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AEONS OF ASHES - Alte Bekannte auf neuen Wegen....

 

Die Metalszene in Österreich wächst und wächst. Neben all den altgedienten Helden wagen sich auch immer mehr neue Partien auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Eine diese Combos sind die Jungs von AEONS OF ASHES aus dem kleinen, aber feinen St. Pölten. Ich bat Sänger Tim – vielen sicher von seiner alten Band TRASHCANNED eine Begriff – zum Interview.


Wie so oft ist es interessant zu erfahren, wie sich alles ergeben hat. Auch in diesem Fall stand zu allererst eine Idee im Raum, die nach und nach zur Wirklichkeit wurde. „Begonnen hat alles im Sommer 2012. Mein bester Freund Jorgo hatte gerade mit EPSILON den Wacken Metal Battle Austria gewonnen, wollte dort aber aussteigen. Ich plante nach 9 Jahren TRASHCANNED gerade unsere Abschiedsshows. Nach ein paar Bierchen im Garten war uns rasch klar, dass wir gemeinsam eine neue Band auf die Beine stellen wollten. Es ging dann ziemlich schnell – mit meinem Bassisten Mexx war der dritte Mann rasch an Bord. Und Jorgo verpflichtete Drummer Carlo, der knapp davor aus Italien nach Wien gezogen war“, bringt Tim den Entstehungsprozess von AEONS OF ASHES auf den Punkt.
Die Suche nach einem zweiten fähigen Gitarristen gestaltete sich dann allerdings ziemlich langwierig. Ein halbes Jahr sollte vergehen, bis Tim in seinem St. Pöltener Metal-Stammbeisl „Underground“ den lang gesuchten Gitarristen kennenlernte. „Ich habe im Februar 2013 Georg live als Aushilfssänger bei PSYCHOSPANK erlebt, und bin zufällig an dem Abend mit ihm in Kontakt gekommen. Nach ein paar Bieren hatte ich ihn soweit, bei uns vorzuspielen.“ Gesagt, getan. Schon am Ende dieser ersten Probe war klar, dass mit Georg der „Missing Link“ gefunden war.

 

Augen zu und durch!


AEONS OF ASHES sind soundtechnisch ein ziemliches Brett, das solide in der Melodic Death/Thrash Schiene daherbrettert, allerdings des Öfteren ziemlich positiv in andere Richtungen ausschert. Entstanden ist ihr erster Silberling unter der Aufsicht von Norbert Leitner. „Er ist ein absoluter Top-Mann in der österreichischen Metalszene!“, streut Tim seinem Produzenten Rosen. „Die Aufnahmen waren sehr professionell, in super Atmosphäre. Von Anfang hat hat man auch gemerkt, dass alle Bandmitglieder schon Erfahrung mitbrachten, was den Prozess enorm beschleunigt hat!


Der Mann mit eher weicher Sprech-, aber einer „Sing“-Stimme, gegen die ein Abbruchhammer noch milde klingt, erzählt, worauf beim Songwriting Wert gelegt wird – bei der Masse von Bands und Richtungen da draußen ist es ja alles andere als ein leichtes Unterfangen, noch hervorzustechen. „Wichtig ist uns vor allem, dass wir unser Ding durchziehen und die Art von Musik machen, die UNS gefällt – wir legen es nicht darauf an, in ein bestimmtes Genre zu passen, wir haben keine Angst dass die Leute auch mal Metalcore- oder Black Metal-Einflüsse heraushören. Aber Melodic Death ist sicher ein Haupteinfluss und nebenbei vermutlich das Genre, das am ehesten der gemeinsame Nenner unserer Musikgeschmäcker ist.


Spannend zu erfahren, dass Tim innerhalb der Band als „Diktator“ gilt. „Unser Gitarrist Georg hat das Gefüge zuletzt sehr treffend beschrieben: „Wir haben zwei instrumentale Masterminds (die Gitarristen Jorgo & Georg), zwei Text-Masterminds (Tim & Georg) und einen Diktator (Tim), der über Sein oder Nicht-Sein entscheidet.“ Der Rest passiert wie bei allen anderen Bands dann mit technischen Helferlein á la CuBase und Co. Während sich die restlichen Bandmitglieder schon Gedanken machen können, wie der Song klingt, bevor er überhaupt geprobt wird, hält sich mein Interviewpartner allerdings noch zurück. „Ich warte meist ab und schaue mir im Proberaum an, welche Stimmung eine Nummer vermittelt, bevor ich mir einen Text überlege“, setzt Tim einen Strich unter den Kreativprozess der Band.

 

AEONS OF ASHES - Remember My Name


Im Osten viel Neues.


