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NAPALM RECORDS - Learning By Doing


Österreich ist nicht nur voll von großartigen Bands, nein, auch im Hintergrund gibt es genügend Beispiele die aufzeigen welch Namen wir uns am Internationalen Markt gemacht haben. Eines dieser besagten ist das renommierte Label NAPALM RECORDS mit Sitz in der Grünen Lunge Österreichs, der Steiermark. Ob VISTA CHINO, BRANT BJORK, MONSTER MAGNET oder auch Acts wie SATYRICON. Es gibt wenige Plattenfirmen, die von ihrer Gründung bis in die heutige Zeit so einen interessanten Mix an Künstlern aufweisen kann wie diese Plattenfirma mit Sitz in Eisenerz. 

 
Ich habe 1995 mit knapp über 20 jungen Jahren die Firma hier in Eisenerz, meiner Heimatgemeinde, mit dazugehörigem Lager begonnen aufzubauen. Man kann sagen, aus purem Idealismus ist ein Job geworden. Inzwischen ist ein Büro in Austin, Texas dazugekommen und in wenigen Wochen eröffnen wir unseren ersten Standort auf deutschem Boden in Berlin.“ eröffnet Labelboss Markus das Interview. „Damals legte ich mein Hauptaugenmerk auf den Metal-Bereich, speziell auf den Death / Black Metal-Bereich. Unsere allererste Veröffentlichung war eine Mini-CD der Österreichischen Death Metal Legende Disastrous Murmur. Damals managte ich die Band und wurde darauf angesprochen; warum wir das Album denn nicht selbst veröffentlichen. Gesagt, getan, zu Beginn hatte ich aber absolut keine Ahnung was mich erwarten würde in diesem Business. Es ging dann alles relativ schnell und es war mit sehr viel „Learning By Doing“ verbunden.“ Was allerdings auch zur Folge hatte, dass man einiges an Lehrgeld zu Beginn zahlen musste. Aber es brachte für die Zukunft gesehen auch einen wichtigen Vorteil mit sich. „Ich habe alles selbst durchlaufen müssen, aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel und weil ich die Firma nicht mit Fremdkapital aufbauen wollte. Anfangs war es nur ein kleines Büro, das war perfekt da alles überschaubar blieb und die Firma gesund wachsen konnte. Ein Amerikanischer Geschäftsfreund brachte es mal gut auf den Punkt als er meinte, dass Arbeiten im Musikbusiness kein Job sei sondern ein Lifestyle.

 

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Keine Limitierung

 
Seit dieser Zeit sind knapp 20 Jahre vergangen und inzwischen verfügt man über einen beeindruckenden Katalog an Bands, egal ob National oder Internationale Gruppen, Markus und seine Mitarbeiter beweisen immer wieder, was für gutes Gespür in Sachen Bandauswahl sie haben. „Wir möchten uns nicht limitieren lassen! Es muss Sinn machen und gleichzeitig soll der Spaß an der Arbeit nicht verloren gehen. Uns ist wichtig, dass wir eine Vision hinter der Band sehen und somit setzen wir eine gewisse Professionalität und „Down To Earth“ Mentalität voraus. Es macht einfach keinen Sinn mit jemand zu arbeiten, der von Anfang an kompliziert ist. Man muss genau schauen wo wir die Energie am besten investieren. Wir könnten pro Tag an die 50 Bands unter Vertrag nehmen, was einfach nicht möglich ist, deswegen sind wir sehr genau und lassen uns Zeit bei den Bands, die wir unter Vertrag nehmen möchten.“ bringt Markus die Ausrichtung seines Labels auf den Punkt. Interessant auch die Antwort auf die Frage, welche Kriterien wichtig sind für die Chance auf einen Vertrag im Hause NAPALM RECORDS. „Wir schauen uns das ganze Umfeld der Band an. Angefangen vom Alter, Instrumentenbeherrschung bis zur Kommunikationsfähigkeit der Formation. Das sind unsere Hauptkriterien. Natürlich schauen wir auch genau, wie die Band von den Fans angenommen wird oder ob es schon bestehende Verträge mit Booking-Agenturen oder dergleichen gibt. Wir möchten einfach sicher gehen, damit es später nicht zu Problemen kommt bei der weiterer Zusammenarbeit.

