Interviews

Headerbild

SOFA SURFERS - Mut zum Charakter


Seit 1995 sind sie schon fixer Bestandteil der Österreichischen Kulturlandschaft und selbst Leuten ein Begriff, die nicht die Musik der SOFA SURFERS kennen. Diese zu erklären ist fast unmöglich, da  das Quartett offen für alles ist, nur nicht für die Enge von Schubladen. Nach der Fertigstellung des Soundtracks zur neuen Wolf Haas Verfilmung „Das Ewige Leben“ und in mitten der Vorbereitungen zum nächsten Album, hat sich einer der Bandköpfe, Markus Kienzl, Zeit genommen, um uns etwas über das Schaffen der SOFA SURFERS, typisch österreichischen Wesenszügen und andere interessante Thematiken zu erzählen.

 
Nach unserem  letzten Album „Superluminal“ haben wir uns alle eine Zeitlang wieder mit unseren eigenen Projekten beschäftigt, aber auch zusammen Workshops geleitet. Den Großteil vom letzten Halbjahr 2014 haben aber definitiv die Arbeiten für den Soundtrack zur neuen Wolf Haas- Verfilmung „Das Ewige Leben“ in Anspruch genommen. Da ist schon mal der gesamte Herbst / Winter dafür draufgegangen, sodass auch alle zufrieden sind, wie z.B. Regisseur Wolfgang Murnberger.“ eröffnet Markus das Interview und erzählt weiter über die Arbeiten am Soundtrack. „Es hat auch vor allem Zeit eingenommen, die richtige Stimmung zu finden und das zu vereinen, was sich wir, der Produzent und letztendlich auch der Regisseur vorstellen. Was gar nicht so einfach ist, wenn du mehrere gleichberechtigte Entscheidungsträger zufrieden stellen musst.“  Bereits bei den letzten drei Wolf Haas-Verfilmungen haben sich die SOFA SURFERS verantwortlich für die Filmmusik gezeigt und so war es kaum verwunderlich, dass man auch bei Verfilmung Nr. Vier wieder die musikalischen Fäden in der Hand hatte. In der neuen Verfilmung wird der Hauptdarsteller Brenner, gespielt von Josef Hader, mit seiner Jugend in den 70er Jahren konfrontiert, welche auch in einigen Rückblenden im Film vorkommen. Hier lag für Markus und seinen Bandkollegen die Herausforderung. „Natürlich mussten wir hier eine musikalische Anlehnung zur damaligen Zeit schaffen, während das Ganze auf der anderen Seite wieder moderner bzw. stimmungsabhängig klingen sollte.  Es hat zwei Ansagen gegeben: zum einen sollte es etwas in die Richtung Tom Waits gehen und zum anderen sollte es so klingen, wie wir sonst arbeiten. Natürlich sollte der Soundcharakter der vorigen drei Filme erhalten bleiben, nicht dass am Ende was komplett anderes rauskommt. (lacht). Die Schwierigkeit lag dieses Mal daran, dass der Film schnitttechnisch schon so gut wie fertig war und man war somit etwas angebunden und konnte im musikalischen Sinne nicht tun und lassen, wie man gerne hätte.“ schließt Markus die Erklärung zur Arbeit hinter dem Film. 

 

DAS EWIGE LEBEN - Trailer Österreich


Alles, nur nicht kategorisierbar


Seit der Gründung der Band im Jahre 1995 hat man zusammen mit dem neuen Album und den anderen drei Soundtracks bereits an die zehn Alben in die Plattenläden Österreichs stellen können. Den Sound der Band zu definieren fällt schwer, was auf der anderen Seite auch die Spannung ausmacht, die in jedem Album der SOFA SURFERS steckt. Man bekommt das, was man erwartet, allerdings wird man auch mit Neuerungen konfrontiert. Etwas, das man seit je her fokussiert und als wichtiges Element der Formation sieht. „Wenn ich jemandem den Sound erklären müsste, bin ich genauso sprachlos wie die anderen wahrscheinlich (lacht). Im Prinzip kommen wir von der Elektronik, selbst wenn viel Handgemachtes dabei ist. Wir waren davor aber auch eine Band, daher fließen beide Elemente in unsere Musik zusammen. Es basiert aber alles im Grunde genommen immer noch auf Dub, auch wenn dieser schon fast verschwunden ist, im hörbaren Sinne, aus unserer Musik. Wir haben für uns selbst beschlossen, dass wir uns immer weiter entwickeln und uns was trauen wollen.“ erklärt Markus, der auch zum atmosphärischen Part im Sound der SOFA SURFERS eine interessante Sicht der Dinge hat. „Es war uns immer wichtig, egal ob im elektronischen oder im klassischen Bandsinne, dass wir immer einen eigenen Charakter in unsere Musik einbringen. Das funktioniert bei der gespielten Charakteristik sogar leichter als bei der elektronischen, weil du hier schnell in ein Klischee landest. Da uns das sehr wichtig ist, verwenden wir meist für uns ziemlich typische Sounds, die bei den Liedern hinten herumkratzen und kaum hörbar sind. Ich glaube, das schafft eben diese Atmosphäre, die einen reinkippen lassen kann und das erzeugt auch dieses Gefühl, das man schwer beschreiben kann.

