Live Reports

Headerbild

ROCK IN VIENNA - Tag 1

Sonne, Pyro und Geburtstagskinder

Das Rock in Vienna startete am Freitag, 3.6.2016 für drei Tage in die zweite Auflage. Mit 41 Bands, die einen Mix aus verschiedenen Genres versprachen, der Erinnerung an die Premiere 2015 und dem Vergleich zwischen den Line Ups verschiedener Festivals kamen am ersten Festivaltag Metalheads von nah und fern, um also den wunderbaren Klängen zu lauschen, heimische Kapellen inbegriffen.

 

Kaum ein Bericht kommt umhin, im selben Atemzug beide Festivals, das Rock in Vienna und das Nova Rock, zu nennen, doch um gute Bands musste zwar vielleicht im Hintergrund verhandelt werden, es gibt aber auf beiden Festivals im Line Up keine Mangelerscheinungen. Wer einen Blick auf das Line Up des Vorjahres wirft stellt fest, dass etwa Babymetal und Gojira wieder kommen.

 

Die Bühnenvorhänge waren auch heuer wieder künstlerisch von Joachim Luetke. Die Soulstage war eine Hommage an David Bowie und Lemmy Kilmister, die für viele Künstler Inspiration waren und sind und von Fans wie Musikern vermisst werden. Die Mindstage war diesmal dem Nobelpreisgewinner Erwin Schrödinger und seiner berühmten Katze gewidmet.

 

Die feierliche Eröffnung wurde von der österreichischen Band BLACK CAGE mit ihrem Hard Rock'N Roll auf der Jolly Roger Stage vorgenommen. Die Truppe hatte im Finale der Planet Festival Tour den 3. Platz gemacht und bei dieser Gelegenheit ihr Logo präsentiert, das von Ken, dem Vorzeigegitarristen von BOON, gestaltet wurde. Zur Mittagszeit ist das bekanntlich nicht so einfach, doch es gab eine gute Show.

 

Darauf folgte die oberösterreichische Band TUXEDOO, die laut eigenen Angaben „Original Austrian Alpencore“ zum Besten gab. Die Jungs sind diesen Sommer auf gleich 9 Festivals vertreten, unter anderem mit dabei ist auch das stets ausverkaufte Wacken. In ihren feschen Trachten holten Tuxedoo viel Publikum vor die Bühne. Mitsingende, hüpfende Fans und gute österreichische Musik

 

Währenddessen legten dann als erste Band der Soul Stage EISBRECHER los. Das Album „Die Hölle muss warten“ (2012) und das Album „Schock“ (2015) wurden eben erst mit Gold gekrönt. Die Band wurde von einem Nebelhorn und natürlich dazugehörigem Nebel angekündigt, der Bühnenaufbau erinnerte mit Bullaugen an ein Schiff. Frontman und Mitbegründer Alexander „Alexx“ Wesselsky kam im schwarzen Anzug trotz der Hitze und warf "Geldscheine" aus einem Aktenkoffer ins Publikum. Die Hookline „zum Glück bin ich verrückt" im Song „Verrückt“ würde lauthals mitgesungen und dann kam die Frage an die Zuschauer „Wir wären heute auch gekommen, wenn Rammstein heute nicht gespielt hätten, wie sieht's mit euch aus?" und schon wurde zu „Willkommen im Nichts“ geprostet. Eine Power Metal Einlage gab es auch mit einem richtig hohen "I can't hear you". Die Ansage zu „Fehler machen Leute“ musste der Sänger noch schelmisch mit einem "gell Jürgen" garnieren.

 

Mit Rock und Crossover ging es nach TUXEDOO weiter als KONTRUST die Jolly Roger Stage betraten. Die Kapelle aus Wien ist ja immer zu Spaß bereit, was im Video „Dance“ und natürlich live auf der Bühne gut ankommt. Langweilig ist es auch nach 10 Jahren nicht geworden.

 

PAIN starteten das Programm der Mind Stage. Frontman von Pain, Peter Tägtgren, gab wortlos ein Statement ab, indem er in einer Zwangsjacke auftrat. Den Song "End of the line", kommentierte er mit „this is about a man in Stockholm in 1999“,wofür es kräftigen Applaus gab. Danach wurde weiter zum klassischen Repertoire gegriffen: "The great pretender" entlockte dem Sänger eine sehr hohe, verrückte Stimme in der ruhigen Passage. Da Peter Tägtgren seinen 46sten Geburtstag auf der Bühne verbrachte gab es natürlich von Publikum und Band ein "Happy Birthday", gefolgt von einer Torte, die in seinem Gesicht landete, sodass er ganz schwarz war. Zwar gab es keine neuen Songs, doch die Info, dass das neue Album im September erscheinen soll. Am 9.6.2016 soll das Artwork für das neue Album präsentiert werden, auf das die Fans schon warten. Im Februar wurde von der Band ja gemeldet, dass bereits das Pre-Recording von 8 Songs stattgefunden hatte. Mit einem Gruß an seine Mutter, die ihm sagte, er sollte still sein, kam passender Weise als letzter Song "Shut your mouth".

