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SAUZIPF ROCKS FESTIVAL - Selbstgemachte Qualität


Am kommenden Wochenende geht die 15. Ausgabe des Sauzipf Rocks Festivals im beschaulichen Döbriach am Millstättersee über die Bühne. Bands wie COLOUR HAZE, THE EXPLOITED, PRIMORDIAL, BLACK TUSK oder OUR SURVIVAL EPENDS ON US, um nur einige Namen zu nennen, werden wieder für ein legendäres Festival in Kärnten sorgen. Grund genug für uns um bei Vereinsobmann Heiner anzuklopfen und so manche interessante Fakten über das Festival zu erfahren.


Zu Beginn stellt sich die Frage ob man überhaupt damit gerechnet hat, das dass Festival über 15 Jahre besteht. „Beim ersten Sauzipf waren wir zwischen 18 und 21 Jahr alt und dachten nicht weiter als drei Tage, geschweige denn 15 Jahre. Aber nach jedem Sauzipf wollten wir einfach unbedingt wieder eines machen. Die Idee selbst ist aus der Situation entstanden, dass es in Kärnten damals - wie übrigens heute noch immer - so gut wie nichts für Jugendliche (die nicht in Trachtengruppen oder christlichen Vereinen waren) zu bieten hatte. Es gab kein Konzerte und wir wollten Musik live erleben!“ startet Heiner das Interview.
Musikalische Eintönigkeit oder Schubladendenken wird man am Sauzipf Festival nicht finden. Jahr für Jahr bietet das Sauzipf den unterschiedlichsten Musikrichtungen einen Plattform in Kärnten. Interessant zu erfahren, wie man es Jahr für Jahr schafft, das Line-Up so abwechslungsreich wie möglich zu halten.„Wir haben ein Bandkomitee mit Leuten, die einen teilweise sehr unterschiedlichen Musikgeschmack haben, so kommt auch diese Durchmischung zustande. Uns ist wichtig, dass wir einerseits die Ansprüche der Bands erfüllen können - vom Soundequipment bis über das Catering und dass andererseits die Band nicht arrogant oder mit Starallüren rüberkommt. Da wir alle gratis arbeiten, müssen wir uns auch keine Überheblichkeiten gefallen lassen. Wir schauen natürlich, dass wir auch Bands mit Headlinercharakter haben und ein paar jüngere Bands dabei haben, denen wir eine Bühne bieten können. Dazwischen sollen viel unbekannte Bands einen Platz finden mit denen wir unser Publikum überraschen wollen. Uns ist auch wichtig, dass Frauen bei uns auf die Bühne kommen, mehr weibliche Vorbilder können der Musikszene und der Musik selbst nur Gewinn bringen.“ 

 

Sauzipf Rocks 2013

Filmed by FilmUnlimited_Wien= FilmUnlimited_Wien

 

Kommt zum Sauzipf! 

Und wie würde man dann das Festival jemandem beschreiben, der noch nie vor Ort war? Heiner darüber. „Ich denke, das, was unsere Besucher*innen immer wieder sagen bringt das ganze gut auf den Punkt: Ein kleines, aber liebevoll gemachtes Festival, die Atmosphäre zwischen den Bergen und Feldern ist einzigartig. Als Besucher*in hat man nicht das Gefühl, finanziell gemolken zu werden, sondern durch die günstigen Eintritts- und Getränkepreise merkt man, dass das Festival von Musikfreaks für Musikfreaks gemacht wird. Und zu guter Letzt: Wegen der breiten Mischung ist für die meisten Rock-, Metal- oder Punkfans was dabei.“ Der Österreichische Veranstaltungskalender wird Jahr für Jahr immer dichter und es wird immer mehr zu einer Herausforderung ein Festival auf die Beine zu stellen, das genügend Besucher anlockt. Diese Problematik kümmert die große Familie hinter dem Sauzipf relativ wenig wie es scheint.
Es sind viele größere und / oder kommerzielle Festivals dazugekommen, während es nur wenige kleine unkommerzielle Festivals gibt, die sich länger gehalten hätten. Da wir sowieso weder Bands noch Publikum wollen, die auf Mainstream-Musik abfahren, haben wir damit aber auch nicht so ein großes Problem. Wir versuchen die Situation eher noch für uns auszunutzen und schauen ob bei anderen Festivals in zeitlicher Nähe für das Sauzipf passende Bands dabei sind und diese dann auch kostengünstig zu uns zu bringen.“ Doch einer der wichtigsten Punkte für das Festival ist das Stammpublikum. „Das ist ein wichtiger Faktor durch den wir, egal welcher Fauxpas bei der Bandauswahl uns mal passiert, eine gewisse finanzielle und stimmungsmäßige Absicherung haben.

