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MARCUS SMALLER - Alles außer angepasst


I, Marcus Smaller“ ist der Titel des zweiten Solo-Albums des gleichnamigen Ausnahmekünstlers aus Österreich. Den meisten von seiner Band 3 Feet Smaller bekannt, präsentiert sich das musikalische Multitalent in gewohnter Manier frisch, frech und eigenwillig auf seinem neuen Album. Grund genug für uns, um bei Marcus durchzuläuten um so manches in Erfahrung zu bringen.


Das lustige ist, es hätte vom Stil her so werden sollen wie meine erste Solo-Platte „Finally Home“. Also mehr Akustisch, aber erst durch die Zusammenarbeit mit meinem Produzenten JoJo hat sich der Sound des neuen Albums herauskristallisiert“ eröffnet ein hörbar entspannter Mr. Smaller das Interview. „Generell  ist das Album mehr poppiger, E-Gitarren-lastiger ausgefallen.  Es ist nicht so „gezwungen“ wie bei meiner Debütscheibe, wo ich mich mehr von meiner Band 3 Feet Smaller abheben wollte, weswegen es auch akustisch geworden ist.“ Der bekennende e Punker und Batman-Freund  hat das ganze Album in Österreich zusammen mit seinem Produzenten eingespielt. „Anfangs habe ich die Songs rein akustisch geschrieben, erst im Aufnahmeprozess sind die ganzen Elemente, die man hört, hinzugekommen. Anfangs musst ich etwas mit JoJo kämpfen wegen Elementen wie Synthesizer“ gibt Marcus lachend zu Protokoll und erzählt weiter „das war mir etwas suspekt, da ich nie ein Fan davon war. Aber er machte einen guten Job und überzeugte mich davon, dass es nicht gleich zu einer Technoplatte verkommt, wenn Synths drauf vorkommen.“ 


Einfach Ich.

Das Album selbst klingt sehr rund und ausgeglichen. Hat seine Höhen, seine Tiefen, aber macht Laune. Durchaus wieder radiotauglich und doch frech. Mit seinem Debüt-Album „Finally Home“ stieg Marcus im Jahr 2014 bereits auf Platz 22 der Albumcharts in Österreich ein. Auch mit seiner Punkband 3 Feet Smaller, feierte man schon beachtliche Erfolge. Da stellt sich doch die Frage, ob in Bezug auf „I, Marcus Smaller“ ein gewisser Erfolgsdruck herrscht? „Ich muss zugeben, dass mich das gar nicht interessiert. Ich mach die Musik, weil es mir Spaß macht und in erster Linie muss auch mir das gefallen was ich schreibe und Aufnehme. Ein, inzwischen, seltener Luxus wie ich finde. Wenn ich das Glück habe das es auch anderen gefällt bin ich natürlich froh darüber.  Gerade jetzt im letzten Jahr, wo der ganze Hype um Bilderbuch, Wanda und Co war, bin ich ziemlich froh über die Liga in der ich spiele. Ich kann es mir leisten mal ein nicht so geglücktes Album zu veröffentlichen“ gibt sich der passionierte Musiker selbstbewusst. 


Das Album selbst ist ein sehr persönliches Album, das teilweise die Gedankenwelt von Marcus repräsentiert. Was durchaus auch so manche Grenze ausreizte. „Das stimmt schon, es gibt einige Songs auf dem Album wo ich lange darüber nachgedacht habe wie ich die umsetze, die passenden Wörter dafür finde. Das beste Beispiel am Album ist dafür der Song „Lullaby“. In dem Song geht es darum, dass ich einmal verlobt war und zwei Monate vor der Hochzeit alles absagte. Das ist schon einige Jahre her und brauchte bis 2016,  dass ich was darüber schreiben konnte. Es ist definitiv die persönlichste Nummer auf dem gesamten Album. Die anderen Songs sind auch persönlich, gehen aber nicht so ins private wie der zuletzt genannte Song.“ Trotz allem hat man so manche Botschaft zwischen den Texten versteckt. „Natürlich geht es auf dem Album hauptsächlich um meine Gedankengänge, aber für mich gibt es einen Unterschied zwischen den Worten persönlicher und privater Texte. Wenn ich die ganzen Themen, die ich auf dem Album verarbeite, aus einer privaten Sicht geschrieben hätte, könnte man als Zuhörer sich nicht so damit identifizieren, wie wenn ich sie persönlich beschreibe. Ich gebe zwar meine Meinung ab, lasse dem Zuhörer aber noch Spielraum ob er etwas damit anfangen kann oder nicht.

