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REVEREND BACKFLASH - DIY aus Transdanubien!

 

Als ich mich mitten im ersten Bezirk einfinde um ein Interview mit REVEREND BACKFLASH zu führen, stellte ich etwas verblüfft fest an welchen Ecken und, in dem falle, Zentren Wiens überall Proberäume zu finden sind. Zwei Kellerstockwerke tiefer finde ich mich im kleinen, aber feinen Proberaum der seit 2003 existierenden Wiener Band ein.

 

Zu Beginn des Interviews wird zu allererst, wie sollte es anders sein, die Bandgeschichte im Zeitraffer präsentiert. „Ich und Gitarrist Stevo machen die Band jetzt schon seit 2003 und wir selbst kommen beide aus dem Norden von Wien, genannt Transdanubien. Das muss man extra betonen, weil wir gerne aufs Korn genommen werden von Leuten aus Wien, die nicht von dort kommen.“ gibt Sänger und Gitarrist Jack Nasty zu Protokoll und erklärt im selben Atemzug die Gründung der Band, die ausnahmsweise  nichts mit irgendwelchen Trinkgelagen zur Gründung zu tun hat, wie es meist bei anderen Rock´n Roll Bands vorgekommen ist. „Wir haben dieselbe Musik gehört und zu diesem Zeitpunkt ist wenig in Sachen Rock´n Roll in Österreich passiert für uns, da wir auch an die 15 bis 16 Jahre waren damals und das Meiste was cool war, einfach nicht durften.

 

Immer wieder Schweden

 

Gitarrist Stevo ergänzt: „Wir waren zusammen auf Urlaub in Schweden unterwegs und dort haben wir gemeinsam Mukke gehört. Damals war ich noch kein fixer Bestandteil der Band und die Jungs waren noch zu dritt unterwegs. Darauf bin ich dann zugestoßen und die Geschichte hat ihren Lauf genommen." Nach den ersten Konzerten und einigen Jahren im Proberaum entstanden auch die ersten Tonträger der Band, die allerdings aufgrund der fehlenden Vertriebsmöglichkeiten nicht veröffentlicht wurden.  Es dauerte schlussendlich bis 2010 ehe Album Nr. 1 "Who´s The Man" das Licht der Plattenläden erblickte. So richtig zufrieden war man erst allerdings 2013 mit Album Nr. 2 mit dem Titel „Every Night“ wie mir die Band erzählt. Trotz allem drängt sich die Frage auf, warum so viel Zeit vergangen ist zwischen Bandgründung und erster richtiger Platte. Sänger Jack dazu: „Anfangs hast du eine Band, damit du eine Band hast. Ich muss ehrlich gestehen, wir haben dann auch mal darauf gewartet, dass was passiert, ehe wir festgestellt haben, dass man die Dinge selbst in die Hand nehmen muss. Die ganze Band ist DIY von vorne bis hinten. Wofür wir dankbar sind, sind all die Leute, die uns immer wieder auf unterschiedlichste Weise überall wo es geht helfen. Trotz allem muss man sich selbst quasi in den Allerwertesten treten, damit was passiert, das macht keiner für uns.“ 

 

Reverend Backflash - You (Official)

 

Eine frische, neue, Mischung!

Nach dem kurzen Ausflug in die Bandgeschichte von REVEREND BACKFLASH ist es nicht so uninteressant zu erfahren, warum man sich ausgerechnet für die Musikrichtung Rock´n Roll entscheidet bei der Vielzahl an Möglichkeiten da draußen. Gitarrist Stevo: „Es gab immer schon eine große Welle an Rock´n Roll Bands aus Skandinavien, gerade in den 90zigern und das hat uns ziemlich gepackt, eine frische neue Mischung einfach! Das war sicherlich einer der Hauptgründe für die Wahl.“ Gitarrist Jack fügt noch an: „Außerdem die Attitüde die dahintersteckt, die Grundaussage von Rock´n Roll, dass man das nimmt, was man hat und das Beste daraus macht anstatt zu jammern, dass es z.B. keine Szene gibt. Dann macht man halt selbst eine!“  Eine Meinung, die auch Bassist Pretty Boy Luke teilt, der seit knapp 1 ½ Jahren Teil der Bandgeschichte ist. „Ich war mit 15 / 16 Jahren schon ein großer Fan von REVEREND BACKFLASH, wo ich sie das erste Mal noch mit dem ersten Bassisten sah. Damals hab ich mir allerdings nicht träumen lassen, dass ich mal Teil der Band werde. Ich war dann selbst in einer Band aktiv, mit der wir mehrere Male REVEREND BACKFLASH supportet haben.“ Doch es kam wie es kommen musste und Stevo fragte Luke, ob er nicht in seine WG mit einziehen möchte. Der Grundstein für die spätere Karriere bei der Band. „Anfangs habe ich noch geglaubt, ich bin für einen Gig ersatzmäßig an Board, aber im Endeffekt hatten die Jungs davor schon geplant, dass ich fix einsteige!“ interessant auch was der Basser über die Wichtigkeit seines Instruments für die Band denkt. „Ich sehe mich grundsätzlich als Rhythmiker und eher so als einfacher Arbeiter. Für mich gibt es zwei Arten von Bassisten: jene, die vorher Schlagzeug gespielt haben und jene, die vorher Keyboard gespielt haben. Ich war davor zehn Jahre Schlagzeuger und habe dadurch mit Harmonielehre nicht so viel am Hut. Ich schaue, dass ich das Schlagzeug richtig gut unterstütze mit meinem Spiel. Es muss einfach der Druck und der Drive hinter der Musik da sein!“ 


