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EMIGRATE - Zwischen New York und Berlin

 

Der am 24. Juni 1967 in Wittenberge geborene Gitarrist Richard Z. Kruspe veröffentlicht dieser Tage mit Silent So Longdas zweite Album seines Projektes EMIGRATE. Den meisten von euch dürfte das Ausnahmetalent als Gitarrist der deutschen Formation Rammstein ein Begriff sein. An einem tristen Dezembernachmittag klingelten wir bei Herrn Krupse und seinem Bassisten Arnaund in seiner Heimat Berlin durch.

 

Zu Beginn des Interviews interessiert uns vor allem, wo der Silberling, der mit einigen Hochkarätigen Gästen wie Lemmy (Motörhead), Marillen Manson, Frank Dell (Seeed) oder Jonathan Davis (Korn) aufwarten kann, entstanden ist. Anders als das erste Album, das komplett in meinem damaligen Wohnort New York entstand, ist Silent So Longfast komplett in Berlin aufgenommen worden. Der Großteil der Instrumente wurde in meinem Studio Engine 55 eingespielt, bis auf die Drums. Diese haben wir in einem alten Rundfunkgebäude recorded.eröffnet Richard das Interview. 

 

New York, New York…..

 

Anders als beim ersten Album welches in New York in einem alten Feuerwehrhaus aufgenommen wurde ist Richard mit Silent So Longkomplett zufrieden. Das erste Mal überhaupt hatte er am Ende nichts zu bemängeln. Etwas ziemlich Untypisches für einen Perfektionisten wir Hr. Kruspe. In den letzten Jahren ging es mir immer so, dass ich noch nachträglich gerne etwas geändert hätte, bei all den Alben, die ich aufgenommen habe. Interessanterweise gab es das bei diesem Album nicht.Interessant auch zu erfahren, wo die Unterschiede zwischen den beiden Alben letztendlich liegen, was nicht zuletzt auch an den Aufnahmeorten liegt. Für mich ist einer der größten Unterschiede, dass das Album Nr. 1 ein New Yorker wurde während Silent So Longals richtiger Berliner geboren ist. Du findest diese typischen Berlin-Tugenden auf dem Album. Diese Düsternis und das Launische, was du oft hier findest, lebt auch in diesen Songs etwas mit drinnen.bringt Richard die Berliner Mentalität, die wohl etwas mit derer von Wien zu vergleichen ist, auf den Punkt. Doch es ist nicht der einzige Unterschied, wie selbiger weiter ausführt. Der zweite wesentliche Punkt ist, dass ich als Sänger auch gereift bin. Am Anfang war ich der komplette Anfänger was dieses Feld betrifft. Ich brauchte wohl diese sieben Jahre, die zwischen den beiden Alben liegen, um all die Informationen von damals richtig zu verdauen, um auch den mentalen Switch zu finden wo drauf steht Ich bin jetzt Sänger.

 

Eine Offene Gemeinschaft.

 

War der Gesang für den Perfektionisten anfangs noch sehr schwer und anstrengend, entwickelte sich der ganze Prozess auf Album Nr. 2 zur wahren Freude. Ohne Gesangübungen und nur mit der Einschränkung des Rauchens für gewisse Zeit gingen die Gesangaufnahmen wie von selbst. So abwechslungsreich das neue Album auch klingt, so sehr zieht sich ebenso ein roter Faden durch den Silberling. Im Gegensatz zu Rammstein, wo ein sehr strenges Songwriting herrscht und wenig Raum für Experimente bleibt, scheint EMIGRATE etwas wie ein Befreiungsschlag für Richard zu sein. Die Rammstein-Welt ist für sich ganz geschlossen, die kann auch nur so funktionieren. EMIGRATE hingegen ist eine offene Gemeinschaft, wo Leute immer wieder dazukommen, aber auch weggehen. Ich versuche hier mit vielen Leuten zu kollaborieren und bin ziemlich offen für viele Stilrichtungen. Bei Rammstein kann ich nur eine Seite extrem ausleben. Den Raum für die anderen gibt mir EMIGRATE, ich denke das ist was ganz Natürliches und auch Wichtiges, um seine Balance im Leben zu finden als Künstler.“ 

 

EMIGRATE feat. Frank Dellé (Seeed) - Eat You Alive

 

Die ganz alte Schule.

