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MIDRIFF - Alles, nur keine Kopie

Die 3820 Seelen Gemeinde Langkampfen, gelegen in Tirol, Österreich, ist bis auf seine schöne Gegend nicht gerade bekannt in der großen weiten Welt. Das könnte sich bald ändern, da drei Söhne des Dorfes aufgebrochen sind, um auf den Brettern die die Welt bedeuten zu zeigen, was sie drauf haben. MIDRIFF veröffentlichen in der ersten Jahreshälfte ihr neues Album „Doubts & Fears“. WeDontCare bat zum ausführlichen Gespräch.

 

Es ist unsere zweite full-length Veröffentlichung, da geht man schon etwas anders an die Sache ran als bei Album Nr. 1“, eröffnet Bassist Jeremy das Interview. „Wir waren davor wirklich lange live unterwegs, haben jeden Gig mitgenommen der nur ging und spielten uns kreuz und quer durch die Landschaft!“ Das gilt allerdings nicht nur für Österreich, sondern auch für Europa. Viel unterwegs sein um live zu spielen lässt allerdings auch wenig Raum, um neue Songs zu schreiben. „Die meisten Songs sind im Dezember / Jänner des vorigen Jahres entstanden. Im Februar dann haben wir uns zu intensivem Songwriting und preproduction sessions zurückgezogen, bevor es im April wieder los ging.“ Im besagten April ging es zum ersten Mal auf Tournee zusammen im Nightliner mit Serenity, was der Band enorm half, den Bekanntheitsgrad zu steigern und weiters an Erfahrung zu sammeln. Nach der Tournee ging es an die eigentlichen Aufnahmen zum Album, welche ohne großartigen Stress runterliefen, da sie im bandeigenen Studio eingespielt wurden. Das lässt uns auch gleich zum Sound von MIDRIFF kommen. Alleine der Opener ‚Outcry‘ zeigt, wo die Richtung hingeht. Knackig, frech und stark produziert kommt „Doubts & Fears“ um die Ecke. Den Unterschied zum ersten Album „Broken Dreams“ aus dem Jahre 2012 sieht Jeremy so: “Wir sind als Musiker definitiv reifer und professioneller geworden. Vorher bastelten wir einfach an namenlosen Ideen rum, aber bald haben wir damit begonnen, unseren eigenen Sound zu kreieren. Der größte Unterschied liegt sicherlich in der Tatsache, dass wir unseren Sound irgendwo zwischen amerikanischem Hardrock, Grunge, Stoner und Oldschool Heavy Metal fanden. Schubladendenken ist uns persönlich fremd, aber ich denke so könnte man die Ausrichtung von uns gut beschreiben.

 

MIDRIFF - Outcry (music video)


Rezeptfreie Musik

 
Auch in Sachen Sound entwickelte man mit der Zeit eine klarere Sicht der Dinge, was sich hörbar niederschlägt. “Die Drums haben wir in unserem Proberaum aufgenommen, weil dies einfach ein absolut geil klingender Raum ist, groß, Holzboden, ruhig. Wir wollten hier einen gewissen Livecharakter einfangen. Das war uns auch bei den anderen Instrumenten sehr wichtig, was bringt es, eine perfekt produzierte Platte zu haben, die man live nicht richtig wiedergeben kann?!“ Produziert wurde das Album von Drummer Paul, während sich für das Mastering kein geringerer als Norbert Leitner aus Wien verantwortlich zeigt.

Momentan sind in Mitteleuropa einige Bands unterwegs, die sich in Richtung amerikanischen Hard Rock orientieren, wenn man sich Acts wie Gloomball beispielsweise ansieht. Interessant zu erfahren, wie es das Trio in diese Ecke verschlagen hat. „Wir haben über den Sound den wir machen nie so wirklich nachgedacht. Wir schreiben einfach Musik die uns gefällt und aus uns rauskommt. Wir alle haben einen sehr ähnlichen Background was musikalische Einflüsse betrifft. Wichtig ist es uns, niemanden zu kopieren und dass der Sound den wir machen uns selbst auch gefällt, das alles kannst du auf „Doubts & Fears“ hören. Mal soulig, mal bluesig, aber verdammt rockig!“ erklärt Jeremy. Was macht dann eine gute Platte letztendlich aus? „Eine schwierige Frage. Eine gute Platte muss nicht perfekt produziert sein, das Album sollte lebendig und authentisch wirken, da darf auch mal der Rotz nicht fehlen. Hör dir doch mal die großen Rockalben an, Black Sabbath Alben der 70er Jahre sind soundtechnisch nicht das Maß aller Dinge, aber sie haben das bestimmte Feeling, das vielen perfekt produzierten Alben heute fehlt!“ Maßgeblich herausstechen tut MIDRIFF alleine schon deswegen, weil Paul, Schlagzeuger der Band, gleichzeitig auch den Gesang über habt. „So was gibt es in dieser Form recht selten, anfangs wurden wir regional sogar dafür belächelt. Aber es regt sich schön langsam auch europaweit Interesse an uns. Viele meinten früher, wir sollten es doch klassisch angehen, einen Drummer suchen etc. Das hat uns nie interessiert, das sind halt wir, wir machen unser Ding und Punkt.


