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Fritz "Fire" im Interview

Fotocredits: Tom Zonyga

 

Ende Jänner trafen wir uns zum persönlichen Gespräch mit Fritz "Fire" in seinem Büro im dritten Wiener Gemeindebezirk. Von Fans, die die macht haben, Pay To Play Missverständnissen und anderen interessanten Themen der Musikbranche. 

WDC: Beginnen wir klassisch, bitte stell dich unseren Lesern kurz vor.

Fritz: Mein Name ist Fritz „Fire“, hab eine kleine Agentur, Boo-Kings Austria, und bin seit 15 Jahren Veranstalter. Ich war über zehn Jahre lang Booker im Planet Music und habe mich im Zuge des Erfolgs von Seiler&Speer selbstständig gemacht. Ich bin verantwortlich für das Management des Duos und betreibe auch das bandeigene Label Jokebrothers Records.

WDC: Seiler&Speer ist der größte Name in der Liste von Bands die du betreust. Selbige liest sich sehr bunt. Von Hip Hop bis Metal alles dabei.

Fritz: Ich bin sehr openminded, was das betrifft. DROOGIEBOYZ, BLACK INHALEBOON, FREIRAUM5. Ich versuche, aus jedem Genre was Gutes rauszufiltern, muss allerdings auch Fan der Sache sein. Ich tu mir schwer eine Sache zu verkaufen, wenn ich nicht dafür steh. Da könnt ich gleich in der Pharma Industrie arbeiten (lacht).

WDC: Wie kann man sich den Alltag eines Fritz „Fire“ vorstellen? Was heißt es, einen großen Act wie Seiler&Speer zu managen?

Fritz: Also in erster Linie bist du Mädchen für alles (lacht). Da gerät das Booking dann schon mal schnell in den Hintergrund, da wir relativ weit vorausarbeiten bei so großen Bands. Wir haben bereits 2017 konzepttechnisch abgeschlossen und beginnen Mitte 2017 schon mit der Arbeit fürs nächste Jahr.

Die generelle Arbeit beginnt von Locations checken, bis zu Videodrehs, Werbeanfragen bis Interviewanfragen. Die Arbeit selbst geht ganz schön ins Detail. Ich bin sozusagen der lebende Kalender für die Jungs. Es fällt viel an Arbeit an, sei es die beiden zu unterstützen in allen Belangen und fragen bis zur Abrechnung von Shows und Auftritten, alles dabei. Natürlich musst du auch schon Pläne für die nächsten Jahre schmieden, immer in Kontakt mit großen Agenturen bleiben. Man muss schon weit vorausblicken, wenn man in dieser Größenordnung arbeitet.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich versuche, den beiden den Rücken so frei wie möglich zu halten, sodass sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. 

 
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WDC: Der österreichische Markt ist überschaubar und doch übersättigt an Veranstaltungen. Der Schmelztiegel ist nach wie vor Wien, wo das meiste passiert. Wie beurteilst du die Lage im restlichen Teil Österreichs?

Fritz: Wenn ich mich mit Kollegen aus der Branche unterhalte, stellt man schnell fest, dass der Markt in Wien komplett übersättigt ist. Wenn ich so manches Konzept, was ich in Wien fahre, außerhalb der Stadtgrenzen, am Land, durchziehen würde, wäre es womöglich um einiges erfolgreicher und voller. Weil du mit einer Show, die in Wien an jedem zweiten Tag passiert, dort doch noch ein Highlight bieten kannst.

Ich glaube, dass Veranstalter und so manche Bands es außerhalb der Hauptstadt leichter haben, trotzdem wollen alle in Wien spielen.Die Gefahr ist schon gegeben, dass du in Wien ein gutes Date hast, alles wird sechs Monate im Voraus geplant und dann kommt eine große Agentur mit einer Gasometer Show raus und deine Show ist abgewürgt.

WDC: Eine ziemliche Krux, richtig? Auf der einen Seite weiß jeder, dass die Stadt übersättigt ist und doch möchte jeder hin.

Fritz: Es ist ja verständlich, dass jeder hierher will. Den Bands in Wien geht es ja umgekehrt nicht anders. Haben bereits über 50 Shows in Wien absolviert, schaffen es aber zum Beispiel schwer, an einen Gig im Burgenland ranzukommen. Aber das ist auch eine Geschichte der Veranstalter. Diese brauchen die lokalen Acts und Fans, um eventuell einen Internationalen Headliner überhaupt erst möglich zu machen.

