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EWIG FROST - Lemmy als Nachbar.....

Frech, Rotzig und immer ziemlich Old Schoolig unterwegs erspielten sich die Wiener von EWIG FROST in den letzten Jahren eine guten Namen in der Österreichischen Musikszene. Gerade das zweite Album „Dirty Tales“ mit einem großen Knall nach draußen geschossen, stehen mir die Jungs Rede und Antwort.

 

Was uns gleich mal mit dem Album und seinem Entstehungsprozess beginnen lässt. „Ahoj! Erstmal und danke für deine Zeit!“ eröffnen die Jungs das Interview und fahren fort: „Unser Album wurde Live und ohne Click aufgenommen, um die Lebendigkeit des Materials zu garantieren. Die Idee war, die Band so klingen zu lassen, als ob man vor der Bühne steht. Deshalb befindet sich auch der Bass eher rechts, die Gitarre eher links und die Drums in der Mitte. Das Einzige, was im Nachhinein aufgenommen wurde, sind die Soli und die Vocals. Alles andere wurde in der großen Halle des E.K.H aufgenommen!“ Dieses Haus ist eines der ältesten und beständigsten besetzten Häuser in der Österreichischen Hauptstadt Wien. Interessanterweise ist diese „große Halle“ eine alte, schwarz ausgemalte Theaterhalle und eignet sich perfekt für Live Aufnahmen, was die Band weiterhin so verfolgen möchte.

„Fuck Off!“ but why?

Eine gewisse „Fuck Off“ Attitüde ist EWIG FROST sehr wichtig, wie auch der Umstand mit ihrer Musik was im Kopf der Menschen auszulösen. „Also diese „Fuck Off“ Attitüde, wie du sie beschreibst, ist uns sehr wichtig, jedoch  versuchen wir immer „bildliche“ Texte zu schreiben, die alleine durchs Hören oder Lesen eine gewisse Atmosphäre erzeugen können und der Musik somit noch das gewisse Etwas verleihen.“ Auf dem neuen Werk sind auch zwei Songs in deutscher Sprache vertreten. ‚S´leben frisst die auf‘ und ‚Mit Sturm & Drang‘ machen Laune auf mehr und gehen vor allem ins Ohr. „Ja Mundart auch deshalb, weil man halt doch besser auf den Punkt kommen kann, wenn man „red, via an de Papp´n angwachsen is.“ Es ist repräsentativ dafür, woher wir kommen und wofür wir stehen.“ Schön zu wissen, dass es nicht nur bei diesen beiden Nummern bleiben wird. „Ich arbeite gerade daran, einen Releasepartner für unsere nächste 7“ zu finden. Auf dieser findet man 2 Tracks vom Album DIRTY TALES auf Seite A und 2 Tracks von unserem derzeitigen Arbeitsprojekt auf Seite B wieder. Die Nummer „Deepwater Horizon“ gibt es dann ganz exklusiv nur auf der 7“ im Wiener Dialekt. Auf's neue Album kommt ein Song mit dem Titel „A Achter'l auf's sterben (Schenk' nu ans ei!)“.Gemischt wird das Ganze von Joel Grind (Toxic Holocaust).

