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BRANT BJORK - Direkt aus der Wüste

Ein Interview mit BRANT BJORK ist nie eine leichte Angelegenheit. Nicht weil dieser interessante Musiker nicht redselig ist, sondern weil man gerne in Gesprächen über Musik, Kultur und den Einfluss derer auf die Gesellschaft stundenlang diskutieren könnte und dies jeden Interviewrahmen sprengt. So auch dieses Mal, wo uns der Mann, der bei Bands wie KYUSS und FU MANCHU die Schlagwerke bediente, ausführlich Auskunft zum neuen Solo Album „Black Power Flower“ und seiner eigenen Geschichte gibt.

Es fühlt sich großartig an, wieder auf Tournee zu sein, besonders nach Jahren, in denen ich nur mit KYUSS LIVES und VISTA CHINO unterwegs war“, eröffnet der sichtlich entspannte Mr. BRANT BJORK das Interview und gibt weiter über den alten Kontinent zu Protokoll: „Schon beim ersten Mal, als ich mit FU MANCHU nach Europa kam, war es großartig, es ist vieles anders hier als in Amerika. Mir gefällt diese Atmosphäre, der Kulturmix und diese verschiedenen Menschen, die man unterwegs trifft!


 Black Power Flower


Das letzte Mal, als Brant unsere Gefilde beehrte war im Jahre 2010 im Zuge der Tournee zum Album „Gods And Godesses“, welche ihn unter anderem nach Salzburg und auch in die Arena Wien führte. Nach vier Jahren anderweitiger Beschäftigungen hat BRANT BJORK genügend Zeit gefunden, um mit der Low Desert Punk Band, bestehend aus guten alten Freunden, ein neues Album mit dem Titel „Black Power Flower“ einzuspielen. „Der Titel des neuen Albums ist ein Zusammenschluss aus drei Wörtern, die ein Gefühl meinerseits ausdrücken, das ich hatte, während ich die Musik für das Album schrieb. Mir gefällt die Idee der 'Black Power' in Kombination mit der berühmten 'Flower Power'“. Interessant auch zu erfahren, was hinter dieser „Black Power“ steckt. „Für mich macht diese Power Licht, da wo es dunkel ist, nur dass es von einer komplett anderen Seite wie die Flower Power kommt, die im Endeffekt dasselbe tut“, erklärt Brant und weiter: „Es ist wie ein großes Zusammentreffen dieser beiden Energien und für mich ist die Blume in diesem Bezug das Blatt der Marihuanapflanze, die eine Art Brücke für mich darstellt“, bringt der Gitarrist mit einer Affinität für verschiedene Musikrichtungen den Titel des neuen Albums auf den Punkt. Musikalisch darf man sich in jedem Falle auf einen interessanten Silberling freuen, der sehr viele Spielarten der Rockmusik in sich vereint und eine ganz lebendige Sound-Atmosphäre entstehen lässt.  



 

Alte Geschichten

 

In der aktuellen Besetzung der Low Desert Punk Band lässt sich auch ein bekanntes Gesicht wieder erkennen. Bassist Dave Dinsmore dürfte so manchen Musikinteressierten noch von dem Projekt CHÉ bekannt sein, wo selbiger im Jahre 2000 zusammen mit Brant Bjork und Alfredo Hernández das Album „Sounds Of Liberation“ einspielte. Leider ist es bislang nur bei diesem einen Werk geblieben. „Interessant, dass du das erwähnst, wir haben gerade vor kurzem darüber wieder gesprochen. Es ist ziemlich genial, dass Dave ein Teil der Low Desert Punk Band ist. Wir kennen uns schon ewig und sind ziemlich eng befreundet. Es war damals vor 14 Jahren auch großartig, das Album mit ihm einzuspielen und wir haben vor kurzem mal darüber nachgedacht, vielleicht doch ein zweites Werk aufzunehmen. Aber das sind nur Gedanken, mal sehen“, und weiters zur Geschichte des Projektes erklärt mir Brant: „CHÉ ist zu einer Zeit entstanden, in der Dave und ich zusammen draußen in der Wüste lebten. Dave hat UNIDA den Rücken gekehrt, Alfredo legte die Sticks bei QUEENS OF THE STONE AGE zur Seite und ich machte gerade Pause von den vielen Tourneen mit FU MANCHU. Wir jammten einfach miteinander und irgendwann begannen wir einfach, das Zeug aufzunehmen weil es großartig klang.“ Ein Vorteil zur damaligen Zeit war es, dass das Album frei von irgendwelchem Druck, Terminen oder Erwartungen war und frei aufgenommen und eingespielt werden konnte. Oder wie Brant es beschreibt, ist das der Spirit des Albums im Generellen.