 
Ein großer Einfluss für die SOFA SURFERS war die aufstrebende Elektronische Musikszene Mitte der 90er Jahre, die auch Größen wie Massive Attack hervorbrachte. Aber auch die Rockmusik der damaligen Zeit markierte einen groben Eckpfeiler in der Entwicklung der Band. „Was für uns damals ziemlich neu und auch spannend war, ist die Musikrichtung Drum & Bass, die sich damals entwickelte. Wir selbst haben nie straighten Drum & Bass produziert, es war halt einfach diese Zeit, wo relativ viel passiert ist, gerade in der elektronischen Szene.“  Einen Grund für das Wachstum der Musik sieht Markus in der technischen Komponente dieser Musikrichtung. „Damals konnte man sich schlicht und ergreifend das Equipment für Aufnahmen nicht leisten, das wurde dann Mitte der 90er erschwinglich und eröffnete so vielen Musikern neue Möglichkeiten und  schlussendlich war es soweit, dass man auch im Wohnzimmer musikalisch zu basteln beginnen konnte.“  Die jüngste Entwicklung sieht mein Gesprächspartner allerdings mit gemischten Gefühlen. „Das Aufnehmen geht  natürlich einfach und es kommt viel Gutes, aber leider genau so viel Schrott dabei raus. Es ist natürlich viel geholfen, wenn viele gute Projekte entstehen. Ich denke, das ganze selektiert sich auf Zeit von selbst.

 

SOFA SURFERS - SUPERLUMINAL


Revival die Zweite

Gerade im Elektronischen Sektor hat Österreich mit Acts wie Camo & Krooked starke Vertreter im großen Musikzirkus. Auch eine Entwicklung, der Markus was abgewinnen kann. „Im Wesentlichen ist das Grundprinzip ja gleich geblieben.  Mich freut es sehr, dass sich alle Richtungen so rausentwickelt haben. Wir haben als Band allerdings schon festgestellt, dass sich viele Dinge schon wiederholen mit anderen Sounds und Aufmachung. Die 80er Jahre kennen wir ja auch schon (lacht). Wir erleben quasi das erste Mal ein Revival von etwas, was wir schon selbst erleben durften und jetzt auf einmal cool wird. Das Feeling bleibt meist gleich oder wird dadurch sogar besser.“ Eine Entwicklung, die man getrost auch auf den Rocksektor überlegen kann. „Selbst hier hat es diese ganzen Entwicklungen schon mal gegeben in anderer Form, heißt allerdings auch nicht, dass es schlechter ist. Aber so richtig was ganz Neues ist mir noch nicht untergekommen, wobei viele Formationen unterwegs sind, die mir persönlich gut gefallen.“ Nach diesem kleinen Rundflug durch die Sichtweise von Markus auf die Electronic wie Rockmusik-Szene, kommen wir wieder zu seiner Band SOFA SURFERS zurück. Nachdem die Arbeiten am Soundtrack abgeschlossen waren, hat man genug Motivation und vor allem Zeit gefunden, damit zu beginnen ein neues Album zu schreiben. Markus dazu. „Wir sind gerade bei den ersten Nummern und die erste Single wäre sogar schon fertig, die wollen wir im Frühjahr noch rausbringen. Musikalisch wird es wieder sehr elektronisch und vor allem schnell werden, möglicherweise sogar tanzbar (lacht). Ich kann aber noch nicht zu viel sagen, aber in die Richtung wird das ganze womöglich gehen. Spätestens im Herbst wollen wir das neue Album veröffentlichen.


Typisch Ö
sterreichisch


Nach dieser kleinen Vorschau auf das künftige Schaffen der Band erzählt Markus noch etwas von seiner Sicht der Österreichischen Musikszene. “Jeder arbeitet ganz gern für sich alleine und ist nicht oft an Zusammenarbeit interessiert, das ist halt leider ein ganz kleines bisschen typisch Österreich. Einige handeln sehr eigenbrötlerisch und neidisch, anstatt dass sie sich für einen freuen, der wieder etwas schafft. Aber das gilt nicht für die Masse, das muss auch gesagt sein!“ und erklärt weiter. „Es ist auch nicht gerade einfach als Österreichischer Künstler voranzukommen. Was auch daran liegt, dass wir ein kleines Land sind und alles ziemlich schnell abgedeckt ist. Man muss sich kennen, ist es das Gegenteil hat man Pech gehabt, damit man medial etwas in Erscheinung treten kann. Das ist auch sehr Österreichisch. Möglicherweise geht da über das World Wide Web inzwischen schon mehr, das kann ich allerdings schwer einschätzen.“ Die SOFA SURFERS selbst hatten zum Karrierestart das Glück, zur richtigen Zeit zu starten. „Medien wie FM4 haben uns damals sehr stark unterstützt und wir haben sehr viel davon profitieren können. Der Radiosender war aber sicher die größte Plattform in Österreich für Musik, die wir machen, davor hat es ja keine Alternativen gegeben. Bis auf die Music Box auf Ö3, eine Spezialsendung mit zwei Stunden am Wochenende. Die haben Indie-Sachen und Co gespielt, das war‘s dann aber auch schon wieder. Du darfst auch nicht vergessen, dass es noch ein Monopol gegeben hat von ORF, somit keine freien Radios und dergleichen“ bringt es Markus auf den Punkt.


Das Interview biegt in die Zielgerade und da bleibt noch die Frage stehen, was man rückschauend über das eigene Werk mit den SOFA SURFERS denkt. „Wir sind immer noch daran interessiert etwas zu bringen. Uns macht es nach wie vor Freude miteinander Musik zu machen. Wir machen weiter, weil es uns wichtig ist und weil wir noch nicht alles gesagt haben. Eines kannst du dir sicher sein: solange wir noch zurückblicken und sagen, das geht noch besser, so lange werden wir  noch weitermachen.


Christoph Gütl


SOFA SURFERS FB PAGE
 

SOFA SURFERS HOMEPAGE

Trip Hop | Chris Gütl | Electro | |

Zurück

Aktuelle Themen