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AGES - Kreative Befreiungsschläge

AGES - BEFREIUNGSSCHLÄGE

 

 Mit der ersten Singleauskopplung Returnmachte das Projekt AGES das erste Mal im Jahre 2014 von sich reden. Drei weitere Singles später, welche durch Plattformen wie FM4 unterstützt wurden, erschien das Debütalbum Roots“ schließlich im November letzten Jahres. Wir haben uns mit dem Trio an einem Freitag Nachmittag in der Linzer Innenstadt getroffen und in urbaner Atmosphäre über das neue Album, Befreiungsschläge und weitere spannende Themen unterhalten.

 

Hervorgegangen ist AGES aus den Trümmern von A.G.Trio. Als wir von der letzten Tournee unter dem Banner A.G.Trio nachhause gekommen sind war die Luft draußen!eröffnet die sympathische Combo das Interview. Was wir früher gemacht haben ist uns in einer gewissen Weise schon gegen den Strich gegangen. Die Musik war mehr auf Party ausgelegt und wir hatten einen ziemlich ironischen Unterton in unserem Sound inne. Dadurch konnten wir uns mehr abheben, aber je mehr die Szene in den Mainstream gekippt ist umso schwieriger wurde das Feld für uns. Wie willst du noch auffallen wenn die Persiflage so klingt wie das Original? Da haben wir uns selbst etwas abmontiert, wenn man so möchte.


Trotz allem setzte man sich hin und begann ein neues Album unter dem Namen A.G.Trio zu produzieren, das ganze ging aber dann in eine komplett andere Richtung.
Als wir mit dem Schreiben des Materials fertig waren und eine ganze Festplatte mit Material gefüllt hatten, stellten wir schnell fest, dass es Zeit für etwas Neues wurde. Wir wollten diese neuen Songs nicht mehr unter unserem alten Namen veröffentlichen um nicht eingeschworene Fans vor den Kopf zu stoßen. Wir sind da auch nicht böse, wenn welche kommen und meinen Hey, das gefällt mir nicht mir was ihr macht!Das ist völlig legitim, man kann nicht jedem gefallen und wir wollen das auch nicht.



Ages - Chances (feat. Johannes Eder)



Neuer Sound, neues Glück

 

Wie schon oben angesprochen, sorgte die erste Auskopplung für einiges Aufsehen innerhalb der Szene. Das lag aber nicht zuletzt daran, dass man schon über einiges an Erfahrung verfügte, was das Vertreiben von Musik abgelangt. Der Unterschied zu damals ist definitiv der, dass wir von Beginn an wussten, wen wir mit welchen Informationen versorgen mussten. Das machte das ganze schon einfacher für uns. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch viel Arbeit das neue Projekt bekannter zu machen und voran zu treiben. Veröffentlicht haben wir den Silberling über unser eigenes Label, nur den Vertrieb lassen wir von anderen steuern. Momentan findet das Album vor allem im deutschsprachigen Raum Anklang, wir hatten uns zwar erhofft, dass wir das alte schneller auf das neue umlegen können in Sachen Internationalität. Dem war aber nicht so. Bislang wissen wir, dass - wie beim A.G.TRIO - der osteuropäische Raum wieder sensationell interessiert ist und die Platte auch in Frankreich gut ankommt.

 

Der Sound von AGES ist alles andere als einfach in eine Schublade zu stecken. Viele verschiedene Einflüsse treffen aufeinander und werden zu einem großen Ganzen. Dies war auch ein kreativer Befreiungsschlag, wenn man so will. In die Produktion sind wir ja, wie gesagt, reingegangen mit dem Ansinnen ein neues A.G.Trio zu schreiben. Wir haben uns dabei nicht viel gedacht und uns mehr von unserem Gefühl leiten lassen. In dieser Phase war es auch nicht sicher, ob wir nochmalig einen gemeinsamen Weg als Trio finden. Glücklicherweise hat sich dann das Gegenteil herausgestellt. Es war bzw. ist auch eine Art kreativer Ausbruch, in dem man wirklich den Sound machen kann, der einen Interessiert. Man hat keinen Druck von außen oder muss irgendwelche Erwartungen erfüllen. Ein angenehmes Gefühl, keine Scheuklappen oben zu haben. Das hatte ziemlich sicher großen Einfluss auf die Produktion der einzelnen Songs. Es wird spannend, ob wir uns diese Freiheit bei den kommenden Alben weiterhin behalten können oder ob wir wieder in ein gewisses Schema fallen. Momentan behalten wir uns aber genau dieses Schema vor und gehen komplett nach unseren Köpfen! Wer weiß, gestern waren wir beim A.G.TRIO heute sind es AGES, morgen ist komplett offen und wir werden definitiv wo anders sein.



