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Camo & Krooked im Interview

Markus und Reinhard über ihre Arbeit und Zukunftsmusik.

Euer aktuelles Album ‚Zeitgeist‘ und die Singleauskopplungen sind ganz oben in den heimischen Charts zu finden. Habt ihr mit so einem Erfolg gerechnet?

Reinhard: Wir sind total froh über den österreichischen Erfolg. Von da kommen wir her. Das ist dort, wo die Homecrowd zuhause ist und das ist dort, wo es uns eigentlich am meisten bedeutet.

Markus: Man rechnet immer mit dem schlimmsten Fall, dass in Österreich nicht wirklich viel passiert. Wir sind ja auf einem englischen Lable - Hospital Records - gesigned. Die sind natürlich hauptsächlich auf den englischen Markt konzentriert und da wird das Heimatland oft vernachlässigt. Wir glauben aber noch immer, dass das Heimatland bzw. der Erfolg, der aus dem eigenen Land kommt, das Wichtigste ist. Deshalb sind wir umso glücklicher, dass von deren Seite wirklich guter Support gekommen ist.

Genießt ihr es besonders, wenn ihr im Heimatland spielen dürft? Wo sind für euch die besten Fans zuhause?

Markus: Bei der Tour hat sich mit Sicherheit bestätigt, dass die österreichischen Shows wirklich die besten für uns sind. Die heimischen Gigs sind immer die besten. Man spielt nicht mehr oft in Österreich, aber wenn man hier spielt, ist es um so epischer.

Ihr habt ja relativ lange am Album gearbeitet. Wie hat sich das Ganze entwickelt? Wie ist es so abgelaufen?

Reinhard: Das war für uns auch bei Weitem das größte Projekt, das wir gemacht haben. Diesmal sind wir von Anfang an mit einem gewissen Konzept rangegangen - das hört man auch. Wir haben schon unsere eigenen Influences klar abgesteckt und darum zieht sich auch ein roter Faden durchs ganze Album. Früher sind Tunes recht leicht von der Hand gegangen. Wir haben teilweise zwei in einem Monat geschraubt und jetzt ist es wirklich harte Arbeit. Aber auch deswegen, weil wir unsere eigene Latte sehr hoch stecken. Mit jedem neuen Tune wollen wir diese wieder brechen.

Ihr habt neue Einflüsse ins Album einfließen lassen und ein paar Genres gemixed. Hat sich das während der Arbeit entwickelt, oder hattet ihr schon einen Plan?

Markus: Wir hatten im Vorhinein schon den Plan, ein Album zu machen, das ein bisschen nach 70ern klingt. Das Gute daran ist, dass wir uns dadurch nicht zuweit wegbewegt haben. Es kommen immer wieder neue Einflüsse daher, während man ein Album produziert. Man kann nicht einfach zwei Jahre (wir haben zwei Jahre gebraucht, um das Album zu produzieren) das Gleiche hören und man erweitert natürlich seinen musikalischen Horizont. Man lernt viel dazu, aber wir haben das Ganze wirklich gut durchgezogen und uns an das Konzept gehalten.

Ihr habt ja mit einigen Artists zusammen gearbeitet. Hat sich das durch Bekanntschaften oder Freundschaften entwickelt? Wie kann man sich das vorstellen?

Reinhard: Wir haben ja eigentlich relativ wenige Features. Der Metrik zum Beispiel ist einfach ein guter Freund. Mit dem sind wir seit sechs Jahren eigentlich schon in Kontakt. Er war einer der Ersten, von dem wir immer Feedback geholt haben oder umgekehrt. Die Nächsten sind Lemaitre. Norwegische French-House-Typen, die wir so einfach im Internet gefunden haben. Wir waren total inspiriert und begeistert von dem Sound. Heutzutage ist es so schön: Du schreibst die Artists an und erfährst dann, dass sie eh auch schon Fans von dir sind. Wenn du Glück hast, klappt es dann auch mit der Zusammenarbeit. Einzig der Ian Shaw wurde uns von Hospital Records gestellt. Wir haben genau besprochen, was wir haben wollen und er hat auch genau das geliefert. Wir sind also total happy mit unseren Features.

Kommen wir zum Albumnamen. Ist hier bewusst ein deutscher Name gewählt worden, im Bezug zum Land Österreich?