 

Quasi gleichzeitig spielten dann WAGE WAR und ANTHRAX. Die amerikanische Metalcore Truppe WAGE WAR war im April in Japan mit ihrem Album „Blueprints“. In Europa und den USA sind sie nun den ganzen Sommer lang unterwegs.

 

Vor allem am späten Nachmittag wurde das Anstellen mit Tagestickets leider wieder zur Geduldsprobe.

 

Die Kultband ANTHRAX ist bis in den Oktober ebenfalls auf Tour und zwar in Europa, Kanada und den USA - dort mit SLAYER und DEATH ANGEL. Mit im Gepäck ist ihr neues Album „For all kings“. Mit dem Artwork des neuen Albums "For all kings" auf dem Banner kam Anthrax mit dem genialen Sänger Joey Belladonna. Seine Höhen und seine kräftige Stimme haben gemeinsam mit seiner Gabe, die Massen zu motivieren, eine wahnsinns Stimmung gemacht. Neben Klassikern wie "Madhouse" gab es natürlich auch vom neuen Album „Evil twin“ und "Breathing Lightning" die teilweise auch den berühmt gewordenen Sprechgesang beinhalten. Beim Laufen und Springen auf der Bühne warf der agile Joey auch schon während der Show Plektren ins Publikum. Vor lauter Begeisterung über die Stimme sollte ich natürlich nicht vergessen auch die Gitarren positiv zu erwähnen.

 

Danach folgten ebenfalls zeitgleich SERUM 114 und BABYMETAL. Die deutschen Punkrocker SERUM 114 haben heuer zum 10 Jahr Jubiläum bei Napalm Records unterschrieben. Fans konnten sie bereits am Rockavaria hören und für alle Wacken Besucher gibt es ebenfalls die Möglichkeit, die Kapelle live zu erleben. Am 5.8.2016 wird das neue Album „Die Nacht mein Freund“ erscheinen.

 

Wie schon 2015 tanzten und spielten BABYMETAL in gewohnter Manier. Von der neuen Scheibe „Metal Resistance“, die im März 2016 als zweites Album herauskam gab es etwa „Karate“ und als letzten Song der Show „Road to Resistance“ zu hören. Im Publikum gab es unterschiedliche Meinungen darüber, wie vertretbar der Lolita Style der jungen Damen sei und musikalisch sind freilich auch die Geschmäcker verschieden. Sicher ist aber, dass die Gruppe ihr Handwerk gelernt hat und eine gute Show lieferte.

 

Vor den letzten drei Bands des abends gab es eine Skydive Show von Red Bull, bei der Fallschirmspringer mit blauem, rotem und weißem Rauch den Himmel verzierten. Werner Stockinger präsentierte die Show von der Bühne aus, manche Besucher vermissten dabei aber den Sinn der Sache, warteten sie doch eigentlich auf SLAYER.

 

"SLAYER" Rufe schallten also unmissverständlich aus dem Publikum. Das neue Album "Repentless" (11.9.2015) wurde natürlich nicht unerwähnt gelassen, sondern die Show mit dem gleichnamigen Song eröffnet. Tight gespielt, wie immer gab es ordentlich auf die Ohren ohne viele Worte zwischen den Songs zu verlieren. Der Sound der Soli war erfreulicherweise meist gut und man konnte die Bending Sporteinlagen von Geburtstagskind Kerry King richtig genießen. Slayer waren auch wieder mit Instrumenten unterwegs, die neben ihrer Funktionalität auch individuell designed sind. Mein persönliches Favourite: der schwarze ESP Bass. Einmal mehr gab es auch die Ansage, dass ein Liebeslied folgt, weil ja sie die Musik lieben und mit dem Publikum teilen. Das Haupthaar durfte freilich auch zu Klassikern geschüttelt werden, bei „South of Heaven“ hörte es sich an, als würde das ganze Festival mitsingen. Auch bei diesem Auftritt gab es ein Gedenken an den 2013 verstorbenen Gitarristen und Mitbegründer Jeff Hanneman unter mit dem Klassiker "Angel Of Death" als letzten Song des Gigs. Die Herren kündigten im Internet für ihre Nordamerikatour ein Triumvirat mit ANTHRAX und DEATH ANGEL an.

 

In die Saiten gegriffen wurde anschließend lautstark von APOCALYPTICA, die heuer das 20 Jahr Jubiläum ihres Debut Albums " ‘Plays Metallica By Four Cellos’ mit einem Re-Release feiern. Der Tonträger ist für 22.7.2016 angekündigt. Mit "Reign of Fear" von ihrem Album "Shadowmaker" aus dem vergangenen Jahr starteten sie los. Auf dem Album ist ja erstmals nur ein Sänger, Franky Perez, zu hören. Waren Apocalyptica in ihren ersten Shows hauptsächlich gesessen, wurde über die Jahre hindurch das Cello auch zum Trainingsgerät. Auf dem Boden liegend und mit den Beinen umklammert, geschultert und hinter dem Kopf, mit dem Cello über die Bühne wandernd spielten sie und es sah dabei nicht einmal anstrengend aus. Leider sind manche Ansagen etwas im lauten Pegel der Gespräche untergegangen. "Seek and destroy" tönte es dafür noch lauter aus dem Publikum als die Nummer gespielt wurde. Mit einem Klassikstück, "Hall of the Mountain King" von Edvard Grieg, verabschiedete sich die Band.

