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OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Zwischen den Welten....

 

 Am Rande der Benefizveranstaltung Metal For Jakob 2 unterhielt ich mich mit Gitarrist Mucho und Sänger Thom der Salzburger Band OUR SURVIVAL DEPENDS ON US, die im Jahre 2015 ihr neues Album in die Plattenläden dieser Welt stellen werden. 

Es dauerte nicht weniger als fünf Jahre vom letzten Werk bis zum kommenden. Interessant, was in der Zwischenzeit passierte. 

 

Ihr könnt euch auf ein Jahrhundertwerk freuen, mein Guter!eröffnet Mucho gut gelaunt und augenzwinkernd das Interview. Es wird revolutionär werden. Gedanken und Emotionen, die seit den letzten 35 bis 40 Jahren Musikgeschichte grassieren, werden aufgegriffen und auf einen neuen Status Q gebracht mit diesem Werk.Das ist eine starke Ansage zu Beginn des Interviews. Doch die Beiden sprechen mit voller Überzeugung über das Werk, das den Titel Scouts On The Borderline Between The Physical And Spiritual Worldtragen wird und sich auf die Pfade begibt wie sie in den 60er Jahren von Psychedelic Bands beschritten wurden. Du wirst Sachen hören von Bands die du gerne hörst und du wirst es noch nie in so einem emotionalen Soundgewand gehört haben. Wir haben uns selbst zu einem Punkt hinentwickelt, der uns beginnt zu berühren mit diesem Album. Es ist für uns genauso was Neues wie für die Hörer- und innen unserer Musik. Das ist eine sehr inspirierende Phase momentan!bringt es Mucho auf den Punkt. 

 

Auf alten Pfaden

 

Wer OUR SURVIVAL DEPENDS ON US kennt, weiß dass das Quartett nie ein Freund von Eintönigkeit war. Alle bisherigen Alben, zwei an der Zahl, klangen anders und verfolgten doch einen roten Faden. Doch selbst mit diesem berühmten Faden wird bei dem neuen Album komplett gebrochen. Wir haben uns fünf Jahre Zeit gelassen für dieses Werk.führt Thom aus und weiter Es waren durchaus Phasen dabei, wo wir nicht wussten in welche Richtung sich der Silberling entwickeln wird. Am Ende des Tages haben wir alle Grenzen niedergerissen, die wir uns selbst als Musiker stilistisch oder im Kopf aufgebaut haben und haben gesagt, wir machen einfach das, was dabei auch immer rauskommen mag. Das Interessante ist, wir produzieren das Album jetzt schon seit mehreren Monaten in mehreren Studios. Die Hauptrecording-Sessions fanden auf der Neudegg Alm statt (wo auch die berühmten Sommersonnwend Festivals stattfinden).Selbst das war eine Neuerung für die Band, wie Thom weitererzählt. Wir haben uns entschlossen, diesen Ort zu nutzen wo wir total verwurzelt und vererdet sind und haben uns neun Tage Zeit genommen, das Album aufzunehmen. Wir haben uns von der Außenwelt abgeschottet, damit wir rein unter uns sein können und haben uns nur mit diesem Recording-Prozess beschäftigt. Es sind dabei Dinge passiert, die wir selbst nicht für möglich gehalten hätten!

 

Musikalische Selbstfindung

 

Dabei ist so etwas immer mit einer Art Risiko verbunden. Man kann als Musiker natürlich alles im Voraus planen und fix & fertig in das Studio marschieren - das war es dann auch schon. Man kann allerdings auch die andere Richtung beschreiten und die Dinge einfach geschehen lassen. Für letzteres haben sich OSDOU entschieden. Es ist uns nicht in erster Linie um das Recorden gegangen, eher um die Herangehensweise und wie wir das alles aufnehmen, um den Mind dahinter. Im Endeffekt herrscht bei uns ein übergeordnetes Feeling, das uns alle, die wir einzelne Individuen sind, auf einen Nenner zusammenbringt! Und genau das passiert auf dieser Alm durch die ganze Naturkomponente und die Kräfte die dort vorherrschenerklärt mir Mucho. Das klingt zwar ziemlich hippiemäßig, ist es aber nicht, es ist ein anderer Zugang!fügt Thom sogleich an und führt weiter aus. Wenn du dich auf das Ganze einlässt, dann muss es natürlich, wie in unserem Falle, nicht immer eine Almhütte sein. Jeder Künstler wird hier sein eigenes kleines Reich dafür haben.worauf Mucho ergänzt. Uns geht es hier um das Geraderichten unserer verschiedenen Attitudes und Emotions auf einen Punkt, wo wir wirklich gemeinsam kreativ sind und auch was erschaffen, was für uns einzeln alleine gar nicht möglich wäre.trotz diesem Spirit darf man die technischen Komponenten bei solch Prozessen nicht vergessen. OUR SURVIVAL DEPENDS ON US haben mit 24 Spuren das Album auf der Neudegg Alm aufgenommen. Das mag für Außenstehende nach viel klingen. Aber wenn man bedenkt, wie viele Spuren alleine für ein Schlagzeug draufgehen, ist es dann doch wieder relativ wenig. Trotz allem griff man auf drei Studios für weitere Aufnahmen zurück, wo die Gegebenheiten stimmten. 