 
Eine verzwickte Sache

Rock’n‘ Roll und Punk treffen auf Black Metal. Manche verpacken das ziemlich gut, wenn man an Acts wie  CARPATHIAN FOREST denkt. Interessanterweise kommt es allerdings immer wieder vor, dass sich gerade viele Black Metaller über die „asozialen“ und das „gsindl“ aufregen, obwohl man weiß, dass ohne diese der Sound im Black Metal so nicht existieren würde. Eine Meinung, die die Band teilt und noch anfügt: „Du hast es ja schon auf den Punkt gebracht! Jeder Rock'n'Roll Riff ist nichts anderes, als ein schneller Blues Riff. Verschiedensten Genres, die sich parallel entwickelten, haben dieselben Wurzeln. Das fiel z.B. sehr stark auf, als Rock'n'Roll-. Speed-, NWOBHM-, Thrash-, Punk-, und Metalbands genreübergreifend mit denselben Drum-Beats, diversen Riff Stilen und Screams etc. auftrumpften. Ich persönlich unterscheide zwischen „guter“ Musik, die mir gefällt, oder einfach „schlechter“ Musik, mit der ich - aus welchen Gründen auch immer - nicht so viel anfangen kann. Auch, wenn ich Musik mache, will ich zwar einen gewissen Flair rüber bringen, aber nicht versuchen, in irgendein Genre zu passen. Ich will Musik spielen, die mir gefällt.“ Was uns auch zum Thema Entwicklung der Band bringt. EWIG FROST machten in den letzten Jahren  eine interessante Entwicklung durch und prägten für mich persönlich einen eigenen Stil in Österreich, den man so schnell kein zweites Mal findet. Ohne Kompromisse nach vorne fährt das Trio Programm und verfällt dabei nicht einmal in den Einheitstross, auch etwas, das nicht jeder Band gelingt. „Von Album zu Album werden wir immer etwas unterschiedlich klingen. So wird unser neues Album, an dem wir gerade arbeiten, einerseits wieder ein bisschen böser, anderseits ein bisschen Rock‘n‘Rollier ausfallen! Ihr könnt gespannt sein, was da auf euch zukommt!“ gibt die Band über deren Entwicklung zu Protokoll. Auch die Entwicklung der Österreichischen Black Metal Szene ist interessant zu beobachten. Eine gewisse „österreichische Sturheit“ in Sachen Musik und Offenheit herrschte schon immer in der Alpenrepublik vor. Doch irgendwann muss selbst in einer  Bierliebhaber-Nation die Nüchternheit einsetzen. Oder anders gesagt, auch der  Generationenwechsel macht sich in der Szene Österreichs bemerkbar.


Die Ernüchterung

Dazu EWIG FROST: Ich denke, dass Die Black Metal Szene einen Faustschlag ins Gesicht bekommen hat. Durch die überaus heftige Kritik an NSBM und die „Wiederbelebung“ der 70's und 80's beeinflussten Musik am weltweiten Metal Markt in den letzten Jahren hat sich die Black Metal Szene in verschiedene Richtungen entwickelt und ist aber generell ein wenig offener für Neues (oder eben Altes) geworden. Heutzutage kann jeder Trottel ein paar Spuren programmieren, das ist nicht nur in Österreich so, sondern weltweit. Das wirkt sich auch in jeder Szene aus. Die österreichische Musikszene war immer schon mehr auf Einkommen und Kommerzialisierung aus. Da finden Bands wie wir nicht wirklich viel Platz. Deshalb versuchen wir, bei musikinteressierten, eher old-school-lastigen Szenen Fuß zu fassen, die Musik quasi so direkt wie möglich an die Leute zu bringen.

 

 


OST / WEST Gefälle in Österreich

 
Was uns auch zur bekannten / unbekannten Problematik des Ost / West Gefälles musikalisch gesehen in Österreich kommen lässt. Manchmal scheint es so, als wäre es für Bands aus Gegenden wie Salzburg fast unmöglich, einen Auftritt in Wien zu bekommen, da dort schon eine Fülle von Bands  Vorherrscht, beziehungsweise es oft an wichtigen Dingen wie dem Finanziellen scheitert. „Das Problem ist, dass Wien ein Überangebot an Konzerten bietet.“ meinen die Jungs und weiter „Es ist schwer, sich als Undergroundband durchzusetzen. Squad-gigs gehen immer, aber da passen viele Metal Bands nicht rein. Gerade im Metalbereich gibt es, abgesehen von diversen Try-outs, nur wenige  etablierte Veranstalter, die sich manchmal extrem untereinander battlen – es gibt Tage, an denen 3-4 Konzerte  in verschiedenen Locations stattfinden, die allesamt dasselbe Publikum ansprechen.“ bringen es EWIG FROST auf den Punkt. „Oft wird von den Bookern viel Geld für „namenhafte“ Bands ausgegeben, das ist mitunter ein ausschlaggebender Grund, um „unbekanntere“ Undergroundbands klein zu halten. So passiert es nicht selten, dass Supportbands gar nichts bekommen oder Tickets verkaufen müssen, von denen wahrscheinlich grad mal 1 Euro pro Ticket an die Band geht. Das ist richtig krass. Immerhin fungiert die Band dann schon als „Promoter“. Das ist eigentlich Sache des Veranstalters. Undergroundbands werden dafür verantwortlich gemacht, die Bude voll zu bekommen.“ Aber man will ja nicht pauschalisieren, sondern sich eher informieren, wie man weiter liest: „Natürlich kann man nicht alle in einen Topf werfen. Man muss sich eben informieren, bevor man ein Angebot annimmt.  Wahrscheinlich ist es in Wien sogar einfacher, etwas auf die Beine zu stellen, als im Rest Österreichs - Möglichkeiten gibt es ja genug. Man muss eben, so wie überall anders auch, die richtigen Leute kennen. Aber ich könnte mich jetzt nicht beklagen, oder so. Durch's Reden kumman d'Leut' zamm' ;)