Ages - Hymn (feat. Inner)



Mehr Möglichkeiten

 

Die einzelnen Tracks von Roots“ überzeugen mit Abwechslung, feinem Songwriting und einer Vielzahl von nationalen wie internationalen Gastsängern. Eintönigkeit wird man schwer in diesem Silberling finden. Ausgewogen und auf den Punkt produziert, schallt das Album aus den Boxen. Interessant zu erfahren, dass kein Instrument in echteingespielt sondern alles mit Synthesizern und Programmen aufgenommen wurde. Dies bringt aber auch seine Vorteile mit sich. Wenn du als Band zum Beispiel aufnimmst, hast du nur begrenzte Möglichkeiten in diese Richtung. Wir tun uns leichter, wenn uns etwas nicht gefällt oder nicht passt, so können wir es einfacher wieder rückgängig machen und neu ausbauen.

Da stellt sich aber unmittelbar die Frage, ob es da nicht gefährlich wird kein Ende bei den Songs zu finden? Nein, wir tun uns das relativ leicht einen Song abzuschließen. Da wird nicht lange rumgefackelt. Schafft es einer nicht in die finale Phase, dann wird er zur Seite gelegt oder verworfen. Das hat dann meist einen Grund warum er nicht fertig geworden ist.Das Songwriting selbst läuft im Grunde genommen dann allerdings meist unabhängig voneinander ab. Wir sitzen definitiv nicht zweimal die Woche zusammen und schreiben gemeinsam Tracks, nein, wir kommunizieren sehr viel miteinander und arbeiten unabhängig voneinander. Es ist ein ständiger Feedback-Prozess, in dem wir uns gegenseitig versuchen weiterzubringen.


Meinungen von außen sind dann noch so eine weitere Sache, die zwar willkommen, allerdings als Künstler manchmal nicht gerade leicht zu verdauen sind. Das stimmt schon, man hört ja generell im Leben nicht wirklich gerne die Wahrheit aus dem Munde von anderen. Besonders dann, wenn du weißt wie viel Arbeit in einem einzelnen Track zum Beispiel steckt. Dann kommt jemand um die Ecke und erklärt einem, dass dies und das nicht passt. Das ist völlig OK, aber irgendwo muss man den Punkt als Musiker
auch finden um zu sagen, neindas ist vollkommen in Ordnung so.



Ages - I Want It (feat. Laura Goméz)

 


Qualität vor Quantität



Wie zu Beginn erwähnt, war es auf der einen Seite nicht einfach wieder von vorne zu beginnen, auf der anderen Seite kann man sich derzeit aber nicht vor Konzertanfragen retten. Dort, wo andere Bands jede Steckdose suchen um bekannter und präsenter zu wirken, gehen AGES mehr nach dem Motto Qualität vor Quantität. Es ist bei jeder Anfrage die Qualität der Show entscheidend. Können wir das umsetzen, was wir uns vorstellen, in welchem Rahmen ist es möglich? Du musst wissen, jede AGES Show ist eine andere vom ganzen Rundherum. Wir arbeiten hier eng mit einem Licht-Designer zusammen, der für uns eine spannende Lightshow konzipiert hat, die aber einfach mitzunehmen ist. Deswegen soll das nicht arrogant oder dergleichen klingen, uns ist einfach wichtig, dass wir eine gute Show für die Fans und Zuhörer bieten möchten und das auf einem hohen Niveau.

 

Stichwort Konzerte, genau das ist stets eine weitere Herausforderung gewesen. Früher gab man sich mit Turntabels, einem Mikro und späten Spielzeiten zufrieden. Es war uns völlig bewusst, dass wir den Sound jetzt vor Leuten performen, die nicht unbedingt dazu tanzen werden. Früher wusstest du, wenn sich die Menge bewegt, funktioniert die Show, jetzt ist es doch etwas schwieriger für uns die Reaktionen zu deuten. Das war definitiv eine große Umstellung für uns, die uns bislang gut geglückt ist. Das kann man alleine an dem dingfest machen, dass schon viele Fans nach der Show zu uns kommen und sehr begeistert sind, wie das neue Material klingt und wie es live rüberkommt.

Auf dem Album sind ja einige GastsängerInnen zu finden, live performt man am meisten mit Sängerin Lea, welche auf drei Tracks des RootsAlbums zu hören ist. Natürlich schauen wir, wo wir spielen welcher von unseren Gastsängern greifbar wäre. Aber den Großteil der Show performen wir zusammen mit Lea. Das könnte sich möglicherweise auch auf die Produktion von neuem Material zusammen mit ihr auswirken. Man lasse sich überraschen."

 

Chris Gütl


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