 

Kommen wir nochmal zurück zu dem Sound des Albums. Alle Songs werden von Richard selbst geschrieben und zusammen mit der Band diskutiert und ausgearbeitet. Ich bin da wohl noch von der alten Schulegibt Richard lachend zu Protokoll und erzählt weiter. Jedes Instrument braucht seine Zeit, das ist ganz wichtig. Man muss dem sehr viel Raum schenken, wenn möglich, bei Aufnahmen. Das Schwierigste für mich wahren definitiv die Gitarren beim ganzen Prozess. Ich habe das ganze Album glaube ich locker fünfmal eingespielt, weil ich irgendwie nicht den Sound zu Beginn fand, den ich wollte. Bis ich dann irgendwann meinen Schlüssel abgeben musste und den Jungs sagte, lasst mich da nicht mehr rein, sonst komm ich da nie wieder raus.stellt Richard immer noch lachend fest und weiter: Da hätte ich wohl auch einen Produzenten gebraucht der gesagt hätte, dass es irgendwann mal reicht. Bei allen anderen Instrumenten haben wir uns die bestmögliche Mühe gegeben. Stell dir vor, man hat einen geilen Drumsound und alles andere klingt irgendwie verwaschen oder schlampig. Ich bin da glaube ich ziemlich deutsch und gebe mir immer sehr viel Mühe.

 

Perfektionistische Vertrauensbasis.

 

Richard begann verhältnismäßig spät mit dem Gitarrespielen, und zwar im Alter von 17 Jahren. Das Spiel von Mr. Kruspe ist ziemlich auf den Punkt gebracht, aber doch abwechslungsreich. Das kommt bei EMIGRATE sehr zur Geltung und hebt die Band vom Rest des Einheitsbreis da draußen auch ab. Der Franzose Arnaund Giroux, Bassist der Band, hat nur lobende Worte für seinen Bandkollegen in dieser Hinsicht über. Ich vertraue Richard komplett bei seinem Spiel und den Dingen die er tut. Er nimmt sich die Zeit und versucht, das bestmögliche aus allem herauszuholen. Manchmal hört er Dinge, die ich gar nicht wahrnehme, weil er ziemlich tief jedes Mal in die Materie in Sachen Sound geht.gibt der Bassist zu Protokoll. Das Zusammenspiel bei EMIGRATE ist Arnaund sehr wichtig und er versucht mit seinem Bassspiel den wuchtigen Gitarrensound noch zu unterstreichen. Es ist ziemlich herausfordernd für mich als Bassist, da das Album auch sehr abwechslungsreich ist. Von harten bis zu elektronischen Elementen ist alles auf dem Album vertreten und dementsprechend sind die Songs auch manchmal sehr komplex. Ich denke, wir versuchen alle zusammen eine richtige Soundwand zu fabrizieren in Sachen EMIGRATE.“ 

 

So befinden wir uns am Ende des Interviews. Fest steht, dass EMIGRATE mit Silent So Longein starkes, abwechslungsreiches Album in die Plattenläden dieser Welt gestellt haben. Richard Z. Kruspe hat erneut gezeigt, dass er musikalisch weit mehr am Kasten hat, als bei RAMMSTEIN hörbar ist und man kann gespannt sein, was in Zukunft da noch auf uns Hörerschaft zukommt. Somit wären die letzten Worte?

 

Dank dir für das Interview und Danke an alle für das Interesse an EMIGRATE. Ich hoffe, ihr findet Gefallen am Album!

 

Gütl Chris

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