahrt kommt die Menge erst beim Encore "The ‘59 Sound" von THE GASLIGHT ANTHEM. Die Band spielt "See you on the other side" und ich hoffe nur, es möge nicht das letzte Lied sein, das wäre an Sentimentalität nicht zu überbieten. Doch er legt noch ein sehr gutes Cover von U2s "I still havent found what I’m looking for" als Schlusslied ein. Damit hat er mich. Ende gut, alles gut.

10.03.2018 |Juliane Deisenhammer

Zurück

Aktuelle Themen