Interviews

Headerbild

VOLBEAT - Neues Album im Gepäck

VOLBEAT haben wieder einmal ein tolles neues Album im Gepäck, "Seal the Deal & Let's Boogie", das am 3. Juni 2016 erscheint. Ende letzten Jahres hatte sich die Band von Bassisten Anders Kjølholm getrennt und gaben vor ihrer USA Tour bekannt, dass Kaspar Boye Larsen diesen Part vorläufig übernehmen wird.

 

Mitte März hat sich Frontsänger Michael Poulsen für uns Zeit genommen über Telefon ein wenig zu plaudern. Da wir so früh noch nichts verraten wollten, könnt ihr jetzt nachlesen, was er zu erzählen hatte:

 

Wie geht es dir?

 

Michael: Gut danke, ich atme und lebe noch haha.

 

Freust du dich schon auf die USA-Tour mit BLACK STONE CHERRY und MONSTER TRUCK?

 

Michael: Ja, das sind zwei großartige Bands und wir freuen uns schon drauf.

 

 

Ihr habt euch vor kurzem von eurem Bassisten Anders Kjølholm getrennt, kannst du mir mehr darüber berichten?

 

Michael: Es gibt nicht viel zu erzählen. Es war keine große Sache und ist sehr friedlich verlaufen. Wir sind eine sehr beschäftigte Band und auch zu Hause ist viel los mit unseren Familien, Freundinnen und Kindern. Wir haben uns  zusammengesetzt und  über das vergangene Jahr sowie die Zukunft gesprochen. Am Ende konnten wir jedoch nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen wie wir Dinge sehen und angehen wollen. Deshalb war es das Beste für alle, dass jeder macht, was er machen will. Es war ein sehr respektvoller Umgang und jeder geht jetzt seinen Weg. Das war's im Grunde genommen.

 

Ich habe eure Statements gelesen und das klang alles sehr professionell.

 

Michael: So soll es auch sein. Es gibt keinen Grund es anders zu machen. Auch wenn es persönliche Differenzen gegeben hätte, bringt es nichts die Presse zu involvieren. Davon hat keiner was. Glücklicherweise war keiner böse aufeinander und es ist alles ganz normal abgelaufen. Wir waren einfach nicht auf dem selben Level und so macht jetzt jeder sein Ding.

 

Habt ihr schon jemand neuen?

 

Michael: Naja, nicht ganz. Wir proben derzeit mit einem neuen Typen, den wir auch im April in die USA mitnehmen werden. Wenn wir dann wieder heimkommen und es danach aussieht, als wäre er der Richtige für uns, dann wird er in unsere Band aufgenommen.

 

Und um wen handelt es sich oder ist das noch ein Geheimnis?

 

Michael: Ja, wir können momentan noch nicht wirklich etwas sagen. Wir entscheiden das, wenn wir von den USA zurückkommen. Aber es wird einen Press-Release geben bevor wir auf Tour gehen, sodass jeder weiß, wer momentan bei VOLBEAT aushilft.

 

Ich hatte die Möglichkeit in euer neues und sechstes Album reinzuhören, habt ihr schon einen Titel dafür?

 

Michael: Ja, es heißt “Seal the Deal & Let's Boogie”.

 

Toller Titel. Wann werdet ihr euer Werk veröffentlichen?

 

Michael: Ehrlich gesagt haben wir noch keinen fixen Termin, aber wir arbeiten daran. Höchstwahrscheinlich wird es Ende Mai oder Anfang Juni werden. [anm.: mittlerweile ist der 3. Juni als Erscheinungstermin festgelegt]

 

Wer hat bei eurem Album den Bass-Part übernommen, weil ja Anders nicht mehr dabei ist?

 

Michael: Rob hat alle Bass-Stellen aufgenommen. Das ist ziemlich einfach und locker gegangen.

 

Für dieses Werk habt ihr mit Joe Barresi zusammengearbeitet, wie ist das gelaufen?

 

Michael: Er ist sehr professionell, hat schon mit großen Bands zusammengearbeitet und dadurch sehr viel Erfahrung. Ein sehr netter Typ. Wir haben das erste Mal mit ihm zusammengearbeitet. Es hat etwa eine Woche gedauert bis wir uns eingearbeitet haben. Danach ist alles toll gelaufen und ich kann ihn nur empfehlen.

 

Also werdet ihr vermutlich auch in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten?

 

Michael: Da wir noch nicht wissen wie dann unser nächstes Album klingen wird, da kann ich noch nichts dazu sagen. Du wählst deine Produzenten aus je nachdem wie deine Musik klingen soll. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir vielleicht wieder mit ihm zusammenarbeiten werden.

