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HARRI STOJKA - Zwischen den Kulturen...

Copyright Titelbild: Christian Pico - Sanchez / People Photography 

 

Seine Laufbahn begann im Jahre 1970, seit dieser Zeit durfte er schon mit Größen wie Jimmy Cliff, Van Morrison, Carlos Santana oder Larry Coryell die Bühne in Städten wie Wien, New York, Barcelona oder am Jazzfestival in Montreux teilen. HARRI STOJKA zählt definitiv zu einem der wichtigsten Vertreter der Jazz / Rock Musik in der Alpenrepublik. Der gebürtige Wiener und überzeugte Rom nahm sich an einem Samstag Nachmittag Zeit für einen ausgeglichenen, gemütlichen Plausch in seiner Wohnung in Wien.

 

In der sehr hellen und gemütlichen Wohnung, die er zusammen mit seine Frau Valerie bewohnt, treffen wir uns klassisch am Küchentisch, um in ruhiger Atmosphäre zu Beginn des Interviews die letzten Jahre Revue passieren zu lassen. „In den letzten Jahren haben wir fünf Welttourneen unternommen, am interessantesten in dieser Zeit war für mich zu sehen, wie die Leute in Indonesien mit dem Gipsy-Swing-Sound zunächst nichts anfangen konnten, aber doch am Schluss total darauf gestanden sind!“ eröffnet der ausgeglichene Zeitgenosse das Interview. „Wir waren die Ersten, die diese Musik dort gespielt haben, praktisch Botschafter des Sounds um zu sehen wie die Leute auf die Botschaft reagieren und auch reflektieren. Das war schon sehr schön.“ Harri ist schon viel gereist mit seiner Gitarre, über eine lange Reise durch Indien (Deswegen über Indien da die Roma ursprünglich, vor 1000 Jahren aus Indien nach Europa auszogen) gibt es den Film „Gypsy Spirit“, der auf Kinos in aller Welt gezeigt wird und als bester Dokumentarfilm des Jahres 2011 ausgezeichnet wurde. Während der Reise entstand die Idee zum derzeit aktuellsten Projekt des Herrn Stojka.

 

 

Gypsy Spirit, Harri Stojka - eine Reise | Filmtrailer

 

Der Indien Express

 

Wir haben auf unserer Reise all diese fünf fantastischen Musiker namens Kutle, Garfur, Aditya, Azeem und Hafeez kennengelernt. Während der Jamsessions mit diesen Menschen ist mir die Idee gekommen, das ganze nach Österreich zu bringen, weil es so gut zusammenpasste. Inzwischen haben wir drei großartige Tourneen hinter uns und freuen uns schon auf die Konzertreihen in Deutschland.“ Zehn verschiedene Musiker auf einer Bühne aus unterschiedlichen Musikrichtungen ist sicher etwas schwer für die Ohren vorzustellen. Harri dazu: „Das ist eine Fusion aus vier verschiedenen Musikrichtungen aus Gipsy Swing, New Delhi Music, Rajasthan Music und serbischen Elementen, die von unserer Sängerin und unserem Schlagzeuger noch in die Musik reinkommen. Wir schütten das Ganze in einen Hexentopf, rühren zwei Mal um und was dabei rauskommt, ist wirklich einfach fantastisch.“ Der Sinn von Musik auf den Punkt gebracht, wie mir mein Gesprächspartner auch Recht gibt. „Absolut, man soll sich nicht immer nur versteifen auf einen Stil. Ich bin das nicht als Musiker, stehe zum Beispiel auch irrsinnig auf gute Popmusik. Wenn eine Musik gut ist, soll man sich dieser nicht verschließen, von diesem Schubladendenken halte ich sehr wenig.“ Ausschlaggebend für den Start der Karriere war der Vater von Harri Stojka, der diesem sehr früh eine Gitarre schenkte und das Talent seines Sohnes förderte, seitdem beschäftigte sich Harri ausschließlich nur mit Musik und nichts anderem mehr. „Musik ist Teil meines Lebens, ohne dem könnte ich nicht existent sein, könnte mir ein Leben ohne Musik machen gar nicht vorstellen.

