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GLARE OF THE SUN im Interview!

Beginnen wir klassisch, wie ist die Hintergrundgeschichte zum Projekt GLARE OF THE SUN

Chris (Vocals): Das ist nicht ganz so einfach zu erzählen! Es hat lange gedauert, bis sich diese Konstellation herauskristallisiert hat. Gegründet wurde das Projekt von Daniel Lechner (Lacrimas Profundere, Zombie Inc.), der uns alle anfangs zusammenbrachte. Irgendwann wollte Daniel sich musikalisch neu orientieren, verließ GLARE OF THE SUN und ist in Richtung Drone Doom umgestiegen. Für uns war klar, wir machen weiter, da wir als Band ziemlich gut funktionierten. Wir holten kurz darauf Martin (Gitarre) in die Band, den ich schon vom Circle Of Ruins Projekt kannte. 


Unser ursprünglich zweiter Gitarrist Michael ist leider kurz darauf ebenfalls ausgestiegen, da er privat keine Zeit mehr für das Projekt aufbringen konnte. Das führte dazu, dass Geri (Gitarrist, Zombie Inc., Collapse 7) zur Band stieß. Wobei ..., wir haben ihn genötigt, dass er einsteigt (ganze Band lacht). Geri passte wie auch Martin perfekt in die Band. 

 
Nach dem ihr das Line Up wieder komplettiert habt, seid ihr ja sofort ins Studio gegangen und zu keinem geringeren als Martin Schirenc (Pungent Stench). 

Chris: Das stimmt, die Songs waren noch nicht ganz fertig, aber wir wollten einfach nicht mehr warten und ließen uns auf diesen spannenden Prozess ein. Das passierte alles im Sommer 2016. Bei jeder Probe bastelten wir an den Songs und bauten uns selbst etwas Druck auf. Das brauchten wir als Musiker. Die Zusammenarbeit mit Martin selbst lief sehr entspannt und erfolgreich ab. Jeder konnte seinen eigenen Part beitragen. Das Ergebnis aus diesem Prozess ist nun -Soil-. 

 
Ihr habt erwähnt, dass die Songs noch nicht fertig waren, als ihr in das Studio seid. Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor, in Anbetracht der Strukturen der Lieder. Wie ist es euch hierbei ergangen? Wie bändigt man so eine kreative Welle, wenn so viel Input in Form von fünf Musikern zusammenkommt?

 
Tobi (Bass): Also die Songs hatten schon eine Struktur und viele Parts, die schon klar waren. Aber natürlich mit dem Gesang und den Keys wussten wir noch nicht, in welche Richtung das geht. Genau das war es auch, was im Studio dann zusammengekommen ist.

Chris: Der Input vom Martin selbst war gering. Er hat uns sehr viele Freiräume gelassen. Wir hatten genug Zeit, um mit verschiedenen Elementen im Studio zu experimentierten, wussten aber schon vorher, wir möchten eher reduzieren als hinzufügen. Wir wollten kein überproduziertes Album mit 7.000 Overdubs. Im Studio selbst waren wir darüber sehr erstaunt, wie rustikal und brutal das Album geworden ist, aufgrund der Herangehensweise. 

Also habt ihr dem Spirit seinen freien Lauf gelassen? Was möchte dann eine Band wie GLARE OF THE SUN, seinen hören prinzipiell vermitteln?


Chris: Ich denke, wir greifen auf was uns im Leben beschäftigt. Wir sind eine Band, die sehr auf Stimmung aus ist, hauptsächlich musikalisch. Jeder einzelne Song hat bestimmte Emotionen dahinter. Das ist irrsinnig spannend, selbst für uns, gerade in der Entstehungsgeschichte verbunden mit den Lyrics, die dafür geschrieben werden. Es ist ehrlich, wenn man sagt, dass unsere Songs den täglichen „Kampf“ mit dem Leben behandeln. Was für uns relativ amüsant war, ist, dass wir im Nachhinein festgestellt haben, dass sehr viel positive Message in den Lyrics und im Sound wiederzufinden ist. 
 

Melancholie, wie es in eurem Sound stark vorherrscht, muss ja gleichzeitig nicht negativ sein. 