 

Kannst du mir mehr über eure Gastsänger erzählen, die bei diesem Album mitgewirkt haben? Beispielsweise beim Song “Goodbye Forever” hab ich einen Chor rausgehört, der sehr nach Gospel klang.

 

Michael: Ja da hast du recht. Wir haben einen Gospel-Chor von den USA engagiert, The Harlem Gospel Choir. Das wollte ich immer schon einmal machen, eigentlich seit unserem 3. Album. Diesmal hatte ich einfach die richtige Idee dazu und es ist ein wirklich guter Song geworden, auf den ich stolz bin. Sie haben eine tolle Arbeit geleistet. Dann gibt es gibt einen Song der “Black Rose” heißt, wo DANKO JONES mitsingt.

 

Ah ja, jetzt weiß ich woher ich die Stimme kenne haha.

 

Michael: Haha ja, er hat eine sehr erkennbare Stimme. Wir waren mit ihm schon auf Tour. Toller Typ, tolle Band. Als ich den Song geschrieben hatte dachte ich mir, dass er perfekt für die Strophe passen würde. Er hat eine fantastische Arbeit geleistet und ich finde der Song ist ziemlich gut geworden.

Johan Olsen, ein dänischer Sänger, hat beim Lied “For Evigt” mitgewirkt. Wir hatten ihn auch schon beim 2. Album bei “The Garden's Tale” dabei. Dieser neue Song ist einer meiner Favoriten bisher. Wir hatten auch eine weibliche Backing Vocal Sängerin namens Mia Maya. Sie ist leider nicht so bekannt, aber ich hoffe sie wird es noch in Zukunft. Sie macht viele Backup Vocals in 4-5 Tracks.

Dann hatten wir noch welche, die beim letzten Album schon mitgespielt hatten. Zum Beispiel Rod Sinclair beim Banjo und Anders Pedersen für Slide Guitar.

 

 

Ihr arbeitet ja viel mit anderen Musikern zusammen. Wie kommt es dazu?

 

Michael: Es ist inspirierend. Wenn ich gerade an Songs schreibe höre ich zum Teil gewisse Instrumente oder Stimmen und mache mir Gedanken, wer dafür in Frage käme. Für uns als Band ist es einfach interessant ins Studio zu gehen und anstatt nur die eigenen Ideen/Outputs zu hören, sich auch von anderen inspirieren zu lassen. Es ist einfach toll mit Freunden zu musizieren, die wirklich talentiert sind und einen speziellen Sound haben, oder mit Musiker, auf die man selber jahrelang aufgesehen hat, plötzlich zusammenzuarbeiten. Es macht einfach so viel Spaß.

 

Auf dem neuen Album habt ihr Songs wie “Mary Jane Kelly”, bei der es um das letzte Opfer von Jack the Ripper geht und “Marie Laveau”, die im 18. Jahrhundert Voodoo praktiziert haben sollte. Was fasziniert dich am meisten an diesen Geschichten bzw. Mythen?

Michael: Ich liebe es in der Vergangenheit herumzuforschen und viele Bücher darüber zu lesen. Es gibt zahlreiche interessante Geschichten da draußen, die viele Menschen nicht beachten oder kennen. Aber sie sind Teil der Realität. Mich inspiriert vor allem die spirituelle Welt, dessen Mythen und auch Personen, die eine wichtige Rolle darin gespielt haben. Das ist einfach das, worüber ich gerne schreibe.

 

Was war für dich die bisher faszinierendste Geschichte, über die du geschrieben hast?

 

Michael: Ich will glauben, dass ich diese noch nicht gefunden habe. Ich mag die Idee, dass es noch so viele tolle Geschichten da draußen gibt, über die ich schreiben kann. Ich glaube nicht an die Spitze des Berges, denn das klingt ziemlich langweilig. Wenn du oben angekommen bist, was wirst du danach dann machen? Ich bin glücklich darüber, was ich bisher erreicht habe, aber ich bin noch nicht fertig. Es gibt noch so viele Dinge zu tun, so viele Gebiete in denen man touren kann, so viele Alben und Texte zu schreiben. Vielleicht kann ich es dir eines Tages beantworten, wenn ich mich zur Ruhe gesetzt habe, was ich am interessantesten gefunden habe.

 

Ok, dann frage ich dich nochmals wenn es soweit ist haha.

Beim Song “Gates of Babylon” habt ihr ein paar orientalische Töne eingebaut. Wie verbindest du Melodie und Text bzw. was kommt zuerst?

