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THE LIBERATION SERVICE - Glattpoliert ist Scheiße!

Bild: Marie Dücker Photography

 
Glattpoliert ist Scheiße!

 

 Gitarrist und Sänger Bernd der vielschichtigen Pop  - Indie - Folk Combo THE LIBERATION SERVICE hat uns etwas über das neue Album „Calamity Physics“ erzählt. Was das Ganze mit ausfallenden Verstärkern, depperten Ideen und einer gehörigen Lektion Demut zu tun hat, das lest am besten selbst.

Gleich zu Beginn des Interviews gehen wir auf den Aufnahmeprozess des neuen Albums ein, welches live in einem alten Bauernhaus via eines Analogen 8-Spur-Aufnahmegerätes eingespielt wurde. „Die Platte analog aufzunehmen war für uns aus vielen Gründen reizvoll. Der wichtigste: Wir wollten lebendig klingen. Außerdem hatte Thomas Pronai einen Gefährten aus früheren Tagen dabei, der sehr wichtig für uns war. Er hat uns an den wichtigsten Stellen motiviert und an den richtigen Stellen gesagt, dass wir da grad einer depperten Idee hinterherlaufen. Besser geht‘s nicht!“ eröffnet Gitarrist und Sänger Bernd das Interview. Live, mitreißend und vor allem ins Ohr gehend kann man die neue Platte „Calamity Physics“ getrost bezeichnen. Der lebendige Sound sorgt für die nötige Portion Abwechslung, die das Album so interessant macht. Gerade in Zeiten, in der sterile Produktionen den Markt beherrschen, ist es ein ziemlich angenehmer Trend für‘s Ohr, dass Bands wieder auf eine gewisse Portion Rohheit im Sound setzen. „In unserer Szene finde ich glattpolierte Aufnahmen ziemlich daneben. Zwischen fettem Sound und überproduzierter Peinlichkeit ist es aber oft nur ein schmaler Grat und da gehen innerhalb der Band die Meinungen bereits empfindlich auseinander. Im Endeffekt klingt glattpoliert doch einfach nur scheiße. Ein bisschen dreckig muss es schon sein.“ Das richtige Stichwort im letzten Satz bringt uns zum ziemlich runden Sound der Band. Langeweile sucht man streckenweise vergebens und auch nach mehrmaligem Durchhören findet man hie und da wieder was Neues. „Es zeichnet uns aus, dass wir zwei Songschreiber haben, die schon lange Musik zusammen machen. Ungefähr seit es so cool war zu Limp Bizkit in der Dorfdisco mit dem Kopf mitzunicken. Da entwickelt man mit der Zeit ähnliche musikalische Denkmuster. Es kommt selten vor, dass wir uns gegenseitig mit einem Akkordwechsel überraschen können, das wertet den ganzen Prozess innerhalb der Band  auf und lässt das Ganze ziemlich spannend bleiben.

 

The Liberation Service - Calamity Physics (Part I & II)


Von Oberwart raus in die Welt!

Spannend ist auch der Umstand, dass die Band in Oberwart gegründet wurde und inzwischen in Graz und Wien beheimatet ist. Von dort aus ist man schon in ziemlich vielen Europäischen Ländern musikalisch präsent gewesen. „Wir können schwer in Worte fassen, was das für ein Geschenk für uns ist. Wenn ich an all die Herzlichkeit unserer Freunde von Athen bis Zagreb denke, wenn wir uns bestimmte Abende vor Augen führen, dann lehrt uns das Demut. Seltsamerweise fallen in Gesprächen oft Fragen nach dem Erfolg solcher Touren und gemeint ist immer der finanzielle. Als Persönlichkeiten sind wir mit jeder Tour gewachsen, das ist Erfolg in seiner nachhaltigen Form.“ Aber neben all den Erlebnissen und Erfahrungen, die man während der letzten Jahre gemacht hat, ändert sich auch viel im eigenen Leben, was sich, wie schon angesprochen, auch auf die Persönlichkeit auswirkt. Bernd wartet mit einer lustigen Anekdote zum besseren Verständnis diesbezüglich auf. „Ich hatte ziemlich lang einen VOX Valetronix Verstärker. Dieses furchtbare Teil musste ich am Ende seiner Rampenlichtzeit auf die Bühne treten, weil es sonst keinen Ton rausgebracht hätte. Das Augenrollen bei jedem Ausfall während der Show sehe ich heute noch vor mir. Das würd ich mir heute nicht mehr antun. Seitdem ich auch mal von der Bühne gefallen bin, verlege ich sogar meine Kabel so, dass ich nicht drüber stolpere. Wir sind definitiv alle um einiges professioneller geworden und ich denke, wir haben auch gelernt auf andere Rücksicht zu nehmen. Wir sind viel angenehmer geworden als früher."

Das Interview biegt in die Zielgerade, bleibt noch die Frage im Raum stehen: Was steht 2015 noch an? „Ein paar kleine Konzerte kommen noch in diesem Jahr, ein Highlight wird sicher der Support-Slot von Such Gold und Munice Girls in Berlin im Dezember. Im Jahr 2016 wird man sicher auch wieder einiges von uns hören! Wir planen gerade!


Somit wären die letzten Worte?

Leute, hört’s bitte auf die Kronen Zeitung zu lesen!

Gütl Chris

THE LIBERATION SERVICE


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