AEONS OF ASHES stammen wie schon erwähnt aus dem östlichen Teil Österreichs. St. Pölten, Hauptstadt von Niederösterreich, ist alleine schon durch das legendäre STP Metal Weekend und Bands wie den Deathern von EPSILON szenebekannt. „St. Pölten hat sich extrem gemausert in den letzten Jahren. It’s a great place to live. Genug Lokale und Geschäfte, um ausreichend Auswahl zu haben – aber die Szene ist klein genug dass man sich kennt. Ich schau aus dem Fenster ins Grüne, hab gute Luft und wunderschöne Naherholungsgebiete mit mehreren Seen – aber ich bin mit dem Zug oder dem Auto in einer halben Stunde in Wien“, liefert Tim ein Plädoyer und eine gute Imobillien Beschreibung für St. Pölten. „Dank Frequency ist St. Pölten jedes Jahr für ein paar Tage Nabel der Musikwelt. Mit dem ‚Freiraum‘ haben wir einen der coolsten Clubs Österreichs. Den besten Bands werden von der Stadt Proberäume mit Tageslicht statt Schimmelbefall zur Verfügung gestellt. Gratis, wohlgemerkt!“ Kein Wunder dass die lokale Szene boomt, und sich St. Pölten langsam zur Metalhauptstadt entwickelt hat. "TRASHCANNED und EPSILON waren über Jahre hinweg dominierend und maßgeblich beteiligt, aber es kommt auch viel Gutes nach: „BRUTE sind die aktuellen Metalchamp-Sieger, unsere Proberaum-Nachbarn und eine wirkliche Top-Band! Ein Jahr davor haben CALDERAH den Metalchamp gewonnen – du darfst raten, woher die waren!“ 

 

800 Metalbands für 8 Millionen Menschen.


Schön zu erfahren, dass sich in vielen Teilen Österreichs etwas regt, und nicht alles nur in der Hauptstadt Wien passiert. Allerdings gilt der Grundsatz „weniger ist mehr“ meist nicht ohne Grund. So gesund die österreichische Szene aus vielen Ecken emporkommt, es bleibt in manchen Bereichen ein fahler Beigeschmack. 
Ich weiß nicht, ob in der Szene ‚Aufbruchstimmung‘ herrscht. Bei dem Wort muss ich zuerst an Fußball denken – sogar da werden wir ja langsam erfolgreich! Aber ich glaube schon, dass in Österreich in vielen musikalischen Sparten Top-Produktionen abgeliefert werden, und dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis das auch international so richtig wahrgenommen wird“, stellt Tim fest.

Für die heimische Metalszene äußert er dennoch Bedenken. „Im Metalbereich sehe ich das leider nicht ganz so optimistisch. Da ist immer noch zu spüren, dass Bands, die zB aus Skandinavien kommen, bei vielen Veranstaltern und Medien noch einen Startvorteil haben. Immer wieder brüsten sich Festivals, die österreichische Szene unterstützen zu wollen. Und holen dann doch lieber wieder internationale Bands. Für die meiner Schätzung nach rund 800 österreichischen Metalbands wird es immer schwerer, noch wahrgenommen zu werden, vernünftige Gig-Angebote zu bekommen und sich eine Fanbase aufzubauen. Eben weil so ein Boom herrscht, und es viel mehr Bands gibt, als die Szene eigentlich vertragen würde.


Das Interview biegt in die Zielgerade. Bleibt die Frage, was AEONS OF ASHES in den nächsten Monaten planen. „Fürs Erste stehen noch ein paar Gigs an – Graz und Kufstein noch im Dezember, im Jänner dann Hartberg (St), Trimmelkam (OÖ) und Gleisdorf (St). Der Rest einer coolen Tour, die uns erst der Österreichische Musikfonds mit seiner Unterstützung in dieser Form ermöglicht hat. Dann freuen wir uns vor allem auf neue Songs. Seit der Albumaufnahme hatten wir Songwriting-Pause, also mehr als ein halbes Jahr. Darauf wollen wir uns jetzt konzentrieren. Wenn im Sommer aber noch der eine oder andere Festivalauftritt herausschaut, bin ich aber auch nicht böse…“ 

 

Einer Aufforderung, der getrost alle Festival-Veranstalter quer durch Österreich nachkommen sollten, wenn sie ihren Besuchern eine ordentliche Portion Metal aus St. Pölten liefern und eine top-motivierte, frische Band über die eigene Bühne fegen sehen wollen. 


Somit wären die letzten berühmten Worte?


Black Jack & Nutten! Und: Unterstützt eure lokale Szene – without you we’re nothing!


Gütl Chris


AEONS OF ASHES

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