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METAL FOR JAKOB & PAUL - Aller guten Dinge sind drei!

Am siebten November findet zum dritten Mal das METAL FOR JAKOB Benefiz-Konzert statt, veranstaltet von AMONG RATS Gitarrist Manuel. Doch im dritten Jahr ist noch ein kleiner Mitstreiter dazugekommen: PAUL, der an einer körperlichen Beeinträchtigung leidet. Wir haben uns mit Manuel bei ihm zuhause getroffen, über die zwei Schicksale und das Festival selbst unterhalten. 

 

Die wichtigste Frage gleich zu Beginn des Interviews. Wie geht es dem kleinen Jakob? „Gut, den Umständen entsprechend! Er hat einen Platz im Kindergarten in Attnang Puchheim erhalten. Er bekommt dort eine eigene Betreuung, wird am morgen abgeholt und am Abend wieder heimgebracht. Er wird rund um die Uhr betreut inswm verschiedenste Therapien und Übungen mit ihm gemacht werden. Sie können wesentlich mehr mit ihm unternehmen als zuhause. Früher war es so, dass ein Pädagoge zu den Eltern nachhause gekommen ist und sich ein bis zwei Stunden mit dem Kleinen auseinandergesetzt hat.“ Durch die Umstellung auf die Kindergartenbetreuung bringt das einerseits einen Vorteil für den kleinen Jakob: den ganzen Tag kümmert sich jemand professionell um ihn. Auf der anderen Seite bringt das Ganze auch eine kleine Entlastung für die Eltern mit sich. Das Heimtückische an der Krankheit Lissenzephalie ist, dass man zu Beginn nicht weiß, welche Beeinträchtigung beim Erkrankten auftritt bzw. welche Probleme in der Entwicklung auftreten. Manuel erklärt, wo der kleine Jakob am meisten zu kämpfen hat. „Das größte Problem ist die Epilepsie! Er muss regelmäßig alle paar Monate ins Krankenhaus, wo er durchgemessen und gecheckt wird. Ständige Kontrolle ist sehr wichtig bei ihm, was aber auch die Folge hat, dass immer wieder neue Medikamente eingesetzt werden müssen, da die zuvor verschriebenen nichts mehr helfen.“ Das Hauptproblem ist, dass es in Österreich zu dieser Krankheit keine Referenzfälle gibt und die Mediziner hierzulande nicht ganz wissen, wie man am besten mit der Situation umgeht. Der kleine Jakob gibt sich tapfer. „Es ist ein auf und ab, da gibt es wieder eine Zeit, in der du ein Medikament hast, das die Epilepsie komplett unterdrückt, aber dafür schläft er den ganzen Tag, weil er so fertig ist. Dann gibt es Phasen, in denen er leichtere Dosierungen bekommt, wo er zwar fitter ist und doch ab und an mit Krämpfen zu kämpfen hat, die man ihm leider so nicht ansieht, außer er drückt die Hände zusammen. Er ist ein aufgeweckter Junge, der auf die Leute, die er kennt, sehr bezogen ist. Seine Wahrnehmung beschränkt sich auf die eines zwei Monate alten Babys, dass im Körper eines Dreijährigen steckt. Vertraute Stimmen kann er sofort zuordnen und zeigt definitiv schneller eine Reaktion als von jenen, die er nicht kennt. Da braucht es schon länger um das Eis zum Schmelzen zu bringen, damit man ein Lachen oder sonstiges von ihm bekommt.

 

 

Für die gute Sache


Waren die letzten zwei Jahre der Veranstaltung rein für den hilfsbedürftigen Jakob ausgelegt, so kommt heuer eine zweite kleine Seele namens Paul hinzu. Dieser ist 2008 als Frühchen in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Paul war nur 670 Gramm schwer und 34cm groß. Bereits zwei Tage nach der Geburt traten als Komplikationen der Frühgeburt zwei starke Hirnblutungen auf, die das Ablaufen der Hirnflüssigkeit verhinderten. Bei gesunden Menschen läuft diese ja über das Rückenmark ab. Daher wurde dem Kleinen ein sogenannter Stunt, ein dünner Schlauch, der von Kopf über Hals in den Magen geführt, gesetzt. Dieser ist nicht sichtbar, aber an manchen Stellen dafür spürbar. Nach drei Monaten auf der Neonatologie und vier Operationen durfte der Kleine endlich nachhause. Pauli konnte durch zahlreiche Therapien vieles aufholen und ist heute auf dem Stand seines Alters, eines sechsjährigen Kindes. Doch leider wollen die Beine nicht so wie er möchte und so wurde hier die Krankheit Bilaterale beinbetonte spastische Cerebralparese diagnostiziert. Manuel erzählt, wie es dazu kam, dass Paul heuer mit von der Partie beim Konzert sein wird. „Wir sind über Zufall per Facebook über seine Mutter gestolpert, die in verschiedenen Foren gepostet hat, dass sie Freunde für den kleinen Paul sucht, die ein ähnliches Schicksal teilen. Freunde hat der Kleine ja genug, aber es ist schwer für ihn, da er ja fast gelähmt ist und nicht all die Aktivitäten machen kann wie seine Freunde. Fussball spielen zum Beispiel und das ist halt sehr schwer für ihn, da er ja geistig vollkommen da ist. Für mich war klar, dass ich ihm auch helfen wollte und so habe ich beschlossen, dass neben Jakob die heurige Veranstaltung auch ihm gewidmet ist.