 

Musik aus Überzeugung

 

Einen Spirit den man auch auf dem Album „Black Power Flower“ wieder finden kann. Zwischen beiden Platten sind nun an die vierzehn Jahre vergangen und eines hat sich seit dem nicht geändert: Der Abwechslungsreichtum, die Experimentierfreudigkeit und der Mix aus vielen verschiedenen Einflüssen aus der weiten Welt der Rockmusik. Eines der Markenzeichen von BRANT BJÖRK seit Beginn seiner Solokarriere.

Seine Einfüsse erklärt der Gute so: „Früher, als ich jünger war, gab es für mich fast nur Rhythm and Blues-Musik. Ich hab einfach eine Gitarre in die Hand genommen und gespielt, habe nie Unterricht genommen. Ich spielte einfach den Blues, er war in mir und kam so auf diesem Wege aus mir raus. Es dauerte nicht lange und ich entdeckte für mich den Punkrock. Vieles der Musik hat natürlich wenig mit Blues zu tun und ist mehr aggressiv, aber ich liebe die Energie in den Songs und die Bewegung, die dahinter steckt. Es inspirierte mich auch dazu, in einer Band zu spielen und ich war davon überzeugt, in einer Punkrock-Band zocken zu wollen. Da es allerdings keine Kinder in meinem  Alter interessierte, Musik zu machen, spielte ich zusammen mit den älteren und entdeckte schnell Bands wie Grateful Dead oder Jimi Hendrix. Lustigerweise spielte ich dann zum Schluss in Bands, denen es vor allem um eines ging: Jammen. Und das ist bis heute einer meiner größten Einflüsse. Das ist anders gekommen als geplant, was?“, erklärt mir ein lachender Brant seinen musikalischen Werdegang.

 

Während des Interviews fällt immer wieder die Wüste als Lebens(-feindlicher?) Raum und als Start von all dessen was BRANT BJORK als Musiker und Mensch im Jahre 2014 ausmacht. Auch alle Mitglieder der Low Desert Band sind alte Weggefährten, mit denen der begnadete Schlagzeuger und Gitarrist aufgewachsen ist und schon zusammen in den legendären Desert Sessions gespielt hat. ‚Es ist alles, was ich kenne und ich möchte auch nirgendwo anders leben. Aber ehrlich gesagt - es war als Kind auch wirklich langweilig dort und es war und ist immer noch verdammt heiß. Wir waren jung und wir hatten so viel Energie, die wir nicht ausleben konnten. Die Wüste ist nichts für Kinder, nur etwas für alte Leute, die sich zurückziehen zum Sterben oder die viel Geld haben, um z.B. Golf zu spielen. Wir hatten einfach nichts zu tun. Wir sind die ganze Zeit Skateboard gefahren und sind in die Musik eingetaucht“, erklärt Brant seine Heimatgegend.

 

 

 

Einfach echt, einfach ehrlich

 

Die berühmten Textzeilen von Black Flag „I have a six pack and I have nothing to do, I have a six pack and I don’t need you“ ist die perfekte Kurzbeschreibung der Jugend von BRANT BJORK, wie mir selbiger lachend bestätigt. „Mann, Black Flag, das waren unsere Helden!“, und die sind es bis heute neben einer Vielzahl anderer großartiger Bands. Musik aus den 70er und 80er Jahren erfreut sich wieder großer Beliebtheit und erlebt seit einigen Jahren wieder eine gewisse Auferstehung. Eine Entwicklung, die Mr. Bjork gut nachvollziehen kann. „Ich denke, Menschen sind auf der Suche nach etwas Echtem, was Handgemachten, das einen Ausdruck hat. Ich glaube, Technik generell macht nur für einen kleinen Prozentteil der Menschen dieser Erde Sinn, nicht jeder will das. Und das gilt auch für Musik, in meiner Kindheit hörten alle in meiner Nachbarschaft KISS, ich mochte KISS, war aber mehr von den damaligen D.R.I beeindruckt. Deren Musik war so echt, dass es mich einfach nur schockte. Es war einfach echt, es war einfach ehrlich! Es klang so schlecht, dass es schon wieder geil klang! Haha! Um deine Frage zu beantworten: Ich denke, es wird immer Menschen geben, die was Echtes wollen, die die Erde spüren wollen. Die einfach hören wollen, dass es echt ist! Es ist doch das Gleiche wie mit dem Essen. Man will vitaminreiches Essen, damit man was Gutes zu sich nimmt und nicht etwas essen, was 'leer' ist!

 

Und die letzten famosen Worte wären?

 

Danke für das interessante Interview, Danke an alle, die das neue Album kaufen werden und ich hoffe, wir sehen uns alle irgendwo auf der Tour. Keep It Rockin! Keep It Rollin!

 

Gütl Christoph

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