 

Spannend zu erfahren, was ihm wichtig ist mit seiner Musik den Hörern da draußen zu vermitteln. „Ganz wichtig ist für mich, dass das Publikum die selbe Freude in dem Moment verspürt, wie ich wenn ich spiele. Ich spiele nie von einer Bühne auf das Publikum herab sondern immer auf Augenhöhe. Ich möchte, dass das Publikum mitvollziehen kann, was wir Musiker für eine Freude haben wenn wir Musik spielen. Das ist mir ganz wichtig zu teilen, auch auf CDs möchte ich, dass das so rüberkommt!

 

Die Sache mit den „Zigeunern“

 

Neben der Energie und dem Lebensgefühl ist Mr. Stojka allerdings auch noch etwas anderes sehr wichtig bei seinem Schaffen als Musiker. Vor kurzem rief er die Fotoaktion „Ich bin gegen das Wort Zigeuner“ ins Leben, wofür sich KünstlerInnen wie Wolfgang Böck, Birgit Denk, Markus Binder (Attwenger) u.v.a. ablichten ließen, um ein Zeichen gegen die Diskriminierung seines Volksstammes der Roma zu setzen. „In Ausschwitz hat man den Insassen das „Z“ für Zigeuner eintätowiert, für mich ist dieses Wort ein Stigma. Es gibt Menschen, die meinen, sie sind stolz darauf - ich bin es nicht!“ bringt es Harri Stojka auf den Punkt und weiter. „Ich habe immer gesagt, dass ich ein Roma bin. Ich wurde als Zigeuner beschimpft, verachtet und ausgestoßen. Für mich ist das ein Wort, das von Auswärtigen für uns erfunden wurde!“ Als musikalisches Zeichen veröffentlichte er 2005 das Album „Garude Absa / Verborgene Tränen“ das an die musikalischen Wurzeln der Roma erinnert und Kraft und Mut für die neuen Generationen geben soll. Auch so engagiert er sich aktiv bei der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels Deutsch / Österreichischer Geschichte. „Ich arbeite dafür, dass dieses Wort aus unserem Sprachsatz verschwindet. Es gibt allerdings im Moment ein gewisses Phänomen bei unseren jungen Roma zu beobachten. Wie schon bei den Black People, die das Wort „Nigger“ für sich vereinnahmen und sagen „Ihr habt uns das Wort aufgedrückt also benützen wir es untereinander, ihr dürft es aber nicht benutzen!“ wird das Ganze von jungen Roma Rappern bei dem Wort „Zigeuner“ verwendet. Dagegen bin ich. Ich finde, die jungen Roma sollten ein eigenes Selbstbewusstsein entwickeln und gegen dieses Schimpfwort sein, das unseren Eltern eintätowiert wurde und wir damit stigmatisiert wurden.“ stellt Harri fest und gibt weiter zu Protokoll „allerdings ist das ein Prozess der erst einsetzen muss und ein zwei Generationen dauern wird.“ Europa befindet sich in der Frage der Minderheiten momentan in einem ernsthaften Zwiespalt. Neben der Weltoffenheit herrscht auch eine gewisse Art von Ausgrenzung, die vor einigen Jahrzehnten sogar kurzzeitig Geschichte war.

 

"WISTFUL" by HARRI STOJKA

 

Der Mensch ist Mensch.

 

Mein Ideal ist zu sagen, wir sind Menschen und es ist völlig egal wer ich bin, wo ich herkomme und wie ich aussehe. Wir leben auf diesem Planeten und sind alle eins. Ich komme aus einer Post- Hippie-Bewegung der 70er Jahre und da waren all diese Fragen von heute kein Thema, dann kamen allerdings mit den 80er Jahren dieses Separieren wieder zurück, das Abkapseln von gewissen Cliquen und Volksgruppen, die sich dann selbst wieder in ein „Ghetto“ zurückgezogen haben, etwas das ich nie verstanden habe. Ich wollte und kannte so etwas auch nicht, leider wird das seit dieser Zeit immer mehr, dagegen bin ich ganz entschlossen!