 

Thom dazu. Interessanterweise haben wir selbst alle Spuren miteinanderverbunden noch nie gehört, das wird für uns selbst auch eine ziemlich große Überraschung werden beim Mastern. Die Files gingen über die ganze Welt und werden im Studio von Victor (Gitarrist von TRYPTIKON) in Landshut kompensiert und dann werden wir hören was wir da fabriziert haben.Eine ziemlich interessante Herangehensweise wenn man weiß, dass alle vier Mitglieder von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US schon lange als Musiker tätig sind oder selbst in diesem Business als Techniker und Veranstalter arbeiten. Wer die Salzburger kennt, weiß, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Band handelt im Hinblick auf Musik und Texte. Für manche Zeitgenossen war diese Band sogar in schweren Zeiten ein Fels in der Brandung, ein Anker sozusagen. Bislang war es immer so, dass zu viert in einer Verbindung die Alben entstanden sind. Doch auch hier ist man einen Schritt weitergegangen.

 

 

Einmal um die Welt.

 

Thom hierzu Dieses Mal sind Künstler aus aller Welt zu diesem Werk hinzugestoßen, die diesen Geist mit uns teilen und was einfließen haben lassen. Alleine durch die Konzerte auf der Neudegg Alm haben wir Menschen aus aller Welt kennengelernt, die mit uns zusammen diesen einen Geist geformt haben und somit eine Basis geschaffen haben!“ das gilt allerdings nicht nur für die musikalische Komponente der Band. Egal ob im fotografischen oder literarischen Bereich, es ist alles aus verschiedenen Ecken in dieses Album eingeflossen. Wir sind eine Band an sich aber wir sind genauso auch eine Kreativitätsschmiede“ ergänzt Mucho und weiter wir sind eine Andockstelle für Literaten, Maler und für Fotografen wie dich. Wenn man es so betrachtet sind wir ein Transmitter, wir bieten eine Basis, einen Treffpunkt oder sagen wir einen Schmelztiegel für das alles, was wir uns erarbeiten können, alles andere passiert von selbst.“ 

 

Wenn man den Beiden so zuhört, obwohl man noch keinen Ton des neuen Albums gehört hat, muss es sich wirklich um ein großartiges Werk handeln, alleine hinsichtlich der Einflüsse. Doch hier muss die nächste Schwierigkeit liegen, wie kann man dann bitte das alles in einige wenige Nummern verpacken? Es ist auch das Einzige was traditionell ist, es sind wieder sechs Tracks geworden.“ erklärt Thom die Auswahl und fährt mit natürlichen Grenzen fort. Ein Album ist ein Album und das muss in 40 Minuten für uns abgehandelt sein, wir möchten die Platte auch auf Vinyl veröffentlichen. Es ist ja sogar gut, dass wir eine Selbstlimitierung haben in dieser Hinsicht. Du bist als Künstler gezwungen, die Essenz herauszukristallisieren die wirklich nur für das Album und nicht für einen selbst wichtig ist.

 

Weniger ist mehr

 

Anhand der Albumtitel der Band und deren fulminanter Länge kann man stets nur erahnen wie sehr sich das Quartett mit der Welt, seinen Geschehnissen und spirituellen Themen auseinandersetzt. Stellt sich nur die Frage, welche Literatur zu diesem Thema vorherrscht. Ältere? Neuere? Mucho hat für mich eine spannende Antwort zu diesem Thema. Es ist die Literatur, die uns seit 10.000 Jahren überleben lässt. Das, was die ersten Steinzeichnungen vor so langer Zeit waren, die uns gezeigt haben wie man überlebt, das ist die Art von Poesie und Literatur“ wie wir es jetzt machen. Es geht hier für uns immer wieder um eine wiedererkennbare Sprache des Fokussierens, Überlebens und der wahren Spiritualität. 

Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Es ist doch schön zu wissen, dass ein Bekannter der Band, der seinen Vater beim Sterben begleitete, nur durch einen unserer Songs so viel Kraft schöpfte, sodass er drei Wochen auf der Intensivstation die Hand seines sterbenden Vaters halten kann um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. 

Ich denke dann haben wir unsere Arbeit gut gemacht.

Hinterfragen ist gefragt

 

Thom fügt noch an. Wir sehen uns als Künstler verpflichtet als Späher zu agieren, auf dieser Grenze zwischen der spirituellen und körperlichen Welt. Das passiert musikalisch und auch inhaltlich. Wir möchten einfach Dinge aufzeigen, die auf dieser Welt passieren und die keiner mehr hinterfragt. All diese Regeln, die aufgestellt wurden und einfach so befolgt werden.

 

Eine interessante Sicht der Dinge, die einen selbst nachdenklich werden lässt. OSDOU plaudern gerne aus der Tasche wenn es um so etwas geht und es lässt nur erahnen, was neben der intensiven Musik in Gesprächen hinter geschlossenen Proberaumtüren passiert. Vier Individuen, die sich in einer Band zu einer Komponente zusammenschließen und Musik schreiben, die einen berührt und nachdenklich werden lässt. Zum Abschluss des Interviews  noch eine kleine Rückschau. Wir haben uns selbst ans Ruder genommen und geändert. Das, was vor einigen Jahren noch das Wichtigste war, ist heute nicht mehr relevant. Dinge, die früher nicht funktionierten, gehen jetzt tadellos von der Hand. Wir lernen in dieser Band immer mehr über uns selbst und das mit jedem Tag.“ beendet Mucho das Interview. 

 

Und die letzten Worte wären?

 

Keep the home fires burning!! Vergiss nicht: Es geht bei Tradition nicht um die Anbetung der Asche sondern um die Weitergabe des Feuers. Danke für deine gut recherchierten und immer wieder interessanten Interviews. 

 

Gütl Chris

 

OUR SURVIVAL DEPENDS ON US

OSDOU Live @ Neudegg Alm

 

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