MIDRIFF - Pumping Iron (music video)


Von den Bergen in die Ferne

 
Wie schon des öfteren festgestellt ist in Österreich das Maß aller Dinge die geliebte und gehasste Großstadt Wien, hier spielt sich der Großteil der Musikszene ab. Für eine Band aus dem Westen des Landes ein Umstand, der es manchmal nicht gerade leicht macht. Jeremy dazu: „Man wird oft als Westösterreicher, auch ,Provinzler‘ genannt, schon oft einfach ausgespart. Schau dir die Tiroler Jungs von Nihils an, ein Popact, der sich im Vergleich zu Bands wie Bilderbuch oder Olympique nicht verstecken braucht. In unseren Gefilden gibt es mit Serenity, Mothers Cake, White Miles oder The Sorrow auch genügend Musikexporte, die das Gewicht zwischen Ost und West schön in der Waage halten.“ Die Kulturlandschaft Österreichs ist ein leidiges Thema. Von manchen unterschätzt, von anderen ignoriert, gibt es viele Aspekte in der Alpenrepublik, die gegen die oftmals aufgebrachte Meinung „dass es nichts Richtiges gibt bei uns“ sprechen. Einige dieser positiven Vibes erzählt auch Jeremy gerne: „Irgendwo jammert immer jeder über das kulturelle Angebot, das nicht-vorhanden-sein von geilen Bands, die Probleme, dass es für junge Bands keine Auftrittsmöglichkeiten gibt und vieles mehr, kennt man ja alles. Allerdings wenn wir uns unsere Heimat ansehen gibt es eine wirklich hohe Dichte an kulturellen Veranstaltungen. Es gibt Acts, die vor 20 Jahren wahrscheinlich nie hier gespielt hätten und tolle Künstler wie auch Bands. Die Leute sollten sich selbst an der Nase nehmen, die die so schimpfen sind jene, die nur zu den Großveranstaltungen laufen und sich nicht mit der heimischen Musiklandschaft befassen. Jene die lieber auf der Couch liegen und immer die gleiche Sendung schauen und sich sagen ,Wenn endlich mal wieder eine geile Band spielen würde!“ aber der Medienlandschaft möchte der Basser doch noch etwas ausrichten: „Es ist eine Katastrophe, anstelle heimischen Künstlern eine Plattform zu bieten, spielen die Stationen im ganzen Land denselben Einheitsbrei - die Tantiemen wandern ins Ausland und die heimische Musikszene wird nicht bis sehr gering unterstützt. Gott sei Dank könnte es hier in den nächsten Monaten zu einem Wandel kommen. Der Hype spricht mal für sich, große Musikexporte braucht Österreich und wenn die dann noch ein eigenes Label betreiben ist das für die Szene besser.

Bleibt nur mehr die Frage im Raum, was im Hause MIDRIFF noch so los sein wird in 2015?

 

Am 29. Mai releasen wir unser neues Album „Doubts & Fears“ in den Plattenläden dieser Welt. Im März und April haben wir einiges an Promotion Terminen, unter anderem auf der Frankfurter Musikmesse. Für Herbst und Winter planen wir gerade Shows, mal sehen was uns das Jahr alles bringt. Wir können es kaum erwarten, den Fans das neue Album zu präsentieren!

Und die letzten Worte wären?

 

Vielen herzlichen Dank für das tolle Interview! Freut uns sehr, dass die österreichische Musik von euch unterstützt wird! Danke!

 

Gütl Chris


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