Markus: Nicht unbedingt. ,Zeitgeist‘ hat deutschen Ursprung und ist von dem Philosophen Hegel ins Leben gerufen worden. Diesen Begriff gibt es schon ewig lange und er ist nicht nur im deutschsprachigen Raum verwendbar. ,Zeitgeist‘ ist ein internationales Wort, das man im Deutschen, Französischen und auch im Englischen versteht. Ein super Wort, das genau die Idee unseres Albums auf den Punkt trifft. Zuerst haben wir befürchtet, dass der Name einen zu politischen Touch hat, aber unsere Musik hat keine politischen Einflüsse. Wir hatten also sozusagen grünes Licht. ,Zeitgeist‘ ist der perfekte Name und ist natürlich auch mal etwas Anderes. Im Drum & Bass is alles immer Englisch. Es gibt eigentlich keinen perfekteren Namen als ,Zeitgeist‘. Ein Wort mit deutschem Ursprung, das es genau auf den Punkt trifft.

Eure Arbeitszeit (wenn man das so nennen darf) ist ja meistens mitten in der Nacht. Seid ihr zu dieser Zeit am produktivsten oder arbeitet ihr auch unter tags?

Reinhard: Ich denke, es war schon einmal schlimmer. Vor zwei Jahren beim letzten Album ‚Cross The Line‘ haben wir teilweise bis 5 Uhr morgens dran gearbeitet und die Arbeit hat uns noch bis in den Schlaf weiter verfolgt. Eigentlich bei ‚Zeitgeist‘ genauso. Da haben wir uns eigentlich zwei Monate an Zeit geblockt, nur um am Album zu arbeiten. Da kannst du fast schon nicht mehr schlafen, weil es das Einzige ist, woran du denkst. All diese Probleme, auf die du stößt bei der Produktion. Wir schauen aber auch, dass wir es schaffen, einen normalen Rhythmus reinzubekommen, was aber schwer ist, weil man am Wochenende sowieso immer mit den Gigs extrem lange auf ist.

Ihr spielt Gigs auf der ganzen Welt, ihr habt die Show bei FM4 und auch die Arbeit am Album. Wie bekommt man all die Arbeit unter einen Hut?

Markus: Man muss immer einen Ausgleich finden und abschalten können. Wenn man von einem Gig heimkommt, braucht man zumindest mal einen Ruhetag. Der ist immer mit eingerechnet. Also Sonntag und der Großteil vom Montag bis zum Abend wird gefaulenzt sozusagen. Montag bis Donnerstag ist eigentlich immer für Studioproduktionen reserviert, beziehungsweise für Vorbereitungen fürs DJ-Set oder fürs Wochenende. Die Zeit verfliegt wie nichts Anderes. Oft ist die Woche so schnell vorbei, es ist Freitag und man muss wieder zum Flughafen. Ein gutes Zeitmanagement ist essenziell für den Erfolg.

Vielen DJs wird nachgeredet, dass sie nur die Tracks spielen. Ihr seid zu zweit hinter den Turntables und man sieht euch immer fleißig an den Reglern drehen. Erklärt den Fans bitte, was bei euch so hinter den Turntables abgeht.

Reinhard: Da wir zu zweit sind, wollen wir auch eine spezielle Show liefern. Wir haben einen Headphone-Splitter. Wir arbeiten auf drei CDJs und einem Mixer. Alle 20 bis 40 Sekunden kracht ein neuer Tune rein. Wir haben auch noch ein iPad angesteckt mit einem Sampler, usw. Es geht also schon immer ziemlich ab. Uns ist es wichtig, dass wir das auch spüren, während wir auflegen, damit wir auch immer 100 % drauf sind. Nach einem 1,5-Stunden-Set sind wir immer total am Ende.

Zum Abschluss: Was können sich die Fans von euch in Zukunft erwarten?

Markus: Die ,Zeitgeist‘-Tour wird gerade mit unseren Visual-Leuten (den Optical Engineers und den Paranormal Unicorns) weiter geplant. Ein extrem kompetentes Team. Wir haben schon Pläne fürs nächste Album. Nicht im Sinne eines DJ-Sets, sondern eher in eine Richtung, die vielleicht mit einer Liveband verwirklicht wird. Das ist natürlich alles noch Zukunftsgerede. Man muss ja auch die richtigen Musiker finden und man muss sich wohlfühlen. Aber das Erste ist vorerst mal wieder, neue Musik zu machen und mit unsem nächsten Album zu beginnen.

Drum & Bass | Marc Schwarz | |

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