Chris: Richtig! Dieser Kontrast ist immer ganz natürlich entstanden. Damit meine ich den Kontrast zwischen Melancholie, wenn man in ein tiefes Loch fällt und sich dann aber selbst wieder da raus zieht. Das war uns aber beim Schreiben teilweise gar nicht so bewusst oder gar gewollt. Es entsteht einfach... 

Tobi: Musikalisch gesehen wollten wir mit der Musik Hörer verschiedener Genres ansprechen. Gerade im Metal gibt es ja immer wieder diese Genre Diskussion, unser Ziel war es dass wir verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Richtungen, die trotzdem einen gemeinsamen Nenner haben, mit unserer Musik erreichen.

(Nach dem Video weiterlesen)


Das bringt uns zu der Frage, was ihr darüber denkt, dass heutzutage wirklich jegliche Musik, gerade im Metal, sofort in eine Schublade, auch Genre genannt, gepresst werden muss? Man kann es übertreiben, oder auch nicht?


Martin (Gitarre): Es ist ja nicht so, dass man sich hinsetzt und sagt, so ich schreib jetzt eine Nummer, die ein gewisses Genre bedient. Unser Label hat Genres angegeben, damit die Musik „erklärbar“ gegenüber neuen Fans ist. Interessanter Weise sind wir genau für diese Kategorisierungen bei manchen Reviews angegriffen worden. Das war schon etwas befremdlich, vielleicht brauchen Menschen diese Schubladen, ich persönlich sicherlich nicht. 

 
Chris: Es war auch irrsinnig schwierig; da in gewissen Reviews auch Ansagen zu lesen waren wie: „Das ist nicht erlaubt in diesem Genre“ und so weiter. Was interessiert mich das als Musiker? Gar nicht! Wir stehen nicht im Proberaum und sagen: Oh mein Gott, wir dürfen das nicht! Im Gegenteil beim nächsten Album wollen wir noch mehr Leute provozieren in dem wir das machen, was man anscheinend nicht darf!

 Mich persönlich amüsiert es sehr, dass sich Leute über Dinge in unserer Musik streiten, zu denen wir uns keinerlei Gedanken gemacht haben (lacht.)

Tobi: Wir möchten diesen Weg sicher beibehalten, weil es ja auch das ist, was uns ausmacht!

 

Lasst uns wieder zurück zum Album kommen. War irgendwann der Punkt erreicht, wo ihr wusstet: „OK, das Album ist jetzt fertig!“ ? Als Musiker neigt man ja gerne dazu, das Ganze noch weiter zu verfeinern und auszubauen.

Martin: Da hat uns Martin als Produzent sehr geholfen! In dem er auch gezielt gefragt hat, warum man noch etwas ändern soll an diversen Songs. Er hat uns sozusagen, einen Weg aus dem Labyrinth gezeigt. Auch wenn wir genügend Zeit hatten, gab er uns auch einen gewissen Druck vor, den wir einfach brauchten.

Nach der Veröffentlichung von „Soil“ ist das Album international wie national ziemlich durch die Decke gegangen. Auch der Deal mit Lifeforce Records, war hier sicherlich eine Hilfe. Ihr alle seid erfahrene Musiker und habt doch schon die eine oder andere größere Veröffentlichung mitgemacht. Wie war das Gefühl dieses Mal? Das mediale Echo war im Vorfeld doch sehr groß.

Gerald (Gitarre): Gut natürlich! Ich war ziemlich überrascht und hab irgendwo nicht damit gerechnet. Wir sind doch eher nüchtern an die Sache gegangen, nach all den Jahren, wo auch so manche Enttäuschung dabei war. Es ist endlich mal wieder ein Projekt, wo wirklich viel Herzblut drinnen steckt. Was nicht heißen soll, dass es bei den vorigen Projekten nicht so war. Aber bei GLARE OF THE SUN ist es doch etwas spezieller. 

 


Wie war dann die eigene Erwartungshaltung an sich selbst? Baut sich hier ein gewisser Druck auf, für einen selbst aufgrund der großen Resonanz?