Durch den Umstand, dass der kleine Paul aus der Gegend von Mondsee kommt und der kleine Jakob aus der von Gmunden hat man sich entschlossen, die Veranstaltung im GEI durchzuziehen, da diese quasi in der Mitte. Der Club in Timelkam kommt Manuel und seinem Team so entgegen, dass man keine Miete für den Abend verlangt und auch den hauseigenen Techniker und die Ausrüstung günstiger zur Verfügung stellt. Die vorigen zwei Ausgaben sind in verschiedenen Orten in Oberösterreich über die Bühne gegangen. Manuel erzählt darüber. „Die erste Veranstaltung war ja der Wahnsinn. Es waren über 250 Leute anwesend, viele die nichts mit der Musik zu tun hatten, aber Bekannte sind, die einfach helfen wollten. Wir haben dort über 3000 € eingenommen, welche wir Jakob zu gute kommen haben lassen. Im zweiten Jahr waren an die 170 Leute bei der Veranstaltung, bei der wir auch wieder einiges an Spenden für Jakob lukrieren konnten.“ 3.000 € mag sich nach viel Geld anhören für den Leser, was es natürlich auch ist. Bedenkt man aber, dass alleine ein spezieller Kinderwagen mit Kopfstütze genau das Geld kostet, ist der Betrag schon wieder irgendwo überschaubar. Manuel erzählt weiter. „Für mich war die zweite Veranstaltung am stärksten, alleine wegen der Stimmung, viele verschiedene Bands. Jeder hatte einen anderen Sound und doch lief alles harmonisch ab und die Besucher fanden Gefallen an dieser Abwechslung. Generell wurde besonders das zweite Festival sehr positiv aufgenommen und all die Besucher haben mich ermutigt weiter zu machen und am Ball zu bleiben.“ Was sehr zu begrüßen ist, da es doch eine gute Sache ist. Zusätzlich zum Eintritt kann man vor Ort auch beim Flohmarkt einiges an T-Shirts, CD’s, Schallplatten und dergleichen erwerben, die alle durch freiwillige Spenden von Bands, Veranstaltern, Labels und Privatpersonen zusammengekommen sind. Wenn man sich das Arbeitszimmer von Manuel in seinem Haus ansieht, kann man nur erahnen, was für eine Welle an Hilfsbereitschaft durch die Metal-Szene anhand der Spenden entsteht. 

 

 

Dem Ganzen ein Gesicht geben.

Doch wie sollte es auch anders sein und so manche Kritiker können nicht mal bei so einer Veranstaltung ihre meist überflüssige Meinung unerwähnt lassen. „Es gab einige, die mir auf Konzerten quasi „vorwarfen“, warum ich das nur für ein Kind mache bzw. es gibt doch so viele hilfsbedürftige Kinder weltweit. Natürlich gibt es die und ja, ich würde auch diesen gerne helfen, aber ich habe mich entschlossen, der Veranstaltung anhand von Jakobs Schicksal so gesehen ein Gesicht zu verleihen. Natürlich unterstütze ich gerne gemeinnützige Organisationen, welche auf Spenden angewiesen sind, ganz klar. Nur diese Sache ist mir einfach wichtig, es befindet sich in meiner unmittelbaren Nähe und es ist meines Erachtens der perfekte Weg um einen Beitrag zu leisten, der dem kleinen Jakob hilft. Aber ich nehme das nicht als negative Kritik oder so, eher als Vorschlag und deswegen bin ich keineswegs böse. Die Leute müssen verstehen, dass ich allein der Veranstalter bin und nur am Tag des Events meine Helfer habe, das alles größer zu machen wäre definitiv zu viel für mich selbst!“ Mit einem gewissen Schuss Selbsterkenntnis und Einschätzung ist man immer noch am besten gefahren, vor allem wenn es darum geht seine Energien zu bündeln. Was auch daran liegt, dass Manuel momentan nur mit heimischen Metal Bands arbeitet. Pläne, andere Musikrichtungen einzubinden, hat es aber durchaus schon gegeben. „Die Idee war schon bei der ersten Ausgabe. Im April damals war METAL FOR JAKOB und im Herbst hätte ich das selbe nochmalig mit Rock Musik geplant. Allerdings habe ich etwas unterschätzt, dass es doch sehr viel Arbeit ist, so ein Event auf die Beine zu stellen. Wir sind momentan am Überlegen ob wir vielleicht nächstes Jahr mehr Rock und Blues in das Konzert einbinden werden.

Das Line Up im heurigen Jahre ist wieder sehr überzeugend, mit TUXEDO als Headliner, unterstützt von DEAD TERRITORY, SEVERITY und WE BLAME THE EMPIRE plus Manuels eigener Band AMONG RATS könnte der 7. November zu einem heißen Date in Oberösterreich werden. Was erwartet man sich von der Veranstaltung? „Wie in jedem Jahr ist mir das Durchmischen der verschiedenen Stile sehr wichtig, das belebt das Ganze und ich hoffe sehr, dass dies auch im heurigen Jahr wieder zu guter Stimmung führen wird bzw. die Leute angetan sind vom Sound der jeweiligen Bands. Es macht mich stolz, dass dies auch bei uns in der Gegend, quasi am Land, problemlos funktioniert. Es macht eine Freude, etwas aus Spaß für den guten Zweck zu machen.

Somit wären die letzte Worte? 


Ich wünsche mir eine friedliche Veranstaltung mit einer guten Stimmung wo wir für die beiden Jungs etwas an Spenden zusammen bekommen. Ich würde mich sehr freuen, den einen der anderen von deinen Lesern zu sehen!"

METAL FOR JAKOB & PAUL, am 7. November live im GEI, Timelkam mit TUXEDO, AMONG RATS, SEVERITY, DEAD TERRITORY, WE BLAME THE EMPIRE!

 

Gütl Chris

METAL FOR JAKOB
Lissenzephalie

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