(unter dem Video geht's weiter ... )


Zwischen den Zeilen.


Was uns weiter bei den Texten bleiben lässt. „Nimm zum Beispiel den Song „Let’s Go, Let’s Go“ her. Der klingt im ersten Moment nach dem 08/15 Partytext, für mich ist es aber eher so gemeint, dass man die Vergangenheit, die man erlebt hat, vielleicht nicht die beste war, aber man ruhig loslassen sollte um nach vorne zu schauen.  Dass man ruhig mal auch über die Stränge schlagen kann. Ich habe viele Menschen in meinem Umfeld, die extrem in der Vergangenheit leben. Davon bin ich ein schwerer Gegner, da ich eher versuche mich vom Schlechten zu trennen und schaue, dass ich ganz, ganz schnell wieder Gutes kennenlerne. Immerhin lebt man nur einmal.
Was auch einen runden Bogen von den Lebensansichten zu den Konzerten spannt. „Dasselbe versuche ich auch bei Konzerten umzusetzen. Ich bin nicht bekannt dafür, dass ich dort Statements zum Nachdenken abgebe. Die Welt ist sowieso scheiße genug, da ist es mir eher wichtig, dass ich mein Publikum gut unterhalte, dass die ihre Probleme für eine gewisse Zeit mal vergessen, mal abschalten können. Wenn mir das gelingt, habe ich meinen Job erfüllt.

Fest steht, das neue Album wird so manche Fans überraschen, vielleicht auch abschrecken. Schlussendlich ist es aber genau die Musik, die Marcus machen möchte. Eine gewisse Erwartungshaltung an das Album hat der sympathische Zeitgenosse trotz allem nicht. „Das habe ich mir abgewöhnt über die Jahre. Aus dem komplett simplen Grund, damit ich nicht enttäuscht werde. Wenn ich nichts erwarte, kann ich mich nur freuen über das, was passiert. Bei diesem Album steckt sehr viel Arbeit dahinter, ich bin mir sicher, die Hardcore Fans werden sich den Silberling sofort holen. Beim Rest,die mit meinem Namen was anfangen können, für die bin ich immer noch der Typ mit der Akustikgitarre. Die mal zu erreichen, das wird eher die Herausforderung werden, damit sie sehe, dass ich etwas anderes mache.

Die Sache mit der Österreichischen Musiklandschaft.

Wie schon angesprochen erlebt die Österreichische Musikwelt momentan einen ziemlichen Aufschwung. Etwas, was auch Marcus freut, auch wenn er gewisse Hypes nicht versteht. „Wir schreiben 2016, du kannst heutzutage keine Musik oder kein Image mehr aufbauen, was nicht schon einmal da war. Es lehnt sich doch jeder an irgendetwas an, ich mache doch auch nichts anderes, trotzdem versuche ich meines mitreinzubringen. Aber zum Beispiel dem Hype um WANDA kann ich nichts abgewinnen. Ich glaube, die haben einfach nur den Falco gesehen und machen den jetzt 1:1 nach ohne großartig darüber nachzudenken. Schräg, dass dies bei den Leuten gut ankommt. Bei Bilderbuch sehe ich das zum Beispiel anders, die haben wirklich was auf die Beine gestellt, wo mir jetzt keine zweite Band einfallen würde, die das so macht. Angefangen von der Musik bis zum Image, das ist wirklich einzigartig. Trotz allem fällt es für mich in eine Kategorie Sound, wo sich langfristig die Frage stellt wie oft man selbigen wiederholen kann ohne selbst zur Wiederholung zu werden. Die Latte liegt nach „Schick-Schock“ ziemlich hoch.

Das neue Album ist ab heute erhältlich. Frisch, frech und locker präsentiert sich MARCUS SMALLER ohne dabei zu enttäuschen. Eine Empfehlung für Fans von abwechslungsreichem Sound mit Hirn.


Chris Gütl

Marcus Smaller

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