 

 WDC: Bleiben wir noch kurz bei dem Thema. Vor einigen Wochen hat ja der Weekender in Innsbruck bekannt gegeben, dass er seine Pforten für immer schließen muss. Jede Stadt in Österreich  fällt die Unterstützung für Locations meist sehr einseitig / unterschiedlich aus. Wie beobachtest du diese Entwicklung?

Fritz: Grundsätzlich ist es eine super Sache, dass es in jeder Stadt einige Locations für größere und kleinere Veranstaltungen gibt. Dass der Weekender schließen muss, hat mich persönlich getroffen, zeigt aber auch eine gewisse Ungleichheit auf.

Viele Locations quer durch Österreich werden subventioniert, während andere jedes Jahr ums Fortbestehen kämpfen müssen. Obwohl letztere meist mehr Kulturförderung betreiben, als jene, die das Geld quasi geschenkt bekommen. Mir gefällt es, dass es viele unterschiedlich große Locations gibt, da ist für jede Größe etwas dabei.

Wünschenswert wäre, dass die Gelder besser verteilt werden in diesen Bereichen, dann hätten alle mehr davon.


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WDC: Das bringt mich zu der Frage, was du über Praktiken wie „Pay To Play“ denkst? Ein viel diskutiertes Thema innerhalb der Musikbranche.

Fritz: Schön, dass du mich das fragst. In unserem Business gibt es „Pay To Play“, das ist richtig, aber das ist ganz was anderes als das, von dem die Underground Bands immer reden. In Wirklichkeit verstehen die meisten darunter: „Du musst Tickets verkaufen!“ aber wenn man es genau nimmt, ist es eine Kommissionsarbeit. Man muss nicht zahlen dafür, du bekommst Tickets für den Vorverkauf, die du im Nachhinein abrechnest. Je nach Veranstalter, beteiligt dieser die Bands mit einen paar Euros an den Karten oder nicht.   

De facto bezahlt man nicht fürs Spielen. Bezahlen tun Bands, die zum Beispiel 10.000 € dafür hinlegen, um bei einer großen Tour mitzufahren. Das ist „Pay To Play“. 


WDC: Keine leichte Thematik, viele Bands sehen das ja naturgemäß trotzdem anders.

Fritz: Ja, es ist eine schwierige Sache, ich habe das früher auch machen müssen. Man muss auch unterscheiden zwischen einem kleinen Veranstalter und einem, der ein gewisses Budget hat und sagt, dass er den Underground beleben möchte. Da tut man sich naturgemäß leichter und kann mit solch Praktiken auch besser umgehen.

Die Erfahrung zeigt, dass zwei von zehn Bands wirklich drauf achten, dass sie sich nicht tot spielen in einer Stadt. Da muss ich mir überhaupt keine Gedanken machen, wenn ich die buche, weiß ich, die ziehen Leute, weil sie nicht überpräsent sind. Dann gibt es Gruppen, denen du eine fixe Gage gibst, die reißen sich den Arsch auf und machen Promo ohne Ende. Und doch gibt es wieder Bands, denen du eine fixe Gage gibst und die sich das Geld abholen und nicht mehr weiter an Promotion interessiert sind.

Natürlich ist es die Hauptaufgabe des Veranstalters, dass er Promo macht, aber im Zeitalter von Social Media gehst du nicht mehr Handflyern wie früher, da brauchst du auch die Bands, die aktiv werden.
Ich kann schon den kleinen Veranstalter verstehen, der für etwaige Kosten aufkommen muss, dass er darauf angewiesen ist. Es würde wohl kein Veranstalter machen, wenn es nicht notwendig wäre. 

WDC: Früher war der Markt an Agenturen in Österreich eher sehr überschaubar. Hat sich das in den letzten Jahren verändert? Gab es, durch den Erfolg der österreichischen Musik, einen kleinen Aufwärtstrend, auch in diesem Bereich?

Fritz: Natürlich, man merkt, dass immer wieder Booking Agenturen aus dem Boden schießen. Ich hab auch nicht anders angefangen, aber es macht auch das Durchhaltevermögen aus, ob du erfolgreich bist. Die meisten Leute wissen gar nicht, wie schwierig es ist, eine Agentur oder ein Booker im Underground zu sein.

Es gibt viele Leute, die das seit Jahren aktiv betreiben und die du selbst nie persönlich getroffen hast, da hat man dann schon großen Respekt vor dem seiner Leistung.

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WDC: Lass uns wieder über Musik sprechen. Viele Acts in Österreich, die inzwischen bekannter sind, haben ab einem gewissen Punkt die berühmte Kurve über Bayern / Deutschland genommen. Woran liegt das, deiner Meinung nach?