 

Bevor die RAMMSTEIN Show los ging, gab es auf den Videowalls den Hinweis, die Show zu genießen und sich nicht damit zu beschäftigen, die Show aufzunehmen.

 

Wer die Live Shows kennt, weiß wie aufwändig sie sind – großes Kino/Theater. Es wurde mit einer "Digitalanzeige" von 8 runtergezählt, rotes Feuerwerk und Rauchsäulen, das Schlagzeug erhöht und von unten beleuchtet, dann kamen 2 Plattformen von oben geschwebt. "Ramm 4" bestehend aus Songtiteln der Band, war natürlich bestens als Einstimmung geeignet.

 

Die aufwändige Licht und Pyroshow gehört ja bei der Band zum guten Ton und so wechselte die Bühne in den unterschiedlichen Liedern eindrucksvoll die Hauptfarbe. Wer sich mit Licht in seinen verschiedenen Formen auseinander setzen möchte findet hier quasi das Live Beispiel einer Zusammenfassung aller Lehrbücher. Was die Pyro Elemente betrifft, war die Show nicht weniger beeindruckend.

 

Mit ihren kritischen Texten befinden sich Rammstein bekanntlich an der gefährlichen Grenze, dass ein Zuhörer, der die Gruppe nicht kennt, glaubt, dass zu Gewalt aufgerufen wird. Die Show, die durch Kostüm, schauspielerisches Talent, Maske und Licht geprägt ist, zeigt aber eben gerade die Kritik daran. "Ich muss zerstören, doch es darf nicht mir gehören." wird noch deutlicher mit der Stimme und der Mimik des Sängers.

 

Ein Wunderkerzenbogen wurde in der Mitte der Bühne im Kreis gedreht als "Du riechst so gut“ los ging. Der Glitzeranzug des Keyboarders kam super zur Geltung.

 

Wie es nun mal Live passieren kann gab es bei „Mein Herz brennt“ einen kurzen Ausfall der Videowall, das war aber ganz schnell wieder behoben. Da man den Song aber ohnehin als Paradestück der Schauspielkunst von Till Lindemann ansehen kann war wohl der Großteil der Zuschauer sowieso von seiner Stimme in seinen Bann gezogen. Mit ein komplett vernebelten Bühne (sogar von hinten gab es über die Bühne hinweg noch extra eine Portion Nebel) und Flammenwerfern ging es dann zu „Ich will“ ab. Der Song sagt eigentlich genau das in Worten, was mit der Bühnenshow beabsichtigt und top umgesetzt ist. Das Publikum antwortete in atemberaubenden Sprechchören „wir hören/sehen/fühlen/verstehen dich“. Zu der selbstironischen Seite von Rammstein gehört da natürlich auch die Passage „wir wollen, dass ihr uns alles glaubt“.

 

Wer sich über den Riser vor dem Lichtturm gewundert hatte, wusste spätestens bei „Du hast“, dass die umsichtige Band das Publikum zur späten Stunde wärmen wollte – mit Stichflammen in den Himmel. Auch die Flammen über den Köpfen der Musiker auf der Bühne lassen erahnen, dass die Musiker ihre Show leben. Sprühende Raketen, die zwischen Bühne und Lichtturm hin und her flitzten sowie die Scheinwerfer, die den Nebel über dem Publikum geschickt ausnutzten zeigten, wie der Bühnenraum erweitert wurde.

 

Wieder in seiner Erzählerrolle startete Lindemann am Boden „Sonne“ mit einer tollen Beleuchtung von unten. „Ohne dich“ ging schließlich in eine Akustikversion über, die immer stärker reduziert wurde und ohne „Engel“ konnte natürlich nicht nach Hause gegangen werden.

 

Der Videoschnitt, der mir bei SLAYER schon besonders positiv und kreativ aufgefallen ist, war wohl bei RAMMSTEIN noch aufwändiger angesichts der vielen verschiedenen Perspektiven aus dem Raum der Bühne.

Insgesamt ein sehr stark besuchter erster Tag mit tollem Programm und hart arbeitenden Menschen an den Catering Ständen und im Hintergrund des Festivals. Die Veranstalter haben sich in einigen Punkten wohl auch die Kritik des letzten Jahres zu Herzen genommen und diesmal besser organisiert und auch die Stände im Gelände sinnvoller verteilt.

 

Hier geht's zu den Fotos!

Metal | Rock | 06.06.2016 |Claudia Wadlegger

Zurück

Aktuelle Themen