 
Wien, Wien nur du allein


Wien generell ist ein interessantes Sammelsurium, in Hinblick auf Künstler und deren Entwicklung in den letzten 60 Jahren. Österreich hatte und hat Potential international im Vergleich mitzuhalten. In diesen Tagen durch das Internet sogar mehr denn je. Interessant, wie EWIG FROST die weitere Entwicklung dieser sehr interessanten Szene sehen: „Es gibt immer wieder ein paar Schmankerln, es gibt ja auch genügend kunstschaffende Musiker – wäre ja schade, wenn nichts passieren würde. Ich denke, dass die meisten Bands oder Projekte keinen Punkt zum Anknüpfen finden bzw. sich auf eine österreichische Musikszene versteifen, was, wenn wir uns mal ehrlich sind, nicht wirklich Sinn macht. Denn wenn man es gut anstellt, kann man durch die AKM zwar ein bisschen Taschengeld rausholen, jedoch gibt es im Metal / Punk Bereich nur wenige bis keine Bands, die z.B. im Fernsehen oder im Radio promotet werden. Und darum geht es ja in Österreich: Mit seinem Projekt in den Medien vertreten zu sein, dadurch innerhalb der Grenzen bekannt zu werden und sich damit seine Gagen zu sichern. Meiner Meinung nach sollte man versuchen, sich über die Grenzen hinaus zu wagen. Die österreichische Gesellschaft strebt nach „bodenständiger“Arbeitsmoral, ganz nach dem Motto: „regelmäßiger Verdienst und ein fixer Job sind die Grundlage für ein unbeschwertes Leben.“ Wie oft bin ich schon gefragt worden, ob ich denn genug verdiene mit meiner Musik – NEIN! Was denkst du denn??? It's a long way to the top!

 
Und die Pläne für die Zukunft wären? „Wir sind permanent am booken. Es stehen schon einige coole Shows am Plan, unter anderem wird an einem kleinen Englandausflug gearbeitet und an einer kurzen Spanien-Runde mit den FRANZ FUEXEN – die man sich UNBEDINGT mal anhören sollte!

 
Gut zu wissen! EWIG FROST, es bleibt weiter spannend und somit wären die letzten berühmten Worte?

 
"Danke jedenfalls für das Interview! Ich kann nur sagen: UNTERSTÜTZT EURE LOKALEN BANDS, DIE SIND WICHTIG!!! Viele große Bands kommen aus einem kleinen Kaff, stell dir mal vor, dein Nachbar war Lemmy und du hättest nie gedacht, dass der es mal zu etwas bringt."

GEHT AUF KONZERTE UND KAUFT MERCH BEI DEN BANDS UND NICHT ÜBER DIVERSE MAILORDER! Weil Merch ist das, was eine Band über Wasser halten kann!" 

 

SUPPORT THE UNDERGOUND!!! PRÖST!"


Gütl Chris

 

EWIG FROST

 

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