Definitiv etwas, das man als Qualitätsmerkmal festhalten kann. Gerade in einem kleinen Land wie Österreich mit einer doch ziemlich großen Dichte an Bands, ist es nicht immer leicht einen gesunden Mittelweg als einheimisches Label zu finden. Die Tatsache, dass bei uns jeder Zweite ein Fachmann für alles und der Neid ziemlich weit verbreitet ist, macht das Ganze nicht einfacher. Doch auch hier setzt Markus eine gewisse Konsequenz durch. „Es gibt genug, die dir dein Geschäft erklären wollen, was ziemlich mühselig auf Dauer ist. Wichtig ist, wie schon oben angesprochen, dass die Chemie passt, wir sind für konstruktive Kritik in jede Richtung offen und tauschen uns gerne aus. Aber wenn, wie schon in der Vergangenheit passiert, heimische Musiker zu uns kommen und sich von vornherein präsentieren, als wüssten sie sowieso alles besser, wird es dann doch etwas schwierig hier einen Weg zu finden. Dazu kommt noch der Umstand, dass jeder, der sich eine Gitarre umhängt, sich automatisch Musiker schimpft und sofort ein Album aufnimmt, eine Entwicklung der ich persönlich nicht so viel abgewinnen kann.

 

COAL CHAMBER - I.O.U. Nothing (Official Video) | Napalm Records


Polizei! Einmal durchhö
ren bitte!

 
Schwierigkeiten gab es auch schon in der Vergangenheit. In einem Land wie Österreich ein Metal -Label zu betreiben war in den 1990 Jahren nicht gerade einfach, alleine schon aus religiösen Gründen, wie Markus zum Besten gibt. „Gerade in den Anfängen hatte ich fast alle drei Monate die Staatspolizei bei mir im Haus. Dubiose Fragen wie, ob wir denn eine Sekte oder dergleichen seien waren da immer dabei. Und das alles nur weil wir CDs von Black Metal Bands aus anderen Ländern importiert hatten, wo nicht gerade freundliche Messages in Richtung Christentum gestreut wurden. Die sind in diversen Kaufhäusern gestanden und haben sich die Alben durchgehört beziehungsweise die Texte durchgelesen um festzustellen, ob kein rechtes Gedankengut oder satanische Texte zu finden sind, die jugendgefährdend sein könnten. Mit der Zeit hast du die Leute dann schon gekannt. Heutzutage ist das Ganze schon viel lockerer im Vergleich.

Dafür ist aber eine andere Lockerheit verloren gegangen, nämliche jene der musikalischen Kreativität wie Markus feststellt. „Die Szene heute ist natürlich sehr interessant, aber ich finde früher war alles etwas innovativer. Du hattest Bands wie PUNGENT STENCH, ABIGOR oder SUMMONING die einfach rausgestochen sind als Österreichische Acts. Es gibt sicherlich auch heute großartige Bands im Underground, für mich wird das schon immer schwieriger zu beurteilen, da NAPALM RECORDS inzwischen eine Größe erreicht hat, wo man das Ganze auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive betrachten muss. Es müssen Gehälter von Mitarbeitern und Künstlern bezahlt werden, was gerne von vielen vergessen wird. Aber die Leidenschaft für das Label ist nicht verlorengegangen dabei.“ Was auch der Grund ist, warum man seinen Blick über den Tellerrand hinauswagt und sich auch im Hard Rock und Stoner- Bereich angefangen hat umzusehen. Inzwischen findet man einen gesunden Mix an Bands vor, was wichtig für die Stabilität des Labels ist. Aber auf seinen Lorbeeren soll man sich bekanntlich nie ausruhen. „Wir sind natürlich daran interessiert auch Newcomer nach oben zu bringen, keine Frage und natürlich arbeiten wir gerne mit etablierten Künstlern. Die Herausforderung und Schwierigkeit im Moment ist, unbekannte Bands dem Hörer näherzubringen, da muss schon wirklich alles stimmen. Von der Produktion bis zum Image sollte alles top sein!

Stillstand = Tod.

Auch das Label selbst muss sich in einer gewissen Weise immer neu erfinden. Gerade in den immer schneller werdenden Zeiten ist es wichtig, nicht nach hinten zu fallen, besonders in der Musikbranche. „Mit jeder Entwicklung muss man mitgehen, alles was vor fünf Jahren war, war vor fünf Jahren. Du musst dich an jede Neuerung und technische Entwicklung anpassen. Das kann man alleine an der Werbung sehen. Vor zehn Jahren war der Katalog noch ein wichtiges Instrument, dieser hat inzwischen schon fast seine Bedeutung verloren aufgrund von Internet und anderen Entwicklungen.“ Das Interview biegt schön langsam in die Zielgerade, interessant zu erfahren was noch so los ist im Hause NAPALM RECORDS im Jahre 2015:

Einiges, wir arbeiten gerade an einigen Deals mit Bands, die ich hier noch nicht verraten möchte, aber da sind schon einige großartige Acts dabei. Es ist ein laufender Optimierungsprozess, wir passen uns einfach mehr an das internationale Geschäft an. Zum 20- Jährigem Jubiläum des Labels möchten wir ein Event starten, höchstwahrscheinlich mit unserem Büro in Berlin, abwarten würde ich sagen! Danke für das interview

NAPALM RECORDS
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