 

Natürlich versucht sich mein Gesprächspartner auch in dieser Sache zu engagieren, allerdings ist das Ganze etwas schwierig, wenn man alleine mit seinen Freunden hinter sich gegen eine Bewegung einsteht, die immer größer wird. Doch man soll sich nicht entmutigen lassen, besonders wenn man ein mächtiges Sprachrohr wie die Musik hat. „Musik darf nicht zweidimensional gesehen werden! Musiker wie Bob Marley zum Beispiel hatten eine unglaubliche Message in ihren Songs, er war Befreiungstheoretiker meiner Meinung nach. Die Veränderungen einer Zeit spiegeln sich immer wieder in der Musik. Sie darf nie nur Unterhaltung sein, da sollte mehr dahinter sein. Musiker, die die Schnauze voll haben, lassen das natürlich in die Musik einfließen!“ was uns gleich nach Österreich und seinem „Luxus-Problem“ mit den eigenen Musikern bringt. Harri Stojka darüber. „Ich bin mir sicher, dass wir in jeder Beziehung hier mithalten können. Wir sind total präsent im Jazz und im Rock. Ich denke, wir sollten ablegen zu sagen „Wir sind Österreicher, wir können nicht mithalten!“ Das kenne ich schon seit den 70er Jahren und das sollten wir endlich mal vergessen, denn wir sind da!“ doch leicht ist es denoch nicht in Österreich wie Harri weiter seine Sichtweise erzählt. „Schau, mir fällt gerade auf, dass wir teilweise soundmäßg momentan einfach nicht mitkommen. Das hat nichts mit den Musikern oder dem Kompositorischen sondern mit dem Knowledge und den Studios zu tun, das Problem einen Internationalen Sound kreieren zu können. Denke, das ist so schwer für uns. Das liegt allerdings daran, da das Ganze eine sehr teure und kostspielige Sache ist. Keine Plattenfirma ist bereit, so viel Geld für eine wirklich internationale Produktion auszugeben."

 

 

HARRI STOJKA LIVE AT MONTREUX

 

Das liebe Geld.

 

Und auch zur Zukunft der Österreichischen Branche hat er ein paar Worte über: „Wir haben die finanziellen Möglichkeiten einfach nicht. Es ist, glaube ich, nicht möglich in einem kleinen Land wie Österreich so viel Geld in teure Produktionen zu investieren. Ok, momentan haben wir mit Conchita Wurst eine Ausnahme, die hat auch allerdings den Song Contest gewonnen. Natürlich, sie hat jetzt einen Internationalen Sound, aber was ist nun mit den anderen? Die rappeln sich runter in Demo Studios und werden dennoch nicht im Radio gespielt. Wir haben nicht die Ressourcen wie zum Beispiel Deutschland!“ Das Interview biegt in die Zielgerade und da stellt sich noch die Frage was bei Hr. Stojka noch los ist im Jahr 2015.

 

Am 16. Jänner spielen wir live in der ARGE Salzburg, am 17. Jänner spielen wir in Ravensburg, Deutschland und am 24. Jänner spielen wir im Greith-Haus in St. Ulrich im Greih in der Steiermark. Wir haben sehr viel vor in diesem Jahr. Lasst euch überraschen, heuer möchte ich wieder schwerste Rockmusik machen. Ein spannendes Jahr steht bevor."

 

Und die berühmten letzten Worte wären?

 

Junge Musiker, lasst euch nicht entmutigen, glaubt an euch, arbeitet an euch und seid stets dahinter. Lasst euch nicht von Leuten runterziehen, die auch nur eifersüchtig sind aufgrund eures Talents. Glaubt an euch und macht weiter

 

Gütl Chris

 

Harri Stojka

 

Geschichte der Familie Stojka

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