Speziell bei den Bayern, die lieben unseren Dialekt. Das ist eine grundsätzliche Sympathie, die auf Gegenseitigkeit beruht. Aber um deine Frage zu beantworten, Österreich ist ein ganz ein kleines Land, selbst in den Zeitschriften bei uns steht die eigene Musik weiter unten. Das liegt aber auch daran, dass einfach kein Geld da ist, um dich entsprechend zu platzieren in solchen Medien.  

Du wirst erst wahrgenommen, wenn du über die Landesgrenzen hinausblickst.

WDC:  Bei den letzten Tourneen mit Seiler&Speer, ist dir ein spezieller Unterschied in der Fankultur zwischen Bayern und Österreich aufgefallen?

Fritz: Also ich würde gar nicht zwischen Bayern & Österreich sagen. Bei unseren Nachbarn ist es schon im 100-km-Abstand unterschiedlich, das sind sehr enthusiastische Fans. Auf der anderen Seite merkst du in Österreich, dass wenn Seiler&Speer in Wien, Wiener Neustadt, NÖ – der klassischen Heimspielecke – spielen, fanatisch gefeiert werden.  

Es ist auch schon ein Unterschied gegeben, wann die Leute in welchem Teil des Sets mitgehen. Manche beim Intro, manche erst bei der fünften Nummer und dann gibt es die „Die Hard“ Fraktion, die wirklich nur auf z.B. „Ham Kummst“ wartet. In Bayern wiederum feiern die fast jeden Song mit, für die ist das wieder was besonders, wenn die Band kommt.

WDC: Was denkst du? Woran liegt es, dass sich die Medienlandschaft erst seit geraumer Zeit wieder mehr für heimische Acts interessiert?

Fritz: Es macht schon alleine einen Unterschied, ob du selbst deine Band vorstellst, oder das ein Promoter für dich macht. Du wirst deine eigene Band nicht schlecht dastehen lassen, ein Promoter oder eine Plattenfirma hingegen muss dahinter stehen.

Seiler & Speer liefert da wieder ein gutes Beispiel, als wir die Single „Ham kummst“ damals produzierten. Wir haben alle wichtigen Stationen und Magazine bemustert. Die definitive Rückmeldung war damals: „Was, das sollen wir spielen, präsentieren? Nie im Leben!“ Dann begannen allerdings die Fans die Platte zu kaufen und sie mussten sich zwangsläufig damit auseinandersetzen. 

Man kann den ganzen Radios und dergleichen aber auch nicht direkt einen Vorwurf machen. Da die Entscheider meist keine Zeit mehr haben, sich mit jungen Acts zu beschäftigen. Hier kommen dann Leute wie ich ins Spiel, die quasi die Entscheider mit neuem Material versorgen.
 

Aber schlussendlich gilt: Die Fans haben die Macht! Das ist nicht zu unterschätzen.


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WDC: Was für große Radiostationen und Magazine gilt, gilt auch für Booking Agenturen, richtig?

Fritz: Yes, du brauchst ein gutes Team von Leuten um dich rum, weil du es alleine nicht schaffst. Jeder sollte seine Stärken haben. Der eine im Booking, der andere im Bandscouting und so weiter. Wenn du versuchst, nur alles alleine zu machen, wirst du früher oder später untergehen. 

Ich bin froh um meine Assistentin Maja zum Beispiel, die sich wirklich alles anhört was wir zugeschickt bekommen und mich dann über interessante Bands informiert. In Sachen Promotion kann ich auf den Andi Appel von Resonance Promotions zählen, mit dem ich mir ein Büro teile.

WDC: Wie siehst du die österreichische Szene aktuell, was kommt da noch?

Fritz: Stark! Ich find es super, dass das Interesse der Leute an heimischer Musik da ist. Egal was für Bereiche. Ich würde mir wünschen, dass mehr Neues probiert wird und nicht dauernd kopiert wird. Man sieht, dass immer frische Sachen Erfolg haben, das kannst du an Bands wie BILDERBUCH, WANDA oder eben SEILER&SPEER ablesen.

Es wird sicher noch einiges passieren, alleine durch die sprachliche Geschichte. Wenn die Leute merken, dass man die heimische Sprache über verschiedene Arten von Musik leben kann und damit Erfolg hat, könnte da noch einiges passieren. Und es ist schon lang kein Ding der Unmöglichkeit mehr, in Österreich von Musik zu leben.

WDC: Die letzten Worte gehören dir:

Fritz: Ich wünsch mir neue Ideen! Schickt uns Demos, wir hören uns das wirklich an! Fragt um Hilfe, wir sind offen für alles! :)

 

 
Chris Gütl 

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