 

Michael: Meistens schreibe ich die Melodie vor dem Text, der kommt meistens ganz zum Schluss. Wenn ich weiß, dass ich die Musik soweit fertig habe, fange ich an zu improvisieren und versuche Wörter zur Musik zu finden. Manchmal bleiben gewisse Wörter auch hängen, die mich dann musikalisch inspirieren. Aber meist ist es umgekehrt.

Das Lied “Gates of Babylon” handelt über die babylonische Göttin Ishtar, die mit ihrer Schwester in der Unterwelt Kontakt aufnehmen will. Ich war immer schon ein riesen Fan von Ritchie Blackmore's Rainbow. Als ich die Melodie zu diesem Song geschrieben habe, dachte ich mir es sollte textlich unbedingt etwas mit Babylon zu tun haben. Die Musik zeigt mir in welche Richtung ich bei meinen Texten gehen soll.

 

Ich habe euch schon oft live gesehen. Ihr seid sehr energetisch bei euren Auftritten. Hast du irgendein Ritual bevor du auf die Bühne gehst?

 

Michael: Ich denke wir alle haben unsere kleinen Angewohnheiten eine Stunde bevor wir auf die Bühne gehen. Ich nehmen meistens eine sehr heiße Dusche um die Muskeln und generell den ganzen Körper zu entspannen. Dann trinke ich noch einen heißen Tee. Um mich stimmlich vorzubereiten singe ich oft ein paar Zeilen von diversen Songs.

 

Während deiner Jahre als erfolgreicher Musiker, hast du irgendwelche lustigen Geschichten, die du mit mir teilen möchtest?

 

Michael: Natürlich, es kommt halt darauf an, welche Geschichten du meinst. Es passieren ständig lustige Dinge. Spontan fällt mir gerade eine ziemlich lustige Story ein. Vor ein paar Jahren mussten wir eine Show absagen in Holland und da hat sich dann ein Gerücht verbreitet, wo wir nicht wissen wie das entstanden ist. Die Telefone haben nicht mehr aufgehört zu klingeln, viele Leute haben es im Internet gepostet und so weiter. Bei diesem Gerücht ging es darum, dass unser Schlagzeuger explodiert sei. Haha ja es klang wie ein Witz. Wie soll unser Schlagzeuger explodiert sein? Es stand überall. Die Telefone haben geglüht: “Was ist los? Ist Jon tot?” - “Nein, er ist nicht tot, wir schafften es nur nicht zur Show”. Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, warum wir die Show überhaupt absagen mussten. Wie kommen die Leute auf die Idee, dass unser Schlagzeuger explodiert sei? Ich find's ziemlich lustig. Wir lachen heute noch darüber. Wir hassen es Shows abzusagen, aber es kann halt mal vorkommen. Wir sind auch nur Menschen. Aber wenn es einmal passiert können wir jetzt immer sagen, dass Jon explodiert sei haha.

 

Euer Running Gag also.

 

Michael: Ja genau haha.

 

Interview with Michael Poulsen from Volbeat

Viele Musiker wie David Bowie und Lemmy Kilmister sind vor kurzem von uns gegangen und jetzt kann auch Brian Johnson von AC/DC seine Tour nicht fortsetzen auf Rat seines Doktors. Wen würdest du bzw. wen vermisst du von all den Musikern am meisten?

 

Michael: Weißt du, ich vermisse sie alle. Sie waren alle wirklich wichtige Persönlichkeiten. Sie kamen aus einer Zeit, wo Musik noch einen gewissen Wert hatte und wo Dinge einfach echt waren. Es ist traurig, dass so viele dieser Musiker nach und nach verschwinden. Wie Musik in der heutigen modernen Zeit promotet wird, ist einfach nicht mehr so “charming” wie es früher einmal war. Es ist traurig, jedoch der Tod, der mich am meisten geschockt und berührt hat, war jener von Lemmy. Er war einfach die Essenz des Rock'n'Roll und Heavy Metal. Seine Persönlichkeit war so, wie man sich dieses Genre vorstellt und er hat es nicht mal probiert, er war es einfach. Er war einfach Lemmy und er musste niemanden davon überzeugen. Wenn Leute danach fragen, was Rock'n'Roll, Heavy Metal oder der Kern des Ganzen sei, kannst du einfach sagen: „Sieh dir Lemmy an, hier hast du deine Antwort!“. Wir sind mit MOTÖRHEAD getourt und ich habe mich oft mit ihm unterhalten. Er war der netteste, intelligenteste und lustigste Typ und sehr engagiert in dem, was er gemacht hat. Er konnte einfach mit allem davon kommen, weil er einfach so echt war. Wie er von uns gegangen ist habe ich sehr lange gebraucht, um zu begreifen, dass er nicht mehr da ist. Wir wissen, dass es jederzeit passieren kann, jedoch wenn dann wirklich der Fall eintritt, dann trifft es dich sehr hart. Wir müssen einfach daran denken, wie wichtig er war und ist. Seine Musik wird für immer weiterleben. Leute unterhalten sich über ihn, spielen seine Lieder und können der neuen Generation erklären, wo die richtigen Rocker herkommen. Es gibt einen Elvis Presley, einen Johnny Cash und es wird immer nur einen Lemmy Kilmister geben. Derzeit verlieren wir so viele große Musiker und jetzt wird es immer wichtiger, dass Bands hervortreten und die Fahne für Rock'n'Roll und Heavy Metal Musik hochhalten. Auch wenn wir nicht dieses magische Dasein von Lemmy besitzen, geben wir alle unser Bestes, um diese Art von Musik weiterleben zu lassen.

