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ANNA KATT - Ein musikalischer Striptease

ANNA KATT ist ein Akustik-Projekt, bestehend aus der aus Schweden stammenden Kristina Lindberg, ihrem Mann Stefan Lindberg an der Gitarre, Manu  Mitterhuber an der zweiten Gitarre und Clemens Pichler am Bass. Das neue Album „Blue Or Grey“ wird am 27. Februar veröffentlicht und aus diesem Grund trafen wir uns mit dem sympathischen Duo Kristina und Stefan im Café Stern in der Linzer Innenstadt.

 

Aufgenommen haben wir das Album in Linz, abgemischt hat es Stefan mit seinem Bruder in dessen Studio in Berlin. Wir haben rein für die Aufnahmen des Albums ganze fünf Tage benötigt.“ eröffnet Kristina das Interview. Wer die Protagonisten hinter dem Projekt kennt, wird sich etwas wundern wie man von der elektronischen Schiene komplett in die akustische wechselt. Das Paar hat dafür aber eine überzeugende Erklärung parat. „Wir brachten vor kurzem unser zweites Kind zur Welt und hatten somit schlicht und ergreifend einfach nicht die Zeit dazu Musik zu schreiben oder zu produzieren. Es machten sich auch in uns Zweifel breit, ob wir je wieder Musik machen werden, worüber wir viel diskutierten.“ erklärt Kristina, doch kreative Köpfe finden immer einen Weg, auch wenn es in diesem Falle eher aus Zufall passierte. „Eines Tages hat sich Stefan einfach die Gitarre geschnappt und zu spielen begonnen, während ich dadurch wieder begann Texte zu schreiben. Wir beließen es schlussendlich bei der Kombination Gitarre, Gesang und Wein (beide lachen).“ 

 

Es fehlte etwas. 

 

Stefan fügt dazu noch an. „Als junge Eltern sitzt du viel zuhause und hast natürlich schon auch Zeit Musik zu machen, aber du kannst nichts ins Studio gehen, das ist das Problem. Doch wie schon Kristina erzählte, passierte dann alles von selbst. Die Songs sind wie von selbst entstanden. Nach mehreren Sessions, auch mit Freunden zusammen, hatten wir an die zehn Songs fertig und dachten uns zuerst ob wir die auch produzieren sollten, doch stellten wir fest, dass sie auch schon so gut funktionierten. Wir haben zwar zwei Nummern elektronisch produziert, aber schlussendlich gefiel uns das Akustische doch besser.“ 

Das Album selbst fällt sehr ruhig, in sich gekehrt und vor allem berührend aus. Die zwei Gitarren, die auf die starke Stimme von Kristina treffen, bilden eine angenehme Welle, die einen die Ruhe genießen lässt, die diese Musik ausstrahlt. „Gitarren waren bei uns schon immer eines der wichtigsten Elemente im Songwriting, sozusagen der Pilot, aber je ausgefeilter die Stücke wurden umso schneller verschwand sie wieder von dieser Position“ erzählt Stefan und weiter. „Es hat definitiv früher Stücke gegeben, die zu Beginn rein akustisch waren und wo am Ende das meiste durch Beats und Samples ersetzt wurde. Das Einzige, was dieses Mal neu am Prozess war, ist, dass wir eine zweite Gitarre ins Boot holten um der musikalischen Freiheit willens. Beim Arrangement ist man so mit einer Gitarre doch ziemlich eingeschränkt.“ Worauf der zweite Gitarrist Manu Mitterhuber den Weg zu ANNA KATT gefunden hat. „Wir haben uns zu dritt getroffen und nach einigen gemeinsamen Sessions war klar, dass wir gemeinsame Sache machen.

 

Anna Katt - live studio session


Das geht auch ohne Drummer

 

Manu war auch von Anfang an dafür, die elektronischen Parts in der Musik wegzulassen, dafür spielen wir alle drei live mit dem Shared Drum Prinzip. Kristina spielt die Snare, ich spiele die Hi-Hat und Manu ist für die Kick-Drum verantwortlich.“ Kristina dazu. „Anfangs war das gar nicht einfach von den gewohnten Drum-Sounds wegzukommen, da jeder doch von uns für sich unabhängig spielt. Doch mit der Zeit haben sich hier ziemlich interessante Rhythmen gebildet und inzwischen sind wir schon sehr gut aufeinander eingespielt.“ Eines der Stärken von „Blue Or Grey“ ist die, wie schon oben angesprochene, Ruhe, die das Album beim Hören ausstrahlt. Doch für die beiden Künstler steckt noch viel mehr hinter ihrem neuen Werk. Stefan dazu. „Ein Punkt, warum ich so extrem zufrieden bin mit dem Album ist, dass es einfach eine Lebensphase von uns super festgehalten hat. Es ist extrem authentisch. Das Album hat sich quasi selbst erbaut. Es hat zu keinem Punkt Diskussionen gegeben, wie das Album zu klingen hat oder in welche Richtung wir arbeiten.“ Für Kristina selbst gehörte auch eine gewisse Portion Mut um ein Album wie „Blue Or Grey“ zu schreiben. „Aus der Ecke, wo wir herkommen, war es bei diesem Album schon eine gewaltige Umstellung für uns. Wir mussten aus unserer Komfortzone raus und etwas mutiger als sonst sein, was sich schlussendlich bezahlt machte. Und wer weiß, vielleicht geht es so weiter oder wir wandern wieder zurück von wo wir musikalisch stammen. In diese Richtung sind wir offen für Alles, wir werden definitiv noch weiter an unserem Sound arbeiten“ Während des Interviews wird klar, dass die eigene Vergangenheit im musikalischen Sinne auch ein wichtiger Bestandteil hinter dem Werk ist, auch wenn man dies nicht hört. Umso mehr interessant zu erfahren, wie die Geschichte in dieser Richtung aussieht.