Chris: Das Album ist auf so natürliche Weise entstanden und genau so soll es weiter gehen. Wie wir im Studio waren, stand fest, dass es ein super Album wird. Darüber waren wir uns alle im Klaren. Es muss vorrangig uns gefallen und wir wissen genau, da kommt noch mehr. Es ist so viel, was noch in uns steckt, das raus muss. Wir möchten gerne hörbar machen was wir Leben, daher steht fest, das nächste Album kann nur besser werden.

Tobi: Wir haben diesen Druck einfach positiv umgemünzt. Wenn man merkt, dass man es auch so schafft, wie wir an die Sache rangegangen sind, dann hat man genügend Vertrauen auch genau so weiter zu machen. Deswegen machen wir uns auch keinen Plan für das neue Album, das wäre wohl zum Scheitern verurteilt.

 
Chris: Das nächste Album wird auch nicht „Soil 2.0“. Es wird das werden, was aus unseren Innersten kommt. Sobald wir im Proberaum stehen, wird es immer GLARE OF THE SUN sein, egal wie es klingt.

 
Lasst uns kurz über die Kulturlandschaft Österreich diskutieren. Es sind viele Acts unterwegs und trotzdem passiert wenig Neues. Bis auf einige wenige Ausnahmen stechen Veröffentlichungen aus Österreich nicht so wirklich hervor. Was denkt man als GLARE OF THE SUN darüber.

Martin: Es ist schwierig, es gibt extrem viel gute Bands bei uns. Es hängt auch viel damit zusammen wer genügend Aufmerksamkeit bekommt. Ich meine, es wartet ja keiner auf einen. Da muss man schon selbst dahinter sein. Das ist auch für viele Acts ein Stolperstein.

 
Hängt das vielleicht mit der österreichischen Mentalität: „Hätti, Wari, Kinnti“ zusammen? 

Chris: Ja schon! Viele sind sich zu bequem mehr zu machen. Es passiert auch nur so viel, was du als Band selbst tust.  Aber es gibt auch medial das Problem, das es nicht wirklich wertgeschätzt wird, was aus unserer Heimat kommt. International sieht es da schon anders aus, die sind viel offener für die Musik aus der Alpenrepublik. Es ist ja irgendwo schon historisch, dass heimische Künstler in Österreich nicht diese Wertschätzung bekommen, die sie eigentlich verdienen.

 

Da kann man aber auch ein Gegenargument bringen. Mir hat ein alt gedienter Musiker mit mehr als 40 Jahren Bühnenerfahrung neulich in einem Interview erklärt, dass es heutzutage am Spirit fehle. Das viele Bands kalt seien. Was denkt ihr darüber? Wir sind ja auch in einer gewissen Art und Weise medial überlastet, als einzelne Hörer, wenn man so möchte.

 

Chris: Du kannst als Band heutzutage wenig steuern. Es ist inzwischen schon alles so professionell bis in den Underground hinein. Dieser Spirit ist schon da, aber du kannst ihn nicht mehr so transportieren.

Vielleicht weil der Spirit Tot geprügelt wird? Oder, weil Österreich einfach nur der Weltmeister im „sudern“ ist?

Gerald: Teilweise, ich glaube aber auch, dass viele Bands einfach eine falsche Leidenschaft haben, um die Frage von vorher aufzugreifen. Da geht es vielen nur um das Live spielen und um einen gewissen Ego Push. Da leidet, finde ich, die Qualität der Musik darunter. Dadurch wird es eben auch „kalt“. Man macht halt irgendwas, Hauptsache man spielt.

Abschließende Frage: Wie wichtig findet ihr es, dass Musikgeschichte Einfluss auf das jetzige Schaffen als Musiker hat? Damit möchte ich auf das Knowledge anspielen, das man zum Beispiel weiß, woher die Musik die man spielt, eigentlich kommt.

 
Chris: Das ist wieder die Frage, wie frei man ist. Es ist immer eine Sache, wie man an etwas rangeht. Wenn du es nicht erzwingst, wirst du immer hören, von wo du kommst. Du wirst es fließen lassen und sehen, was passiert. Jeder von uns ist irgendwo beeinflusst, aber es ist wichtig, dass man den Kopf freimacht und sich darauf einlässt, mit fünf verschiedenen Leuten Musik zu machen. Nur dadurch kannst du dann das sein, was man auf der Platte hört.

 

Gütl Chris 

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