 

Ja, es war ein großer Verlust. Er hatte einen großen Einfluss auf die Musik.

 

Michael: Ja, er war wie eine Vaterfigur für alle.

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, egal ob tot oder noch lebend, mit welchem Musiker bzw. mit welcher Band würdest du gerne touren?

 

Michael: Puh ich weiß es nicht. Ich denke es gibt viele Persönlichkeiten und Bands da draußen und ich toure mit alle gerne. Ich weiß wie wichtig es ist für Bands, die quer durch die Welt touren, auf der Bühne zu stehen. Auch für uns ist es sehr wichtig. Ich teile die Straße gerne mit allen. Wir haben mit fast allen schon getourt, von denen wir Fans sind, oder standen mit ihnen auf der Bühne. Wir gehen bald auf Tour in die USA mit MONSTER TRUCK und BLACK STONE CHERRY und ich freue mich schon richtig drauf. Es kann einfach jeder sein. Ich glaube alle in der Szene sind wichtig.

 

Ich habe gehört, dass du von Kopenhagen aufs Land gezogen bist, mit Kühen und Ziegen. Wenn deine Musikkarriere doch nicht halten sollte, würdest du eines Tages einen Beruf als Landwirt anstreben?

 

Michael: Haha, nein, ich glaube nicht, dass ich einmal ein Landwirt werde. Das ist nicht wirklich mein Ziel. Der Bauer, der in dieser Gegend wohnt, hat ein sehr großes Land. Wenn ich auf unseren Balkon rausgehe ist das Erste was ich höre, “määh” oder “muuh” haha. Ich mag das. Ich hör lieber das als Autos oder generell Stadtleben. Ich und meine Freundin fühlen uns hier sehr wohl mitten im nirgendwo. Es ist friedlich und ruhig. Ich brauche grad mal 15 Minuten mit dem Auto von der Stadt zu meiner Familie und Freunde. Ich liebe das Landleben, auch wenn ich keine Intentionen habe, mal selber ein Landwirt zu werden. Ich denke zwar nicht viel darüber nach, aber wenn ich mich mal zur Ruhe setze, werde ich eher anderen Bands aushelfen. Und wer weiß, vielleicht klopfe ich ja doch einmal an die Tür von einem Bauern und frage ihn ob er Hilfe braucht haha.

 

Wenn du kein Musiker geworden wärst, welchen Beruf hättest du dann ausgeführt?

 

Michael: Ich wäre Boxer geworden.

 

Wirklich, Boxer?

 

Michael: Ja, mein Vater war einmal Boxer. Ich habe seit ich klein war Boxen gelernt. Ich gehe zu vielen Kämpfen, sehe sie mir an, lese viel darüber – ich bin ein richtiger Nerd was Boxen betrifft. Es gab einmal einen Punkt, wo ich mich entscheiden musste zwischen Musik und Boxen. Ich habe sehr früh begonnen Musik zu machen und ich dachte mir ich kann nicht gleichzeitig kämpfen und trinken, also blieb ich bei der Musik haha.

 

Hast du noch eine Nachricht an deine Fans da draußen?

 

Michael: Wir sind sehr stolz auf unsere kommende Veröffentlichung. Es ist unser stärkstes Werk bisher und wir hoffen die Fans denken dasselbe. Wir freuen uns wieder auf Tour zu gehen und unsere Fans zu treffen. Ich hoffe wir bekommen weiterhin den Support von den Leuten.

 

Vielen Dank für das nette Gespräch und ich wünsche dir noch einen schönen Tag!

 

Michael: Danke, ebenfalls.

 

Interviewer: Mariam Osman | Mopix

 

Metal | |

Zurück

Aktuelle Themen