 

Zurück in die Zukunft.

 

Stefan dazu. „Ich habe vorher in Salzburg gelebt und dort in fünf bis sechs Bands gleichzeitig gespielt (lacht) und habe letztendlich mit einem Produzenten begonnen, das erste Mal elektronisch zu arbeiten. Das war zu einer Zeit, wo man das alles noch mit Bandmaschine aufnahm, was ein sehr spannender Lebensabschnitt für mich war. Man startete neue Versuche und Projekte, was zu Beginn gut funktionierte. Nach dem Studium verschlug es mich wieder zurück nach Linz, wo ich Kristina kennenlernte.“ und weiter. „Ich stand zu der Zeit extrem auf diesen Trip Hop Sound mit weichen Stimmen und war auf der Suche nach so einer. Als ich Kristina das erste Mal Singen hörte, war es vorbei und das war dann der Start der ganzen Geschichte.“ Die gebürtige Schwedin knüpft an die Geschichte an. „Ich wusste zu Beginn gar nicht, was er vorhatte und zu Beginn spielten wir nur Cover-Geschichten während das gesamte immer mehr Formen annahm. Mein Vater hat sehr viel Jazz gehört und das hat mich sehr beeinflusst.“ Während dieser Erklärung drängt sich doch die Frage auf, was einen von Schweden in das ferne Österreich verschlägt. „Ich bin als Au-Pair-Mädchen hergekommen (lacht). Ich wollte einfach schnell weg von zuhause, weil ich in die Welt hinauswollte und bin schlussendlich in Linz gelandet (lacht). Ich habe dann während meiner Zeit hier Leute aus dem Tanzbereich kennengelernt, wo ich auch ursprünglich herkomme. Das führte auch zu dem Entschluss zu bleiben, weil es mir hier sehr gut gefällt und jedes Mal, wenn ich mich dann doch wieder entschloss zu gehen, ist mir was dazwischen gekommen. Musik hat mich immer begleitet und zu Beginn habe ich nicht mal geglaubt, dass meine Stimme für ein Solo-Projekt ausreicht. Aber ich durfte dann erleben, dass es sehr wohl Musikrichtungen gibt, wo meine Stimme mehr als genug ausreichend ist. Eine schöne Erfahrung!

 

LAINE - LADYLIKE feat. Didi BRUCKMAYR


Eine gro
ße Portion Mut

 Stefan produzierte zu dieser Zeit mit seinem Bruder im hauseigenen Studio die ersten Trip Hop -Sounds. Wenig später lernten die beiden zwei weitere Produzenten kennen und fingen an mehr aus der Sache zu machen an. Mit Kristina kam dann noch die richtige Stimme zum Quartett hinzu. „Mit ihr haben wir dann auch die erste Platte geschaffen, was der Start für unser Projekt Laine bildete, mit dem wir doch über zehn Jahre aktiv waren. Drei Longplayer, zwei EPs und mit dem zweiten Longplayer waren wir dann auch auf dem Label von Parov Stelar. In dieser Zeitsang Kristina auch für andere Acts gewisse Parts bei verschiedenen Aufnahmen ein, dadurch hat es einen ziemlich regen Austausch gegeben in der Linzer Szene. Man half sich einfach, wo man konnte.“ Die Musikszene der Stahlstadt war schon immer bekannt für einen gewissen Abwechslungsreichtum, den man vielleicht im ersten Moment nicht erkennen kann. Doch wie es oft meist ist, gilt der Prophet im eigenen Lande nichts. Kristina dazu. „Ich finde es ziemlich schade, dass vielen ausländischen Künstlern meist mehr mediale Präsenz eingeräumt wird als den heimischen. Es gibt extrem viele gute Musiker in diesem Land. Da braucht man sich im internationalen Bereich nicht verstecken.“ 


Neues Selbstbewusstsein 

Doch nicht alles ist schwarz und grau wie Stefan zu Protokoll gibt. „Ich habe es früher extrem mühsam gefunden in Österreich Musik zu produzieren, doch jetzt in jüngster Zeit merken wir alleine durch das neue Album, dass das Interesse an heimischen Künstlern wieder steigt. Es bildet sich momentan ein neues Selbstbewusstsein in der Österreichischen Kulturlandschaft. An Beispielen anhand von Künstlern wie Parov Stelar oder Bilderbuch sieht man, dass es sehr wohl möglich ist in Österreich als Musiker zu arbeiten, auch wenn diese einen längeren Weg gehen mussten. Ich bin der Meinung, dass dies eine große Motivationen für junge Acts und Künstler ist ihren Weg zu gehen.“ 


 Schön langsam biegt das Interview in die Zielgerade, wo noch die Frage im Raum stehen bleibt, was im Jahre 2015 noch im Hause ANNA KATT passiert. „Wir haben ein Video geplant, das wir im Frühjahr drehen werden. Davor am 27. Februar kommt das neue Album in die Läden. Am 6. März feiern wir in den Tabakwerken in Linz die Release Party des neuen Albums. Wir freuen uns schon sehr darauf. Wir wollen uns auch vermehrt live präsentieren und sind offen für alle Anfragen.


Gütl Christoph

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Chris Gütl | World music | |

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