Quer durch Österreich

Beim Stichwort Druck kommt einem bei Rock´n roll sofort auch das Schlagzeug in den Sinn. Ohne einen schnellen, festen Sound hilft das schönste groovigste Gitarrenspiel nicht. Gut für REVEREND BACKFLASH, dass sie mit Drummer Mr. Candee Beat den richtigen Mann gefunden haben, nachdem Tommy Thunder die Band drei Wochen zuvor verlassen hatte. Den Meisten dürfte der sympathische Kärntner noch von The Incredible Staggers ein Begriff sein. Nach fast zwei Jahrzehnten im sonnigsten Teil Österreichs und knapp zehn Jahren in Graz verschlug es den begnadeten Drummer nach Wien aufgrund einer sich anbietenden Möglichkeit und der Tatsache, dass seine alte Band die Staggers zwischen Wien und Graz existierte. „Nachdem die Staggers aufgehört haben 2011 live zu spielen, habe ich mich auf meine anderen Projekte konzentriert, wie etwa meine Band Judo Push. In der Zeit habe ich aber auch viel bei anderen Bands am Schlagzeug ausgeholfen.“ erklärt Mr. Candee Beat und gibt die Geschichte zum Einstieg bei REVEREND BACKFLASH zum Besten, die im wahrsten Sinne des Wortes sitzt. „Ich kenn die Band schon länger und hab sie schon des Öfteren getroffen. Tatsächlich das erste Mal habe ich die Band live gesehen letztes Jahr in Klagenfurt, im Parkhaus. Ich bin in meiner Freizeit Eishockeyspieler und war zu der Zeit gerade in meiner Heimat bei Spezialisten wegen meines verletzten Knies. Da ich nicht wirklich gehen konnte, habe ich mir das Konzert sitzend auf einem Sofa vor dem Bassisten angesehen.“ worauf Gitarrist Steve einwirft. „Damals hab ich mir gedacht, wer sitzt da?! Das ist voll assimäßig!“ und Sänger Jack bringt es auf den Punkt. „Ich war am Anfang dagegen, dass er einsteigt aufgrund der Aktion. Aber wir konnten uns aussprechen diesbezüglich! (alle lachen).“ Einige Zeit Später hat man sich zu Silvester wieder getroffen und nach einigen Drinks war klar, dass Mr. Candee Beat Teil von REVEREND BACKFLASH wird. 

 

Reverend Backflash - Can't Shake The Feeling (Official)


Kleine Szene, feine Szene


Im Verlauf des gemütlichen Proberaum-Talks kommt man auch auf die Österreichische Musiklandschaft zu sprechen, in der es nicht gerade einfach ist, als Band vorwärts zu kommen, wenn man keine guten Connections hat zu Beginn. „Das Schöne an Wien und der Szene ist z.B., dass Jeder Jeden kennt und man sich hier sehr viel hilft.“ beginnt Sänger Jack mit seiner Ausführung und weiter. „Das Wichtigste ist, dass man nicht aufhört, denn wenn man dahinter ist, wird es auch besser!“ und Drummer Mr. Candee Beat fügt hinzu. „Man hinterlässt ja etwas, woran man glaubt und das macht es aus, wenn es für einen selbst richtig ist  - daraus kann schon was werden.“ worauf Gitarrist Stevo meint. „Es ist wie bei uns, anfangs war keine Szene, dann machst du dir eine Szene. Und wir haben auch schon mehr erreicht als wir uns vorgestellt haben, wenn ich an die ersten Auslandsanfragen denke nach Veröffentlichung der ersten Platte. In Österreich wird gerne gejammert und das haben wir einfach überhört und haben uns einfach selbst dahintergehängt, Konzert veranstaltet, selbst gespielt und das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt!“ Wie schon davor festgestellt, kommt es auch hier sehr viel auf Eigeninitiative an und das man zusammenhält, was in Österreich durchaus passiert und passieren kann. „Es ist einfach wichtig, dass eine Infrastruktur für Bands gegeben ist. Ob das jetzt eine Szene ist, regelmäßige Konzerte, großartige Clubs oder andere Bands, bei denen du dich anhängen kannst. All das waren Dinge, von denen zum Beispiel die Staggers sehr profitierten. Allein schon wegen dem Netzwerk! Und das hilft allen Bands.“ bringt es Mr. Candee Beat noch auf den Punkt. „Man muss seine Erfahrungen teilen als Musiker, Tatsache! Uns ist zu Beginn auch geholfen worden von älteren Bands und wir machen das jetzt bei den zungen Partien! Kohle gibt es ganz wenig, Zeit dafür ganz viel, da macht es schon Sinn anderen zu helfen, es kommt ja alles zurück im Leben.“ erklärt Sänger Jack zum Abschluss des Themas. 

 

Das Interview biegt in die Zielgerade, da bleibt noch die Frage im Raum stehen, was 2015 noch im Hause REVEREND BACKFLASH passiert. „Wir werden jetzt im Frühjahr mal mit den Aufnahmen für eine neue EP beginnen, wir haben einen Haufen neue Songs fertig, davon wollen wir ein paar aufnehmen und als 7-inch Vinyl veröffentlichen. Dann geht‘s dann wieder auf Tournee, mal schauen was passiert!“ ergänzt Sänger Jack.

 

Und die letzten berühmten Worte wären?

 
Unsere beste Promo sind unsere Liveshows - deswegen uns unbedingt Live anschauen, macht euch ein Bild. Danke für das Interview!"

 

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