 

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Die andere Seite der Medaille 


In der schon seit Jahren laufenden Diskussion über die Österreichische Musikszene kommen öfters Musiker als Veranstalter zu Wort. Viele Bands „jammern“ gerne darüber, dass alle Booker, Veranstalter und Labels quasi Ausgeburten der Hölle sind und es sowieso keine Auftrittsmöglichkeiten in Österreich gibt. Dass in der Alpenrepublik das „Sudern“ zu unserer Mentalität gehört wie das Verneinen des selbigen ist kein großes Geheimnis. Stellt sich nur die Frage ob es gerechtfertigt ist oder nicht? Heiner erklärt uns seine Sicht zu diesem Thema.
Das ist eine gute Frage, die ziemlich schwierig zu beantworten ist, aber ich möchte es versuchen. Erstens möchte ich bemerken, dass wir selbst schon in Beschuldigungen von Seiten diverser Bands kamen, weil wir ihnen keine Auftrittsmöglichkeit gegeben haben. Wenn wir aber erklären, dass wir über unsere Booking-Adresse pro Jahr weit mehr als 1000 Anfragen bekommen, aber nur 16 Bands unterbringen können, gibt es schnell Einsicht für unsere Situation. Gegenseitige Schuldzuweisungen bringen so oder so nichts, ich würde die Schuld eher beim Staat und bei den Ländern suchen, die einerseits fast keine Förderung für Bands, z.B. durch gratis Proberäume bieten, andererseits aber auch kleinen Veranstalter*innen finanziell nicht unter die Arme greifen, sondern eher noch bürokratische Stolpersteine in den Weg legen. Und dann wundern die sich, dass die jungen Leute vom Land abhauen, weil es nichts gibt außer Tourismus und Jodelvereine“.

Und auch zu den „Jammer“-Bands hat er noch ein paar Worte über. „Es gibt an dieser Front dann natürlich noch Bands, die gerne die nächsten Metallica wären, wenn man sich also auf die Pfade von Kommerz und Mainstream begibt und dann versucht, bei Booker*innen, Veranstalter*innen und Labels unterzukommen, wo das Geld mehr zählt als alles andere, braucht man sich nicht wundern wenn diese „böse“ sind. In Österreich gibt es nun mal nur eine Hand voll (wenn überhaupt) Rockbands, die von der Musik leben können, gleichzeitig gibt es einige Veranstalter*innen, die vor allem auf Gewinn aus sind. Bands, die glauben, dass sie durch möglichst viele Auftritte berühmt werden und dann von der Musik leben können, werden leider wirklich oft von solchen Veranstalter’innen ausgenutzt.“ worauf uns Heiner gleich ein Beispiel liefert. „Bandbattles, bei denen die Band oft noch eine Antrittsgebühr zahlen muss, um sich dann mit anderen Bands zu streiten wer „besser“ ist - beziehungsweise wer mehr zahlende Fans mitgebracht hat - was ist das bitte für ein Schwachsinn!? Und trotzdem gibt es genug Leute, die bei sowas mitmachen und glauben, so zu Erfolg zu kommen.

Eine klare Sicht der Dinge seinerseits, die uns Heiner präsentiert. Doch bei aller Kritik hat er auch konstruktive Vorschläge zu bieten. „Ich kann nur unseren Weg weiterempfehlen, mit dem wir gut gefahren sind und der ist eben selber etwas auf die Beine zu stellen. Innerhalb der Sauzipf-Crew waren / sind wir 4 Bands; eine der Gründe, Sauzpif zu machen war anfänglich der, selbst auftreten zu können. Wenn man sowas nicht zu groß ansetzt und die Leute am Festival für die Musik und nicht fürs Geld arbeiten, geht das. Wenn von den 1000 Bands die bei uns anfragen jede 10. selber ein Konzert veranstalten würde, hätten theoretisch alle Bands Auftrittsmöglichkeiten und das Leben am Land wäre kulturell auch nicht mehr so trist!

Somit schließen wir an dieser Stelle das Interview und wünschen dem Team viel Glück bei der heurigen Ausgabe. Somit wären die letzten Worte?


Tod dem Kapitalismus! Hoch die internationale Solidarität! Rock on!
Danke!

SAUZIPFS ROCKS FESTIVAL = vom 7. bis 8. August 2015 in Döbriach am Millstättersee!

 

Gütl Chris 

Sauzipf Rocks Festival FB

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